FeedBlutflecken auf Kleidungsstücken
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Blutflecken auf Kleidungsstücken, Messern, Waffen sind häufig in Kriminalfällen vom Chemiker zu untersuchen, um den Beweis des Vorhandenseins von Blut zu erbringen. Erhält man Material in vollkommen . Zustande, bevor das Blut eingetrocknet ist, ein Fall, der in der Praxis jedoch selten vorkommen dürfte, so genügt einfache mikroskopische Beobachtung, um aus dem Vorhandensein unverletzter, an ihren Formen leicht erkennbarer Blutkörperchen auf die Gegenwart von Blut einen sichern S 7 machen zu können. Aber auch eingetrocknete, Jahre alte B. lassen sich mit aller Sicherheit als solche erkennen. Hierzu dienen zwei Methoden: 1) Chemisch—⸗ mikroskopisch, Teichmanns Blutprobe. Man weicht die betreffenden Flecke in wenig Wasser auf, dem eine Spur von Alkali zugesetzt sein kann, filtriert, dampft die Flüssigkeit bei gelindester Wärme im Wasserbade zur Trockne, verreibt den braunen Rückstand mit ein I1 Kochsalzkrystallen, bringt das Pulver auf den Objektträger, fügt einen Tropfen stärkster Essigsäure zu, legt das Deckgläsen darauf und erwärmt über einer kleinen Gasamme, bis die Flüssigkeit etwa zur Hälfte verdunstet ist; nach dem Erkalten zeigen sich dann bei 300maliger Vergrößerung zahlreiche, wohl ausgebildete, dunkelbraun gefärbte Krystalle von salzsaurem Hämatin, die mit den gleichzeitig entstehenden farblosen Kochsalzkrystallen nicht verwechselt werden können. 2) Spektralanalytisch. Eine wässerige, wie oben bereitete Lösung der Flecken wird vor den Spalt des Spektralapparats gebracht und bei durchfallendem Sonnenlicht beobachtet. Bei Gegenwart von Spuren von Blut sind dann zwei höchst charakteristische Absorptionsstreifen zu beobachten, von denen der eine kräftigere und breitere im Sonnenspektrum etwas links von der Fraunhoferschen Linie D und bis D ½ E reichend, der andere schmälere auf Eb liegt. (Vgl. Spektralanalyse nebst Tafel.) Beide Proben ergänzen sich gegenseitig und sollten stets nebeneinander ausnannt nach dem berhmten hannov. Leibarzt Werlhoflgeb. 1699 zu Helmstedt, gest. 1767 zu Hannover), der sie zuerst beschrieb, charakterisiert sich durch zahlreiche kleine Blutergüsse (Petechien) in die Haut und die Schleimhäute. Sie entsteht infolge leichter, noch nicht genügend aufgeklärter Zerreißlichkeit der feinsten Blutgefäße und unterscheidet 5˙ vom Skorbut (s. d.) hauptsächlich dadurch, daß bei ihr konstant die jenem eigentümliche Veränderung des Zahnfleisches sowie überhaupt die Neigung zu gechwürigem Zerfall fehlt. + vorhergegangenem eichten allgemeinen Unwohlsein, Verdauungsstörungen, Mattigkeit, häufig aber auch ganz plößlich ohne alle Vorboten, enistehen auf der äußern Haut kleine, anfangs rote, später bläulich, grün und gelb werdende Pirn die besonders — reich an den Beinen zu sein pflegen; auf den Schleimhäuten machen die Vlutergüsse ebenfalls rote Flecken, oder aber es tritt das ergossene Blut auf die freie Oberfläche und verursacht somit Nasenbluten, Mundblutungen, Bluthusten, Blutbrechen, Blutharnen, blutigen Stuhl. Dabei ist, sofern die Krankheit kräftigere Personen befällt, das Allgemeinbefinden wenig oder gar nicht gestört, und die Krankheit endet nach 2—4 Wochen ohne weitere Folgen. Nur wenn die Blutungen sehr reichlich werden oder die Kranken schon vorher schwächlich waren, ist die Krankheit beschwerlicher und bedenklicher. Rekonvalescenten von schweren Krankheiten, schlechtgenährte oder sonstwie geschwächte Personen befällt die Krankheit allerdings öfter als kräftige. Man behandelt die Krankheit innerlich mit Eisen, Säuren und China, bei stärkern Blutungen (s. d.) auch äußerlich mit blutstillenden Mitteln.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 210Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Sitten & Mode 6