Bibelanstalt, s. u. nd bibtlcche Tertschichte. Wie bei andern aus dem Altertume überlieferten Schriften, so ist auch bei den biblischen Büchern die Herstellung es ursprünglichen Textes eine Hauptaufgabe der wissenschaftlichen Forschung. Nachdem daher die Vorstellung, als sei der biblische Text lea hatte auf uns gekommen, sich als unrichtig erwiesen hatte, entstand eine eigene Wissenschaft der biblischen Textkritik. 1) Das Alte Testament. Hier handelte es sich zunächst um den Wert der, in der Renen won en und in der griech. übersetzung enthaltenen, von dem leferung oft sehr stark abweichenden Textüberlieferung. Im allgemeinen ergab sich, daß die letztere den Anspruch auf ungleich größere Treue hat wenngleich einzelne Berichtigungen des Textes nach den libersetzungen nicht ausgeschlossen sind. In den juüd. Rabbinenschulen, die um Christi Zeit in Jerualem, und nach dessen Zerstörung in Palästina und päter in Babylon blühten, wachte man mit peinlicher Sorgfalt über die unversehrte Erhaltung des hebr. Textes. Bialunde von den erst später hinzugekommenen Vokal⸗ und Interpunktionszeichen 0 en die Juden im 2. und 3. Jahrh. n. Chr. schon fast pöllig denselben Bibeltext, welcher gegenwärtig im Gebrauche ist. Die Sammlung eder abendländ. und morgenländ. Lesartene, welche aus jener Zeit überliefert ist, enthält für das ganze Alte Testament nur 220 Varianten, die sich lediglich auf geringfügige Kleinigkeiten beziehen. Späterhin steigerte man diese Sorgfalt noch, indem man die nach dem 6. Jahrh. eingeführten Vokalpunkte und Accente nicht minder ängstlich gegen jede Verderbnis durch Abschreiber sicherstellte. Die gegenwärtige Punktation ist ein Werk der unter dem Namen der Masora (s. d.) bekannten palästinisch-babylon. Schulgelehrsamkeit. Neben dem jetzigen hebr. System gibt es eine andere wesentlich abweichende Vokalisationsmethode, die In Gchran welche noch bei den karäischen Juden in ebrauch ist. 4 die alexandrinisch-griech. und die samaritanische Übersetzung setzen 6 auch eine andere Vokalisation voraus, die öfters au auf den Wortsinn von Einfluß ist. Im J. 1477 erschien (wahrscheinlich zu Bologna) 7 er Psalter mit dem Kommentare Kimchis (s. d.) auch gedruckt; 1488 zu Soncino zuerst das ganze Alte 3 Bresein in klein Folio, welcher Ausgabe die von Brescia (1494) Kortet zu sein scheint, deren sich Luther bei seiner Übersetzung des Alten Iecende bediente. Berühmte, für Spätere grundlegende Ausgaben sind außerdem die die ganze Bibel umfassende Biblia Polyglotta Complutensis (1514—17), die Biblia Rabbinica Bombergs, besorgt von Rabbi Jakob Ben Chajim (Vened. 1525—26), welcher Ausgabe die meisten andern Ausgaben gefolgt sind; ferner die (ebenfalls auch das Neue Testament enthaltende) antwerpener Biblia Polyglotta (8 Bde., 1569—72), die von Elias Hutterus (Hamb. 1587 u. öfter), Bux110 (Basel 1611) und namentlich die von Jos. Athias neuchenn 1661 u. 1667) gedruckte Ausgabe, der die neuesten und gebrauchtesten Ausgaben, z. B. von Simonis, Hahn, Theile u. a., fast durchaus sich angeschlossen haben. it der Herstellung des Textes der Masora ist —7 der ursprüngliche Text des Alten Testaments noch nicht ohne weiteres gefunden. Auch bei den Masoreten kommen manche ürere vor, welche sich zum Teil mit Hülfe der alten bersetzungen, namentlich der griechischen, zum Teil durch innere Kritik und genaue Erforschung des Sprachgebrauchs berichtigen lassen. Doch sind die vorhandenen kritischen Hilfsmittel gerade für das Alte Testament nicht so reichhaltig wie für andere Schriftdenkmale des Altertums, da die vorhandenen Handschriften verhältnismäßig jung und die von den Masoreten selbst überlieferten Varianten nicht sehr zahlreich sind. Die im Alten Testament enthaltenen Lesestücke sind größtenteils älter als die Ma-Rar Die Einteilung des Pentateuchs in 669 sog. araschen (d. h. Abteilungen) rührt wahrscheinlich aus der frühesten Zeit des öffentlichen Vorlesens der Heiligen Schrift her und findet sich bereits im Talmud, während die sog. großen Paraschen oder (54) heutigen Sabbats-Perikopen erst in der Masora vorkommen und in den Synagogenrollen nicht beobachtet werden. Ebenfalls schon im Talmud finden sich prophetische Lesestücke, Haphtharen, d. h. Endabschnitte, genannt, weil sie am Ende der gottesdienstlichen Versammlun gelesen zu werden pflegten. Die Kapiteleinteilungi rh. 5 Ursprungs und geht in die Mitte des 13. Jahrh. zurück. Dagegen ist die Einteilung der poetischen Bücher in einzelne rhythmische Glieder (Verse, Stichen) uralt. Sie war durch die Gesetze des hebr. Versbaues von selbst an die Hand gegeben, und geht daher auch der übrigens ebenfalls schon vom Talmud bezeugten Versabteilung der prosaischen Bücher voran. Die Bede. der Verse durch Zahlen stammt erst aus em 16. Jahrh. 2) Das Neue Testament. Der neutestamentliche Text wurde bis zur Erfindung des Buchdrucks ebenfalls handschriftlich überliefert, geriet aber schon Iropen Iuz einen schwankenden Zustand. Bei der roßen Anzahl von Abschriften waren zahlreiche chreibfehler unvermeidlich; aber auch abgesehen davon, wurde der Text gerade in den ersten Jahrhunderten mit der größten Willkür behandelt, indem man denselben bald ergänzen, bald berichtigen zu müssen glaubte, wobei neben mehr gelehrten Interessen vielfach auch dogmatische sich geltend moch ten. Kritische Arbeiten, wie sie von dem antio Presbyter Lucian, einem Schüler des Origenes, und von dem ägypt. Bischof Hesychius versucht wurden, und die Anfertigung von Kirchenexemplaren, welche man dann spätern Abschriften zu Grunde legte, stellten zwar einerseits eine gewisse Stetigkeit her, vermehrten aber auch die lokalen Verschiedenheiten der Textüberlieferung, ohne den Abschreibefehlern und willkürlichen Anderungen völlig zu steuern, sodaß Ind. auf wenigstens 80 000 anzuschlagen sind. Wieit später als das Alte Testament wurde das Neue Testament gedruckt: zuerst nach mehrern nicht näher beschriebenen, wohl ziemlich jungen Handschriften 1514 in der complutensischen Polyglotte, und seit 1516 ben sahr (bis 1535 fün Mal), aber kritisch nicht eben sehr sorgfältig, zu Basel dur Erasmus besorgt. Die jetzt hervortretenden u reichen Ausgaben des Neuen Testaments folgten meist mit wenigen Anderungen dem Erasmus oder der complutensischen Ausgabe, oder odett Eter beide (so namentlich die Ausgaben des Robert Stephanus, Par. 1546 u. 1549); nur selten wurde, wie in der pariser Ausgabe des Colinäus (1534), der mehrt. Erst Theodor Beza brachte durch Benutzung der Sammlungen des Heinr. Stephanus die Kritik des Neuen Testaments um einen Schritt weiter (erste griech.⸗lat. Ausg., Par. 1565). er Bezas Nachfolger wiederholten nur das bisherige unkritische Verfahren. Die berühmtesten der auf seine Recension zurückgehenden Mischausgaben sind die unter dem Namen des Lextus receptus verbreiteten Ausgaben der leidener Buchhändlerfamilie Elzevier Euerst Leid. 1624), aus denen die meisten Spätern schöpften. Doch haben die neuern Forschungen von Reuß nachgewiesen, daß selbst in diesem angeblich wöhnlichen Texte Dar zahlreiche Schwankungen finden. Zahlreiche Varianten wurden in Waltons londoner Polyglotte (1657 fg.), den Ausgaben von Fell (Oxf. 16750 und besonders von Mill (Oxf. 1707) und . Jak. Wetstein (Amsterd. 1751) angehäuft. Eine Verwertung dieses Apparats für die Textkritik versuchte unter den Englandern zuerst Edw. Harwood (Lond. 1776), mit größerer heolog Joh. und besserm Erfolge der schwäb. Theolog Joh. Albr. Bengel (Tüb. 1734). Aber erst die histor.⸗ritische Schule Deutschlands drang zu einer Sichtung der verschiedenen Textgestalten und zur Abwägung ihres Werts für die Festllellung des mscer li endt tes pvor. Der Begründer der neuen Textkritik ist Joh. Rai Griesbach geworden, welcher seit 1774 eine Reihe neuer Kosten veröffentlichte. Unter Benutzung der auf Kosten der dän. Regierung durch