Borgia (spr. Bördscha), oder spanisch Borja, ein valencian. ono h nach 8 das seit der Übersiedelung des Alfonso B. nach Italien daselbst großen Einfluß gewann. — Alfonso B. im Geheimen Rate Alfons' von Aragonien, Königs von Neapel, dann Bischof von Valencia, wurde 8. April 1455 zum Cahr gewählt und nahm als solcher den Namen Calixtus III. (s. d.) an. Er starb 6. Aug. 1458. Sein bestieg im Aug. 1492 den Dpt „Stuhl unter dem Namen Alexander VI. (s. d.). Er hatte vor seiner Erhebung zum Papste mit der Römerin Vanozza de' Catanei mehrere Kinder, von denen vorzüglich Nachn Cesare und Lucrezia 0 Namen auf die achwelt gebracht haben. — Juan B. ward auf Verwenden seines Vaters durch König Ferdinand von Spanien mit dem Herzogtume Gandia in Valencia beschenkt. Die Gunst, die er beim Papste genoß, soll die haben,d seines Bruders Cesare in dem Maße geweckt haben, daß dieser als sein Mörder galt: man zog die Leiche Gandias 1497 aus dem Tiber. Cesäre B., geb. 1478, steht in einer Zeit, wo Arglist Meiter und Piuf in der Politik herrschten, als ein Meister und Muster einer rausamen, kein Wort achtenden, kein Mittel verschmähenden, von sugten rn h wie von brutaler Gewalt unterstützten Politik da. Sein Vater erhob ihn 1493 zum Kardinal. Als Karl VIII. von Frankreich auf feinem Croberungszuge nach Italien in Rom einzog und Alexander mit an Ezum Untern mußte, gab er ihm seinen Sohn Cesare zum Unterpfande seiner Treue; allein dieser entwich nach einigen Tagen aus dem Lager des Königs. Nach der Ermordung seines Bruders erlaubte ihm sein Vater 1497 den Purpur abzulegen, um ein weltlicher Fürst zu werden; er schickte ihn 1498 nach Frankreich, wo er Ludwig XII. die erbetene Scheidungs⸗ und Dispensationsbulle zur Heirat mit der Erbin der Bretagne überbringen senes Ludwig belohnte He für die Balenenn eit eines Vaters mit dem Herzogtume Valentinois in der Dauphiné und versprach ihm Unterstützung bei seinen Eroberungsplänen. Hierauf vermählte sich B. 1499 mit Charlotte d'Albret, Tochter des Königs Johann von Navarra, und begleitete Ludwig XII. nach Italien. Mit 2000 Reitern und 6000 Fußsoldaten unternahm er zuerst die Eroberung der Romagna, verjagte die kleinen Gewaltherren welche sich in den einzelnen Städten dieser päpstl. Provinz esetzt hatten, und ließ sie zum Teil mit diabolischer Arglist, welche ihn gefürchtet machte, ermorden, sich selbst aber 1501 zum Herzog der Romagna ernennen. — demselben Jahre entriß er Jakob Appiano die Herrschaft Piombino und versuchte vergebens Bologna und Florenz unter seine Botmäßigkeit zu bringen. Glücklicher war er in seinen Zutdobaldo von gegen Urbino und Camerino. Guidobaldo von Montefeltre Herzog von Urbino, verlor 1502 seinen Staat. Camerino ward mit Sturm genommen und Giulio di Varano, der Herr der Stadt, nebst seinen beiden Söhnen auf B.s Befehl erdrosselt. Eine drohende Koalition schien Cesares Sturz herbeiführen zu +deaber mit überlegener Gewandtheit trennte er dieselbe, wiegte seine Gegner in falsche Sicherheit ein, bemächtigte sich am Ende 1502 in Sinigaglia der vier vornehmsten derselben und ließ sie ermorden. Seinem Plan, sich zum erblichen Herrn des größern Teils Mittelitaliens zu machen, schien kaum noch etwas im Wege zu stehen, als 17, Aug. 1503 der Papst nach kurzer Krankheit starb. Auch Cesare lag schwer kran danieder, gerade zu einer Zeit, wo seine ganze Thätigkeit und Geistesgegenwart nöti waren, um sich zu behaupten. Zwar wußte er sich der Schätze seines Vaters zu bemächtigen, versammelte seine Truppen in Rom und knüpfte sein Bündnis mit Frankreich noch enger, aber allenthalben standen seine Feinde wider ihn auf. Als nach der ephemeren Regierung Pius' III. Julius II. den Moght Stuhl bestieg, Zina seine rasch gewonnene dacht noch rascher in Trümmer. Auf efehl des Königs Ferdinand von Spanien in Neapel, wohin er geflohen war, durch den großen Consalvo ver-Midiz ward er 1504 nach Spanien auf das Schloß dedina del Campo gebracht, wo er zwei Jahre gefangen blieb. Endlich entfloh er zu seinem Schwager, dem König von Navarra, zog mit diesem in den Krieg und sel 12. März 1507 vor dem Schlosse von Viana. Eine Schilderung B.s 8 Machiavelli, welcher im Auftrage der Republik Florenz mehrmals zu Cesare nach der Romagna ging, in sutthat Principen. Desselhen Bericht über die Blutthat von Sinigaglia ist ein merkwürdiges Aktenstück jener ruchlosen Zeit. Vgl. außer Ranke, Leo und Gregorovius' und Reumonts Geschichten der Stadt Rom: Gregorio Leti oder Tomasi, Vita di Ces. B. (Monte-Miaro 1671); Leben des Cäsar B., Her-W von Valentinoisv (Berl. 1782); Artaud de ontor, Machiavel, son génie et ses erreurso Par. 1832); Edoardo Alvisi, Cesare B., duca di Romagnav (Imola 1878). Lue Scon B., geb. 1480, war von ausgezeichneter Schönheit und großer icn Begabung. Sie vermählte sich zuerst mit Giovanni Sforza, Herrn von Pesaro, aber diese Ehe wurde von ihrem Vater getrennt, worauf sie sich 1498 mit dem Her08 Alfonso von Bisceglie, einem natürlichen Sohne 68 Känigs Alfons II. von Negpel, verheiratete. Als sich der Papst Alexander mit Frankreich gegen Mailand und eapel verband, floh Alfonso aus Rom und ward, da er 1500 zurückkehrte, von Cesare B. ermordet. Schon im Sept. 1501 heiratete darauf Lucrezia den Fürsten Alfonso von Este, nachmaligen Herzog von Ferrara. Sie starb 24. Juni 1519. Sie liebte Kunsie und Wissenschaften und unterstützte ausgezeichnete Männer. So „ist es zu erklären, daß gleichzeitige Dichter, z. B. Ariosto, Bembo u. a., in Gedichten ihr huldigten. Ihre Thaten und Schicksale sind wiederholt der Gegenstand dichterischer lichen Uben geworden, meist mit tollen und willkürlichen Ubertreibungen. Denn wenn auch ihr Charakter viele Schattenseiten aufweist, so sind doch die Ausschweifungen, die sie während ihres Aufenthalts in Rom begangen haben soll, namentlich der ihr schuldgegebene blutschänderische Umgang mit ihrem Vater und ihren Brüdern, ihr von ihren Feinden böswillig untergeschoben. William Roscoe, der Geschichtschreiber Lorenzos de Medici und Leos X., hat zuerst die Ehrenrettung Lucrezias versucht. Andere sind ihm darin nach55910 bis neuerdings Gregorovius in Lucrezia Nach Urkunden und Korrespondenzen ihrer eigenen Zeite (1. bis 3. Aufl., 2 Bde., Stuttg. 1874—.75) nach genauer Erforschung des handschriftlichen wie alles gedruckten Materials das Charakterbild dieser vielgenannten Frau mit seinen Licht⸗ und Schattenseiten 2.zichnet hat. Vgl. ferner Cerri, Alessandro VI., Papa, e suoi contemporaneiv (2 Bde., Tur. 1858; 2. Aufl. 1873—74); Campori, Una vittima della storia, Lucrezia B.o Zucchelli, TLucrezia B., duchessa di Ferraras (1869); Gilbert, XLLucrezia B., duchess of Ferrarah (2 Bde., Lond. 1869; deutsch von Steger, Lpz. 1870).