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Bildende KunstBrockhaus 1882

Büchern, welches aber schon im folgenden Jahre durch seinen Tod erledigt wurde; während nun sein Bruder Joh. Wendelin das Geschäft anfangs allein, später mit Joh. von Köln fortführte, etablierte sich im selben Jahre Nikolaus Jenson, ein ges chickter Graveur und geborener Franzose, der von König KarlVII. nach Mainz gesendet worden war um die neue Kunst zu erlernen und in Frankreich einzuführen, aus unbekannten Gründen aber nicht nach Frankreich zurückkehrte, sondern nach Venedig ging, wo er die schöne Antiqua und got. Lettern schnitt, welche als Characteres Veneti berühmt wurden. Nach seinem Tode 1481 gelangte seine Druckerei an Andr. Tornesanus de Asola, den Schwiegervater des be-Alorne Pius Aldus Manutius (s. Ranutius und Aldinen). In Mailand errichtete Filippo de Lavagna 1469 die erste Druckerei, der wahrscheinlich mit eingewanderten deutschen Gehilfen arbeitete. In Florenz unternahm es der Goldschmied Bernardo Cennini, ohne deutsche Hilfe eine Buchdruckerei zu errichten; nach aufmerksamer Prüfung der gedruckten Bücher schnitt er Punzen, schlug Matrizen, oß Lettern und druckte 1471 damit ein Werk mch scheint er den Druck aufgegeben zu haben, als si kurz darauf ein deutscher Drucker in Florenz niederließ. Im J. 1477 druckte in Florenz Nikolaus von Breslau das erste Werk mit Metallholzschnitten. Italien besaß im 15. Jahrh. 71 Druckorte. In Spanien wurde die Kunst 1474 zu Valencia eingeführt, in Madrid schlug sie erst w1499 ihren Sitz auf. Nach Portugal wurde die Kunst zuerst von den Juden gebracht, welche 1484 zu Leiria druckten; 1495 ließ die owton Eleonore deutsche Buchdrucker nach Lissabon kommen. Nach Frankreich wurden von dem Rektor Joh. Heinlein 65 von Stein) in Paris auf des gelehrten Wilh. Fichets Veranlassung Ulrich Inn M von Konstanz, Martin Krantz aus Basel und Michael Friburger aus Colmar 1470 berufen; obgleich ihnen König Ludwig XI. das Staatsbürger1201 verlieh, kehrten Krantz und Friburger 1477nach Deutschland zurück, Gering druckte in Paris fort. Unter den pariser Druckern des 15. Jahrh. zeichneten sich Antoine Verard (1480—1500) und Philippe Pigouchet aus. In Lyon wurde die Kunst 1473 eingeführt, Frankreich zählte im 15. Jahrh. 29 Druckorte. Der at; niederländ. Drucker war Dierik Martens zu Aalst; in Brügge errichtete 1476 Colard Mansion eine Buchdruckerei; in Harlem (wo nach einer irrigen Meinung die B. von einem gewissen Coster erfunden worden sein soll) druckte zuerst Jakob Bellaert 1483; Amsterdam erhielt erst zum Beginn des 16. Jahrh. eine Presse. Nach England wurde die neue Kunst 1477 von William Caxton (s. d.) eingeführt, der sie in Köln erlernt haben 9 Er, wie sein nächster Nachfolger Wynkyn de Worde und Rich. Rbaf on, werden von den Engländern hoch in Ehren gehalten. Skandinavien erhielt die Kunst durch Joh. Snell, der 1483 die erste Druckerei in Stockholm anlegte, nachdem er schon 1482 in Odense auf der Insel Fünen gedruckt hatte. Der erste Buchdrucker Kopenhagens war Gottfr. von Ghemen 1490. Auch die 40 Länder eigneten sich die Erfindung bald an. Pilsen erhielt 1475, Prag 1478 die erste Presse; in Polen wurde das erste Buch 1491 zu Krakau Bach mi in i Rußland soll 1493 zu Tschernigow ein Buch in illyrischer Sprache mit cyrillischen Lettern erschienen 9 die ersten Bücher in russ. Sprache wurden jedoch ln m Auslande gedruckt. Ungarn besaß 1473 eine Druckerei in Ofen. In der Türkei, wo die B. nur verstohlen ausgeübt werden konnte, wurden von Juden Bücher gedruckt. So hatte sich schon im 15. Jahrh., dank der deutschen Wanderlust, die B. über 10 Buchdruc verbreitet, man kennt die Namen von 910 Buchdruckereibesitzern, und Hains Katalog der im 15. VWr gedruckten Werke zählt die Titel von 16299 Werken auf, was, da die Auflage gewöhnlich 300 war, eine Anzahl von 5 Mill. . die v Bücher ergibt. lie Da die Aufgabe der B. die Vervielfältigung der Handschriften war, so war es 1e Handschri⸗ ˖. lich, daß die ersten Buchdrucker die Handschriften getreu nachahmten. Neben der oben erwähn⸗ st ten Missalschrift, welche Gutenberg für den Druck der Donate und der Bibeln anfertigte, d bediente man sich einer andern Schrift für scholastische Werke, einer kleinen halbgot. Form, C die indes gern mit runden Buchstaben unter⸗ N mischt wurde. Mit dieser Schrift wurden zuerst die Ablaßbriefe von 1454/55 gedruckt; das erste Buch, zu welchem sie verwendet wurde, war Mentels Bibel, von der beistehend (unter 1) eine michi munuscula perfe piest Schaft — ettres de reg detulit fib et siiauis: Somme, nach Werke des heil. Thomas. In andern Handschriften hatte sich die Minuskelschrift des 10. Wab. noch erhalten, welche in den Versalien die Buchstaben der röm. Inschriften und in den gemeinen Buchstaben die runden Formen zeigte, welche unsere lat. Druckschrift noch heute besitzt. Mit dieser Type druckten zuerst Sweynheym zu Subiaco und Gering zu Paris in der Sorbonne; eine undatierte in Deutschland gedruckte Bibel, von deren Schrift hier (2) eine Probe Rater Ambros⸗ 19 einer Eintragung in tua mihi munus dem Sweynheymschen cula perterenstde nachstehen. Zu deutö Werken diente eine Schrift, welche der damaligen Briefschrift nahe stand und von welcher das nachstehende Faksimile (3) Probe gibt; sie wurde zuerst von dem Maler Er heiligen vnd heyl samen fart vber cusalem vnd groß lob besunder wird lich 49986 vß eyin andechtiger Rewich zu Mainz zum Druck von Breitenbachs „Reiseno (1486) angewendet. Ihr sehr ähnlich l; ist die franz. Batarde oder Bastardschrift, welche sowiediee in profanen Schriften gebraucht wurde, owie die englische, von der hier gleichfalls eine Probe nach Caxtons Druck folgt (4). Bald emanzipierten sich aber die Briefdrucker von der sklavischen Nachahmung der Handschriften und führten die Schriften stilgein ende hat das buch der heim chen offenbarung sant ioh ãsen es zwelffboten vnd ewangeliurch Albrecht dürer maler nach hristi geb urt M. eece vnd darach imxeviij iar. recht durch. Aus der scholastischen Schrift wurden alle runden Buchstaben, aus der runden Schrift alles Eckige verbannt; so entstanden die got. und die Antiquaschrift, zu denen beiden Jenson die herrhidete Typen lieferte. Aus der deutschen Schrift bildete sich noch im 15. Jahrh. die sog. Schwabacherschrift heraus, die in ihrer reinsten Form zuerst von Albrecht Dürer 1498 (s. das vorstehende Faksimile 5) verwendet wurde. Mit demselben Eifer, mit welchem die mannigfachsten Handschriften in lat. und modernen Sprachen nachgebildet wurden, ging man auch an den Abdruck der griech. Handschriften. Das erste griech. Werk druckte Dionisius Paravisinus 1476 zu Mailand; die treueste Nachahmung der riech. Handschriften mit ihrer Masse von Ligaturen lieferte Aldus Manutius mit den von Franz von Bologna geschnittenen Typen (s. Probe 6). Das erste gedruckte hebr. Werk entstand 1475 zu Reggio in Calabrien (s. nachstehendes Faksimile 7); eine in Soncino 1488 gedruckte Bibel zeigt bereits untergesetzte Vokale und Lesezeichen. Für Musiknoten wurde teils der Raum leer gelassen, um sie mit der Feder einzuschreiben, teils kamen sie als Holzschnitte vor. Die Holzschnittillustration war meist r häufig wurde ein und derselbe Holzschnitt für verschiedene Darstellungen gebraucht, doch kamen auch gutgeschnittene Bilder vor. Initiale und Randverzierungen wurden anfangs meist mit der Hand eingezeichnet; die Bücher zu dem mer gen Ite Illuminator und Rubrikator de vnd mer len versehen und ausgemalt pilger unausgemalt billiger ver-I* elbst ausmalen lasse; daher Räume. Bald suchten sich auch hier die Drucker zu emanzipieren und druckten in Holz geschnittene nitiale und Randleisten in ihre Bücher, sodaß das lluminieren zuletzt ganz überflüssig wurde. Im 16. Jahrh. wurde die Verbreitung der B. intensiver, zumal die religiösen Streitigkeiten ihr massenhaften Stoff lieferten. Die Regierungen beschon fur sich vielfach mit der Bücherpolizei, die schon fr Handschriften bestandenen Censurvorschriften wurden erneuert und verschärft; am 27. März 1564 wurde von dem Konzil zu Trient der erste Index verbotener Bücher veröffentlicht; in Frankreich suchte die Sorbonne sogar das Verbot der B. zu erwirken, und schon hatte Franz I. den Befehl erlassen, alle Druckereien zu Tan, Bu als der Widerstand des Parlaments die franz. Buchdrucker vor der drohenden Maßregel Lenreich In England wurde die Zahl der Druckereien beschränkt, in allen Staaten wurde die Presse Dnn or überwacht, nur in Deutschland Irelinat dank der weitgehenden Autonomie der Einzelstaaten, eine verhältnismäßig freiere Bewegung der Presse. In Deutschland zeichneten sich aus: Hans Schön-Rarnbe und Oglin in Augsburg, Albrecht Dürer in ürnberg, Valentin Schumann, Joh. Rhamba, Valentin Bapst und Ernst Vögelin in Leipzig, Joh. Singriener, Joh. Carbo und amelnn Zimmermann in Wien, Hieronymus Commelinus in Heidelberg, Christian Egenolph und Sigismund Feyerabend in Cewon a. M., Hans Luft in Wittenberg; in der Schweiz Froben, Oporinus (Basel) und Froschauer Zürich); in Italien die Familie Manutius, die amilie Junta zu Florenz und Daniel Bomberg in enedig; in Frankreich Jodocus Badius, Michael Vascosan, die Familie Morel, die Familie Etienne oder Stephanus, Wechel, Turnebe, Néobar, Gourmont, Tory in Paris, Gryphius und Dolet in Lyon: in den Niederlanden Plantini in Antwerpen. In technischer Beziehung Der unr im 16. Bucgroße Fortschritte gemacht. Der nürnberger Buchdrucker Danner führte um 1550 die messingene Spindel an der Presse ein und Garamond verbesserte das Gießinstrument. In Frankreich, England und Italien wurde die got. Schrift von den angesehensten t des Manutius. 1495.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 655Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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