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Sitten & ModeBrockhaus 1882

Bijouterie und Bijouteriefabriken (vom ranz bijou, die kleine, im Met Schmuckarbeit in etall, besonders in edelm Metall, im Gegensatz zu demjenigen Schmuck, der vorzugsweise aus edeln Steinen (joaillerie] gebildet ist). Der Gebrauch des Bijouterieschmucks ist bei allen Völkern in früher Zeit aufgekommen; die Formen haben sich geändert, die Gegenstände sind im wesentlichen dieselben geblieben. Diese Gegenstände sind die folgenden: Diademe und sonstiger Haarschmuck, insbesondere Nadeln, Halsbänder, Halsschmuck oder Colliers, Ketten verschiedener Art, sei es für das Haar, für Hals und Brust, für Uhren und Medaillons, Ohrgehänge, Ringe der verschiedensten Art und der verschiedensten Bestimmung für Finger, Arme, Fußgelenke, auch für Ohren, Bnan und Nafen, Broschen oder Nadelschmuck zum Zusammenheften, Agraffen und Schnallen, und sonst allerlei Knöpfe, Schließen, Gehänge und Besatz, falls diese Dinge aus Metall gemacht sind und zum Schmucke dienen. Das Material der Bijouterie besteht zunächst aus dem Edelmetall, aus Gold und Silber, sowie aus den Imiiw feider derselben; sodann aus Bronze, und zwar in frühern Perioden der Kulturgeschichte mehr als heute; ferner aus Stahl und endlich gegenwärtig in 3 It der S oder Juwelierkunst. Weit vorwieend i esondere aus Gold, obwohl das letztere in sehr verschiedenem Gehalt verwendet wird, von nur einem Viertel bis zu völlig reinem, gediegenem Golde. Letzteres (24 Karat) wird aber kaum in der europ. Bijouterie gebraucht, da ein geringer Zusatz das Gold härter und dauerhafter macht. Man färbt seit dem 18. 8601 und besonders gen zu rötlichen, grünen und blaßgelben önen, um durch ihre Zusammenstellung und Verbindung feine, farbige Effekte zu erzielen. tungsarten beruhen auf den verschiedenen Eigenschaften der Metalle, Gußfähigkeit Dehnbarkeit, zu variieren, d. i. anderes. oder Einschlagen schmelzen von Glasflüssen), Niellierung (Jeichnung mit hiedentich noch l Schwärze). Dieselben sind verschiedentlich noch heute in Gebrauch, obwohl nicht in dem Maße und der Feinheit wie sonst. Der farbige Effekt durch Steine ist großenteils an ihre Stelle getreten. Früher war die Hand der Hauptkünstler und die N mente waren einfach; jetzt ist es vielfach die Maschine, welche der Hand einen großen, vielleicht den größten Teil der Arbeit abgenommen hat. Gegenwärtig gibt es wie in der Übrigen Metalltechnik, so auch in der Bijouterie Walzen, Stampfmaschinen, Ausschneidmaschinen, Prägstöcke, Guillochiermaschinen u. s. w. Die Chemie kommt sodann bei der Vollendung zur Hilfe herbei, gibt dem leierten Golde die Farbe des reinen zurück, siedet as Silber weiß, färbt es mit Säuren u. s. w. Manche Teile werden schließlich poliert, andere matt gelassen. Der modernen Industrie ist dadurch manche Arbeit erspart, aber es hat sich schließlich ein Gegensatz zwischen den alten und neuen Schmuckgegenständen gebildet, indem jene viel mehr Freiheit, viel mehr künstlerisches Gepräge zeigen, diese die Einförmigkeit und Langweiligkeit der Maschine erkennen +1 — Unter den Völkern des Altertums sind vor allen die Etrusker und Griechen durch ihre Schmuckarbeiten in Gold bekannt. Ebenso ausgezeichnet durch die Schönheit und acher Feuheit der Form, sind ihre Arbeiten von solcher Feinheit und Vollendung, daß sie von der heutigen Bijouterie noch nicht haben erreicht werden können, soviel sie auch nachgeahmt werden. Ihr Hauptornament besteht in Überdeckung mit feinen Fäden und Körnern in allerlei Zeichnung; Email verwendeten ie dabei sehr selten, Steine noch seltener. Die häugere Einführung des Emails und damit der Farbe in die Bijouterie gehört dem Mittelalter an. Dieser temnev Effekt wurde dann mit Hilfe farbiger Edelteine von der Bijouterie der Renaissance aufs höchste ausgebildet. Die Schmuckarbeiten eines Benvenuto Cellini und zahlreicher anderer ihm gleichstehender Künstler sind in — Art so mustergültig wie der Schmuck der Griechen. Im 17. Jahrh. trat in der Zeichnung, im 18. Jahrh., besonders aber mit dem 19., auch in Effekt und Arbeit ein Sinken ein. In der Gegenwart wird die Bijouterie, unterstützt durch Mechanik und Chemie, durchweg mehr fabrikmäßig betrieben. Paris gibt für das moderne Fabrikat die Mode an. Diese besteht nicht in eigener origineller Erfindung, sondern in der Zusammenstellung vorhandener Motive. Gegenwärtig sind es vorzugsweise antike. Dem Beispiel Frankreichs folgt die deutsche Bijouterie, die als ein höchst bedeutender Industriezweig in einigen südwestdeutschen Städten, vorzugsweise in In Wien Pforzheim, Hanau, Gmünd, aber auch in Wien und Berlin blüht. Künstlerisch am Galdich steht heute von allem feinen und echten Goldschmuck der italienische, und zwar derjenige nach antiker Art, der, von der Familie Castellani in Rom begonnen und am vollendetsten ausgebildet, heute von vielen andern ebenfalls geübt wird. Neben dieser modernen Fabrikation ist aber auch des nationalen Schmucks zu gedenken. er heutige ind. Schmuck 7, an farbigem Glanz und Effekt, an Feinheit des Filigrans, an Schönheit des Emails Reit d keinem andern zurück. Die Haupteigentümlichkeit des nationalen, meist von bäueri-F Handwerkern gefertigten Schmucks besteht in Filigran. Man findet * in allen orient. Ländern, in Europg besonders bei den Portugiesen, Norwegern Dänen, Italienern, in den schweizer und österr. Alpen u. s. w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 42Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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