FeedBleistift
TechnikBrockhaus 1882

Bleistift (frz. crayon, engl. lead pencil, black crayon). Der Gebrauch des 5•3 oder eines dem B. ähnlichen Instruments fällt in das 14. Jahrh. zurück und beginnt mit der Entwickelung der modernen Malerei in Italien. Im 16. Jahrh. erst wurde der Graphit in Cumberland entdeckt, und dadurch die Anfertigung eines ganz neuen Schreib⸗ und Zeichenmaterials, des B.s, veranlaßt. In Deutschland tauchten Mitte des 17. I. die ersten B. auf, mehr als Gegenstand der Kuriosität als des gewöhnlichen Gebrauchs, bis gegen 1760, und zwar in Bayern, mit der Fabrikation begonnen wurde. Die bayr. Regierung, welche diesen neuen Industriezweig unter ihren besondern Schutz nahm, errichtete 1816 eine Staatsfabrik in Obernzell (Hafnerzell) bei Passau; später ging dieselbe an die Gebrüder Rehbach in Regensburg über, welche heute noch die Fabrikation betreiben. Auch in Wien faßte damals die Bleistiftfabrikation Wurzel. Der Mittelpunkt derselben wurde jedoch Nürnberg und Umgegend, indem Freiherr Lothar von Faber, der gegenwärtige Besitzer der bekannten A. W. Jaderschen Bleistiftfabrik, die von seinen Vätern 1761 zu Stein in den kleinsten Verhältnissen begonnene umpictinn brachte derart in Aufschwung und zur Entwickelung brachte, daß sich dessen Fabrikate in allen civilisierten Ländern der Erde, besonders auch in Amerika, Eingang verschafften und sich die Bleistiftindustrie im allgemeinen zu großer Blüte erhob. Gegenwärtig (1882) zählt Nürnberg 25 größere und kleinere Fabriken mit zusammen 5500 Arbeitern und einer jährlichen Produktion von 250 Mill. Bleistiften im Werte von 8 Mill. Mark. Aim dre. Meibt der eigentlichen Bleistiftmasse läßt sich in drei Methoden teilen. Die erste umfaßte die Herstellung der B. in Form von ausgeschnittenen und ausgesägten Stängelchen, welche aus dem zu Borrowdale in Cumberland gefundenen Graphit emacht wurden und teils lose verwendet oder in Hol eruch wurden. Die zweite Methode umfaßte die Versuche, die beim Schneiden der Graphitblöcke abgefallenen Graphitstücke und den gepulverten Graphit mit Bindemitteln, wie Schwefelantimon, Leim u. s. w., in Formen zu pressen und in Stifte zu schneiden. Die dritte Methode endlich nach der von dem Franzosen Conté 1795 ½ Erfindung, welche der Bleistiftfabrikation in kurzer Zeit eine neue Gestaltung geben sollte, bestand darin, dem Graphitpulver Eeu zuzusetzen und aus dieser Masse mittels Pressen beliebig starke oder schwache Bleistängelchen herzustellen, wodurch eine Mannigfaltigkeit der Sorten nach Härte, Pote Me oder Schwärzung erzielt wurde. Diese letzte Methode bürgerte sich allgemein ein. Durch Anwendung des von Faber in Stein aufgefundenen sibirischen Graphits (Graphite Alibert) ist es gelungen, in Bezug auf Rein-Ier und Gleichmäßigkeit einen Ersatz für das vorher unübertroffene Cumberlandblei zu finden. Unter den neuern Produkten der Bleistiftindustrie haben namentlich die mechanischen B. die unverwischlichen Pastellstifte, die unter dem Namen Creta polycolor bekannten Olkreidestifte und endlich die in neuester Zeit erfundenen Kopierbleistifte, deren Masse neben Graphit einen kleinen Zusatz von Anilinviolett enthält, Anerkennung gefunden. Diese letztern Stifte können als Ersatz für B. und Kopiertinte dienen. Dieselben geben auf trockenem Papier eine Bleifederschrift, welche sich nicht durch Reibgummi entfernen läßt und von welcher durch gefeuchtetes Kopierpapier ohne großen Druck eine Kopie gemacht werden kann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 162Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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