FeedAuflösung
NaturlehreBrockhaus 1882

Auflösung oder Solution ist ein Vorgang, durch welchen irgendein Körper, sei er fest, flüssig oder gasförmig, sich mit einer Flüssigkeit in der verbindet, daß ein gleichartiges Ganzes gebildet wird. ird ein fester Körper, z. B. Zucker, Kochsalz, Glaubersalz, Alaun u. s. w., in Wasser aufgelöst, so verliert sich die Kohäsion seiner kleinsten Teilchen, er geht in den flussigen Zustand ber. Die A. ist also gewissermaßen ein Schmelzen auf nassem Wege; und wie bei ½½%½½%½ Körpern Wärme gebunden wird, welche sich dem Gefühl entzieht und teine Wirkung —7⁷ auf das Thermometer äußert, so ist es auch hier der Fall. Löst man ein leichtlösliches Salz, welches nicht eine chem. Verbindung mit Wasser eingeht, in möglichst fein zerriebenem Zustande 2 in Wasser auf, so sinkt die Temperatur der Flüssigkeit bedeutend, weil das Salz, um aus dem festen in den flüssigen Zustand überzugehen, eine große Quantität Wärme bindet (s. Latente Wärme) und diese der achr niedr entzieht. Auf solche Weise kann man eine sehr niedrige Temperatur erzeugen, die oft unter den Gefrierpunkt sinkt, wie bei der A. des salpetersauren Ammoniaks. Man könnte daher dies Salz zur künstlichen Eisbereitung gebrauchen. Löst man dagegen ein Gas in Wasser, so wird es au 2½7 und da die Gase mehr Wärme gebunden enthalten als die Flüssigkeiten, so muß bei dem Vorgange Wärme frei werden. In der 1 erhitzt sich Wasser, welches Salzsäuregas absorbiert, außerordentlich. Ebenso wird auch bei der A. der sog. wasserfreien Salze nicht Wärme gebunden, sondern es tritt durch freiwerdende Wärme eine oft bedeutende Erhitzung der Flüssigkeit ein, da hier chem. Affinität sich in Wärme umsetzt. Die 1 be verschie d. h. die R sich aufzulösen, ist bei verschiedenartigen Körpern sehr perschieben, und ein und derselbe Körper löst sich oft in verschiedenen Flüssigkeiten in sehr verschiedenen Mengen. Im allgemeinen löst sich ein Körper um so mehr, je höher die Temperatur des Lösungsmittels ist. So lösen sich in 100 Teilen Wasser beim Gefrierpunkte etwa 13 Teile Salpeter, beim Siedepunkte aber über 200 Teile. Hat eine Flüssigkeit be viel von einer Substanz aufgelöst, als sie bei der herrschenden Temperatur überhaupt aufzulösen vermag, so nennt man sie mumuhtt Erkaltet eine heiß gesättigte Flüssigkeit allmählich, so muß sich mit sinkender Temperatur eine entsprechende Menge des gelösten Körpers ausscheiden, und dies geschieht, wenn die Substan überhaupt dazu befähi t ist, unter Bildung von Arystallen. Das AbeM öst sich bei allen Temperaturen fast in derselben Menge Wasser 6(2 Zu den vorzüglichsten Auflösungsmitteln Menstruen) gehört das Wasser, der Alkohol, der Ather, das 59010 und der Petroleumäther; letztere lösen manche Stoffe, welche in Wasser unlöslich sind; viele in Ather u. s. w. lösliche Stoffe lassen sich ihrer wässerigen Lösung durch Schütteln mit diesem Lösungsmittel entziehen. Das Wasser, das in der Natur verbreitetste Lösungsmittel, löst die meisten Verwitterungsprodukte des Mineralreichs, welche in Mer Lösung den Pflanzen oder den Flüssen und Meeren zugeführt werden. Die Lösung in diesem Sinne ist ein Mtz Vorgang und wird dadurch bewirkt, daß die Moleküle des Lösungsmittels auf die Moleküle des gelöst werdenden Körpers genügend große Anziehungskräfte ausüben, um feten 3 die Kraft, durch welche die Moleküle in den festen Zustand versetzt werden, überwinden zu können. Hiervon zu unterscheiden ist die 2 Lösung, welche eintritt, wenn ein unlöslicher Körper durch Einwirkung einer dritten Substanz chemisch so veründert wird, daß die neu entstehende Verbindung ein löslicher Körper ist. So ch sich Eisen nicht im Wasser; durch Zusatz von Schwefelsäure wird es aber unter Entwickelung von Wasserstoffgas in schwefelsaures Cisenoxydul übergeführt, welches sich leicht auflöst. Die eingehendsten Studien über die beim Lösen erfolgenden Wärmeerscheinungen sind von Thomsen Rechen die Resultate derselben finsich in zahlreichen Abhandlungen im Journal 1Auft5) Chemie⸗ (Neue Folge). uflösung heißt in der Musik das Fortschreiten der Intervalle eines Akkords von der Dissonanz zur Konsonanz, und zwar geschieht dieses stufenweise, je nach Art der dissonierenden ntervalle eine Stufe auf-oder abwärts. Die reguläre A. ist diejenige, wo die Dissonanz, im schlechten Taktteil vorbereitet, auch im schlechten Taktteil wieder aufgelöst wird, und die irreguläre, wo die im Durchgang gebrauchte Dissonanz auf der guten Taktzeit ihre A. findet. In der ältern Musik und im a Capella-Stil ist dies die allein herrs ende Weise. Die neuern Komponisten erklären vielfach die Vorbereitung der Dissonanzen überhaupt für unnötig, was aber in gewissem Maße nur bei der Instrumentalmusik der Fall 3 er Gesang verliert seinen Halt, wenn er si 2 an die altbewährten Gesetze der A. hält. (S. Dissonanz.) rner bezeichnet man auch als A., wenn eine dur erhöhte oder durch h erniedrigte Note vermittelst des wieder in ihren ursprünglichen Ton versetzt wird. eshalb nennt man das g auch Auflösungszeichen. — In der Poesie, besonders im Roman und noch mehr im Drama, nennt man A. die Katastrophe oder vielmehr den mit der Katastrophe eintretenden letzten Teil der Handlung, ihre Entwickelung, zu welcher alles Vorhergegangene nur die notwendige Vorbereitung gewesen ist. Die A. muß, soll sie ästhetisch und psychologisch gerechtfertigt werden können, notwendig und naturgemäß sein, ohne sich genau vorhersehen zu lassen; sie muß auf die folgerichtigste Weise aus den frühern Handlungen und Charakteren resultieren, ohne daß der Leser oder Hörer durch peinliche Vorbereitungen ermüdet wird. Wo solches nicht der Fall — entstehen unmotivierte, gegen Psychologie und stheti verstoßende Effekte und coups de théatre, welche nur die urteilslose Menge befriedigen. Die franz. Bezeichnung dénouement, d. h. Knotenlösung, it auch in der deutschen Theatersprache gebräuchlich. —In der Mathematik heißt A. die gehörige Beantwortung eines mathem. Problems. Die A. einer Gleichung besteht z. B. in der Bestimmung der Werte, welche die in dieser Gleichung enthaltene unbekannte Größe (gewöhnlich mit X bezeichnet), dieser Gleichung gemäß, haben kann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 191Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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