Boston, Municipalstadt, Crafschaft Lncoln und Seehafen in der engl. Grafschaft Lincoln, 170 km im Norden von London, an beiden Ufern des von einer eisernen Brücke überspannten Wit am, dessen nahe Mündung in den Washbusen den sichern, nur durch die 50. Boston-oder Lynn-Untiefe in der Einfahrt etwas behinderten Hafen bildet, von dem aus Schiffe von 300 Tons bis zur Stadt gelangen. Die Stadt ist ein sehr alter Ort, der an der Stelle des 654 gegründeten, 870 von den Dänen zerstörten Klosters des heil. Botolph entstanden, und zählt 1881) 14 932 E. Sie hat ein Gerichts⸗ und ein beitshaus, eine Markthalle, die größte flügellose Kirche Englands, nämlich St.⸗Botolphs Church, ein herrlicher Bau von 1309 mit einem bewunderten Altargemälde und einem 85 m hohen, nach dem ——— des aum Werße gebauten Turme, der den eefahrern zum Merkzeichen dient. Ferner besitzt B. eine Lateinschule, eine Freischule und mehrere andere Schulen, ein Handwerkerinstitut, eine Bibliothek, ein Theater. Die Stadt hat 91 eigene ———wvon 4920 t Gehalt, Schiffswerfte, Segeltuch- und wichtige j für landwirtschaftliche Geräte, Eisen⸗ und Messingwerke, Brauereien, sehr bedeutende Viehmärkte und wichtigen Han⸗ ö del. B. war früher ö bedeutender und hat U sich erst seit der Drainierung und dem Anbau der benachbarten Marschen am Wash (Holland⸗ und Wildmen ungefähr 300 akm) wieder gehoben. Es vermittelt den Absatz der Erzeugnisse dieses Marschlandes, Hafer, Ge-Rindvieh, und führt besonders von der [& Ostsee her Bauholz. Hanf, Teer, Olkuchen bai, auf einer mit dem Festlande nur . durch eine schmale U Landenge (Boston-Neck) verbundenen Halbinsel, ist nach Neuyork der größte mport⸗ und nach ( euyork und Neuorleans der größte Exporthafen der Vereinigten Staaten, an Einwohnerzahl deren fünfte Stadt und zeichnet sich durch eine ebenso günstige als prachtvolle Lage aus. Es besteht seit 1870 aus den fünf Distrikten: Boston, Ostboston, Südboston, Highland (früher Roxbury) und Dorchester, und zählt (nach dem Census von 1880 362535 C. Im J. 1764 betrug die Seelenzahl no 15 520; 1790: 18 036; 1800: 24 937; 1810: 33250 1820: 43 298; 1830: 61392; 1840: 93 383; 1850: 136 844; 1860: 177840 und 1870: 250 526. Hölzerne Brücken verbinden die Stadt mit Cambridge und Charlestown und einzelne Stadtteile miteinander. Westboston, wo die reichen Bürger ihre Wohnhäuser haben, ist schön und regelmäßig gebaut; es dehnt sich zwischen dem Charlesfluß und Common aus. Dieser letztere, früher eine Gemeindewiese (daher der Name), ist 19,40 ha groß und jetzt ein Park mit der berühmten alten Ulme, die älter als die Stadt selbst ist. Westlich von Common liegt der öffentliche Garten mit der Reiterstatue Washingtons von Thomas Ball, welche 3. Juli 1869 ent1. wurde. Überhaupt macht die Stadt durch ihre olide Bauart mehr den Eindruck einer alten europ. Großstadt als einer jungen amerik. Schöpfung. Der befestigte und tiefe Ha en, welcher über 500 große Schiffe faßt, ist durch die zahlreichen vorliegenden nseln der weiten Bostonbai vor den Winden gechutzt und bis auf die etwas enge Einfahrt, an deren äußerer Seite ein 22 m Rem Leuchtturm steht, vortrefflich. Die Schiffswerfte und Landungsche Lage von Boston in Nordamerika. plätze sind bequem, groß und in gutem Stande; die Fußwegen von Backsteinen versehen. B. verdankt sein Aufblühen und seinen Reichtum dem Handel, namentlich mit Asien, besonders Ostindien. Der Wert der ½ 1879 betrug: 203,9, der der Ausfuhr 218,4 Mill. Mark. Der Handel in Inland-Artikeln ist in B. besonders stark in Schuhen, Getreide, aichr bi Baumwoll⸗ und Wollwaren; den Lahensmütt r bildet die Ausfuhr von Getreide und ebensmitteln nach Europa; Hau tgegenstände der Einfuhr sind Zucker und Wolle. Mit Charlestown gemeinsam hat B. eine Handelsflotte von 801 Segelschiffen und 92 Dampfern. Die Stadt hat 150 Kirchen, Bethäuser und gottesdienstliche Räume für die verschiedenen christl. Konfessionen und fünf ziemlich unbedeutende Theater, darunter jedoch kein er den⸗ Werk von architektonischer Schönheit. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus das große, aber im schlechten Stil mit hölzerner Kuppel gebaute Staatenhaus; das 1804 begründete Athenäum; das berühmte, der Stadt von Peter aneuil, einem Hugenotten, geschenkte und nach ihm Faneuil-Halle benannte Versammlungslokal, welches bent zur Revolutionszeit zu 1 chen Meetings iente und deshalb gern die (Wiege amerik. Freiheito genannt wird; die Musikhalle mit einer prachtvollen Orgel und der Statue Eesches z (von Crawford); das Lowellstitut, welches zur Verbreitung gemeinnütziger 36 gei namentlich durch Vorlesungen, von dem 1836 gestorbenen J. Lowell mit ¾. Mill. Doll. getiftet wurde; das mue Orrich ospital und das karktgebäude; das neue Gerichtshaus; das Tremont-Hotel mit dorischer Säulenfagade; das Zollaus; die große Börse und verschiedene Bankintitute. B. hat ein musterhaft eingerichtetes Geängnis und viele Wohlthätigkeitsgesellschaften, arunter die berühmten Howeschen Blinden⸗ und Taubstummenanstalten. Das Schulwesen Bis gilt für das beste und mustergültige in den Vereinigten Staaten; überhaupt hat B. von jeher viel für Er⸗ . 8⸗ und Bildungszwecke gethan; es hört sich eshalb auch Geme das Kamerikanische Athen » nennen. Sein Gemeingeist wird durch keine amerik. Stadt uberboten. Von öffentlichen höhern Bildungsanstalten sind vorzugsweise zu nennen: das 1861 gegründete technolog. Boylston-Institut; das 1863 von den Jesuiten organisierte Boston-College; die von einem Bürger, Isaak Rich, 1869 mit fast 2 Mill. Doll. ins Leben gerufene Boston-Universität welche nach dem Plane der größten europ. Hochschulen ausgeführt werden soll. Bisjetzt sind nur die theol. Die medt sowie die jurist. Fakultät in Thätigkeit. ie mediz. Fakultät der ältesten, 1638 gegründeten amerik. Universität, nämlich Harvard-College in ahit in 90 einer Vorstadt von B., findet sich hier selbst in North-Grovestreet. B. ist der Sitz der Academy of arts and science, der Academy of dental sciences, der Association for advancement of social science, der American Peace Society, der Massachusetts historical Society u. s. w. Die Public Library Stadtbibliotheh) ist nächst der Kon-Das obennen die größte in den Vereinigten Staaten. as obengenannte Athenäum hat außer Bilder- und Skulpturengalerien eine Bibliothek von 95000 Bänden; in seinen Räumen findet 0 auch die amerik. Alademie der Künste und Wissenschaften mit ihrer Bibliothek von 15000 Bänden. Außerdem gibt es kaum einen Zweig des Wissens, der in B. nicht durch reiche Büchersammlungen und Kabinette vertreten wäre, wie namentlich die Naturwissenschaften, Rechtswissenschaft und Geschichte. Die täglichen Zeitungen B.s aben eine nur provinziale Bedeutung, dagegen sind die neuerdings zu neuem Leben und Einfluß erwachte North-American Reve und das Atlantic Monthlyr die besten Vierteljahrs⸗, bezw. Monatss i der Vereinigten Staaten. Bs Buchhandel ist sehr bedeutend und sein geistiges Leben tonangebend für die ganze Union. In einer Entfernung von 20—-30 km von B. liegen die Städte Salem mit bedeutendem andel, Lynn mit aschfangerel. Marblehead und Nantucket mit Fabrit fängerei, und Lowell, die bedeutendste Fabritstadt der ganzen Union. Mittels acht Eisenbahnen, deren Interessen hier durch nicht weniger als 20 Springpeid, vertreten werden, ist B. mit Lowell, Springfield, Worcester, Quincy, Providence, Albany und Neuyork verbunden und treibt unter allen Städten der Union den stärksten Küstenhandel. Die Stadt wurde 1630 von Eingewanderten, zum Teil aus Boston in England unter Führung von John Winthrop, angelegt, hieß anfangs nach den drei Hügeln, auf denen sie erbaut ist, Trimountain und zählte t einem zehnjährigen Bestehen schon 4000 E. Erst später empfing sie, einem eifrigen Mrediger der Freiheit, John Cotton, zu Ehren, der Prediger zu B. in England war und nachmals die Predigerstelle bei der ersten zugleich mit der Stadt gegründeten Kirche erhielt, ihren gegenwärtigen Namen. Bereits seit dem Regierungsantritt Karls II. der Hauptsitz der Opposition gegen das Mutterland, wurde B. zugleich die Wiege der amerik. Revolution, deren Anfänge und Triumphe innig mit dem Namen der Stadt verwebt sind. Hier protestierte James Otis 1761 zuerst mit seiner mächtigen Rede gegen die vom engl. Gouverneur angeordneten Lirdatenen und regte den ersten Gedanken der Unabhängigkeit an. Hier brach die wirkliche Revolution aus, als das Volk den trotz der Nichteinfuhrakte aus England importierten Thee ins Meer (Dez. 1774) warf. Hier wurde die Schlacht bei Bunkershill (17. Juni 1775) siachle en, welcher Ort jetzt im Weichbilde der Stadt liegt. er Schlacht folgte 1775—76 die erfolgreiche Belagerung der engl. Besatzung durch Washington und im Mai 1776 der Abzug der Engländer. B. ist verhältnismäßig langsamer gewachsen als die übrigen Küstentädte. Bis um 1830 gab es hier kaum eine fremde evölkerung. Jetzt bilden die Fremden fast die Hälfte der Einwohner, unter denen jedoch nur 5606 Deutsche, dagegen 56 900 Irländer. Vom 9. bis 11.Nov. 1872 wurde B. von einer verheerenden Feuersbrunst heimgesucht, welche den Haupteschäftsteil in Asche legte, 800 Häuser und Warenlager zerstörte und einen Verlust von 80 Mill. Doll. verndha te. Am 30. Mai 1873 wurde B. abermals von einer großen Feuersbrunst heimgesucht. B.s größter Sohn ist Benjamin Franklin, der ßh 17. Jan. 1706 geboren wurde. Vgl. Schurt eff, Jopographical and historical description of B. (Boston 1872); Boston illustratedv (Boston 1880).