FeedAbdampfen
NaturlehreBrockhaus 1882

Abdampfen, Verdunsten, Evaporieren, Inennt man in der Chemie und chem. Fabrikindustrie eine Operation, durch 43 unter dem Einfluß von Wärme eine Flüssigkeit in Dampf verwandelt wird. Das A. wird namentlich vorgenommen bei wässerigen Lösungen der verschiedensten Stoffe, um entweder den Wassergehalt solcher Lösungen zu verringern oder um die gelösten 544 808 1. in feste Form zu bringen. Es wird dabei das A. so weit fortgesetzt, bis die Gesamtmenge des vorhandenen Wassers in Dampf verwandelt it (A. zur Trockne) oder man unterbricht die Operation in einem frühern Zeitpunkte, bei welchem der Wassergehalt auf ein dem besondern Zwe entsprechendes inimum gebracht ist (A. zur Sirupskonsistenz). Am * gsten werden Flüssigkeiten bis zum Krystallisationspunkt ab alte ader um beim Erkalten den gelösten, in der Kälte aber weniger löslichen Körper zu gewinnen. Je nach der Natur des gelösten Körpers die Temperatur beim A. zu regeln. Loösungen von schwer zersetzbaren Substanzen werden bei vollem Sieden abgedampft, leicht zersetzbare müssen vor dem Einfluß zu hoch gesteigerter Temperatur bewahrt werden, manche dürfen über die gewöhnliche Wärme der Luft nicht gebracht werden. 455 letzterm Falle bewirkt man das A. dadurch, daß die Flüssigkeit in einem vor Staub ½ möglichst flachen Gefäß e Zeit sich selbst überlassen bleibt (freiwilliges Verdunsten oder besser, indem das die Flüssigkeit enthaltende Gefäß zusammen mit einem Wasser absorbierenden Mittel, koncentrierte eeluitdichat gebrannter Kalk, Chlorcalcium, unter eine lu tdicht abzusperrende Glasglocke ebracht wird, in welcher so lange Wasserdampf gebildet wird, als die Wasser anziehenden Substanzen noch wirksam sind; beschleunigt wird das A. in diesem dure wenn die in der Glocke eingeschlossene Luft urch Anwendung einer Luftpumpe beseitigt wird. Außerst vorsichtiges A. ist bei allen chemisch analytischen Arbeiten geboten, bei welchen der elöste Körper nach Beseitigung des Lösungsmittels quantitativ bestimmt werden soll. Hier ist jedes Kochen zu vermeiden, um nicht durch Verspritzen Verluste zu haben; am zweckmäßigsten wendet man dabei zum Erwärmen das Wasserbad an. Die zum A. dienenden Apparate werden aus dem verschiedensten Material gefertigt, Glas, Porzellan, Eisen, Kupfer, Zinn, Blei, Silber, Platin. Die Anwendung von aus edelm Metall bestehenden Gefäßen kann durch die Bes chaffenheit der abzudampfenden Flüssigkeit geboten sein; so lassen sich Lösungen von Fluorverbindungen nur in Platingefäßen abdampfen, weil diese alle übrigen Metalle und sonstigen Materialien angreifen; Kalihydrat und Natronhydrat erfordern aus gleichem Grunde die Verwendung von Gefäßen von chemisch reinem Silber. Die den Abdampfapparaten zu gebende Form ist dem speziellen Zweck anzupassen. Handelt es sich um möglichste Beschleunigung des A., so sind der Heizfläche im Verhältnis zum kubischen Idag des Gefäßes große Dimensionen zu erteilen; ist dagegen möglichste Ausnutzung der Wärme geboten, bei geringem Werte des Produkts und hohem Preise des Brennmaterials, so wird man den Feuerraum in der Größe beschränken, dagegen dem Gefäß eine große Fläche geben. Je geringwertiger das durch das A. zu gewinnende Produkt ist, um so mehr ist man im Fabrikbetriebe darauf angewiesen, die Verdampfungskosten möglichst zu verringern; es werden daher z. B. Salzsolen auf Gradierwerken, Meereswasser in den Salzgärten, d. i. in ganz flachen Tei-Berd der durch Sonnenwärme bedingten freiwilligen erdunstung überlassen, oder es wird, wie z. B. in der Sodafabrikation, die Wärme, welche bereits für einen gewissen Zweck ausgenutzt it, zum Verdampfen von Flüssigkeiten verwandt, indem man sie, statt sie in den Schornstein entweichen zu lassen, über die zu verdampfenden Laugen führt (A. mit oberschlähn em Feuer). In der Schwefelsäurefabrikation enutzt man die den Verbrennungsprodukten der Kiese zu entziehende Wärme im Gloverturm zum A. der verdünnten Säure. übert A. solcher Lösungen, deren Bestandteile durch nin leicht zersetzt werden, wie z. B. viele organische Verbindungen, benutzt man Dampfheizung. Der dazu dienende Dampf wird in einem eigenen Kessel erzeugt und entweder in einen die Außenfläche des Gefaßes umhüllenden Mantel oder in ein vielfach gewundenes, in der zu verdampfenden Flüssigkeit iegendes Rohr geleitet. Je nach der Spannung des Dampfes, oder je nach der Größe der Differenz der Temperatur des Dampfes und des Siedepunktes der Flüssigkeit, wird hier das A. rascher oder langsamer erfolgen. Diese Art des A. ist vorteilhaft, weil bei der vorzüglichen Konstruktion der Dampfkessel mit letztern eine weit bessere Ausnutzung der Wärme des Brennmaterials möglich ist als bei gewöhnlichen Abdampfapparaten und weil der zur Heizung gebrauchte Dampf in Form von siedend heißem Wasser in den Dampfkessel zurückzuführen ist, aus welchem Grunde die Dampfheizung gegenwärtig nicht mehr zomern auch zum A. leicht zersetzbarer Flüssigkeiten, sondern au für die mancher anderer verwandt wird. In der Zuckerfabrikation bedient man sich zum Verdampfen der Säfte ausschließlich der Dampfheizung und beünstigt die Dampfbildung in der zu verdampfenden Dianre der 2 daß man den auf letztere wirenden Druck der Atmosphäre, resp. des entstandenen Dampfes beseitigt, indem das A. in geschlossenen Gefäßen vorgenommen wird, aus welchen durch eine Luftpumpe und Kondensationsvorrichtung sowohl die die Gefäße erfüllende Luft, wie auch die sich bildenden Dämpfe im Moment der umsso entfernt werden. Da die dceren Lemp um so rascher und bei um so viel niedrigerer Temperatur erfolgt, je geringer der auf der Flüssigkeit luntleer Druck ist, so ist bei dieser Verdampfung im luftleeren Raum, im Vakuum, ein außerordentlich rasches A. zu erzielen. Die gleiche 22 00hr. wird bei der Dar tellung der für den mediz. Gebrauch dienenden Pflanzenextrakte, sowie bei der der sog. kondensierten Milch befolgt, um die zu verdampfenden Flüssigkeiten vor der schädlichen Einwirkung der Luft zu bewahren.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 24Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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