FeedBlumenbach (Joh. Friedr.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Blumenbach (Joh. Friedr.), berühmter Naturorscher, geb. zu Gotha 11. Mai 1752, studierte in ena und Göttingen, wo er 1776 außerord. Proessor der Medizin und Inspektor der Naturalienammlung wurde und 1778 eine ord. Professur erlangte. In dieser Stellung wirkte er fast 60 Hichte dergieic rch Vorlesungen uber Naturgeschichte, vergleichende Angtomie, hpra ie und Geschichte der Medizin. Die Zoologie erhob B. zuerst in Deutschland zu wissenschaftlicher Bedeutung, indem er lange vor Cuvier, schon seit 1785, dieselbe von der ̈9½53 natomie abhängig machte, ohne freilich in der Systematik diesem Hanei treu u bleiben. Sein größtes Verdienst besteht darin, aß er der vergleichenden Anatomie dudh in Deutschland Eingang verschaffte, teils durch Vorträge, teils durch sein 91991070 der vergleichenden Anatomie und n ale e (Gött. 1804; 3. Aufl. 1824), welches fast in alle Sprachen Europas übersetzt worden ist. Von Wichtigkeit war auch seine Geschichte und Beschreibung der Knochen des menschlichen Körperso (Gött. 1786; 2. Aufl. 1807). Die Beit an sen des Menschen war von Inauch Zeit an sein Lieblingsstudium; schon seine Inauguraldissertation De generis humani varietati nativan(Gött. 1775), die mehrfache Auflagen (4. Aufl., Gött. 1795) erlebte und in mehrere Sprachen übersetzt wurde, handelte über dieses Thema. Die von ihm angelegte Schädelsammlung gab den Stoff zu den Abbildungen von Rassenschädeln in der «„Collectio craniorum diversarum gentium„ C Dekaden, Gött. 1790—1828, nebst einer Nova pentas collectionis suae eraniorum etc., Gött. 1828; neu herausg. von H. von Ihering, Wien 1873), die immer noch wertvoll sind, obschon die Wissenschaft zu andern Ansichten gelangt ist. Als 9 duue 516 er die Aufmerksamkeit Europas auf trieb und das Zeugungsgeschäft‘ (Gött. 1781; 3. Aufl. 1791) und die Iustitutiones physiolobuh (Gött. 1787; 4. Aufl. 1821). Sein »Handuch der I80. Lins erlebte 12 Auflagen (Gött. es 18. Jahrh ine Reise nach England zu Ende des 18. Jahrh. brachte — in vertraute Benchwende zu den dortigen Naturforschern. Zunehmende Altersschwäche veranlaßte ihn 1835, die akademische Thätigkeit aufzugeben. starb 22. IJan. 1840. l. Marx, «„Zum Andenken an Joh. riedrich B.y (Gött. 1840) und die Biographienammlung «⸗Göttinger Professorens (Gotha 1872). Blumenblau, Anthokyan, Kyanin, ist der blaue Farbstoff der Blumen genannt, welcher sich meistens als blaue Lösung im Zellsaft, von farblosem Protoplasma umhüllt, in den Blumenblättern der Pflanzen findet; in einzelnen Fällen, wie bei Strelitzia reginae, Tillandsia amoena, Atropa belladonna ist der Farbstoff an Jellaft Substrate gebunden, welche in farblosem Zellsaft schwimmen. Über die chem. Eigenschaften dieses Körpers ist wenig bekannt. Man kann ihn isolieren, indem man blaue Blumenblätter mit kochendem Weingeist extrahiert, den Alkohol verdampft, in Wasser den Farbstoff aufnimmt und mit Bleiucker fällt, wobei er als grüner Niederschlag abgeschieden wird; letzterer wird mit Schwefelwasser-Los zersetzt, wobei der Farbstoff unverändert in Lösung geht; diese wird auf dem Wasserbade — Trockne gebracht, der Rückstand in absolutem Alkohol lne „ worauf Hesch — von Ather das B. in blauen Flocken abgeschieden wird. Das B. wird durch reduzierende Substanzen, wie schweflige Säure, entfurbt, durch Säuren gerötet, Alkalien 9• die blaue Farbe bei der Neutralisation wieer her, jeder Überschuß verwandelt sie in Grün, manche Metallsalze „ wie die des Eisenoryds, Kupferoxyds, gehen intensiv blau gefärbte Verbindungen mit dem B. ein. Der rote Farbstoff der Blumen ist durch freie Säure gerötetes B. Fremy und Cloez entl. gezeigt, daß die Färbung der Blumen wesentlich von der Reaktion ihres Zellsaftes bedingt ist, blaue Blumen haben neutralen, rote und rosa Blumen einen sauren Zellsaft. Ebenso kann man auch künstlich blaue Blumen in rote verwandeln; taucht man z. B. die blauen Gentianen in sehr verdünnte Säure, so werden sie rot und bleiben auch rot, wenn man die Säure durch Waschen mit Wasser pßderar sie nehmen aber ihre schöne blaue Farbe wieder an, wenn man sie in eine verdünnte Lösung von Eisenchlorid taucht, da sich dann die blaue Eisenverbindung des Farbstoffs bildet. Die Umwandlung roter Blumen in blaue gelingt kaum, da der Farbstoff unter Einwirkung von freiem Alkali ungemein rasch weiter zersetzt wird. Vgl. Sachße, «Chemie und Physiologie der Farbstoffes u. s. w. (Lpz. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 191Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6