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ErdkundeBrockhaus 1882

Hydra, im Altertum Hydrea n griech. Insel nahe der Südostküste von Argolis, besteht aus einem von Südwest nach Nordost streichenden Bergzuge, der fast überall den nackten Fels zeigt oder mit unfruchtbarem Geröll bedeckt, daher fast ganz baumlos ist; nur im westl. Teil findet sich eine kleine, etwas fruchtbarere Strecke. Im Altertum gehörte die damals nur sehr schwach bewohnte und ganz unbedeutende Insel den Bewohnern der Stadt Hermione, denen sie aber von samischen Piraten entrissen und den Trözeniern übergeben wurde. Im 15. (seit c1459—60) und 16. Jahrh. und nachher wieder, nach Vertreibung der Venetianer, namentlich seit 1715, bevölkerten vor den Türken flüchtige Albanesen aus Morea und Rumelien (namentlich aus Megaris) und einige Griechen, besonders aus Monembasia, die Inseln H., Spetsä und Poros. Die Schiffahrt, wodurch sich die Hydrioten ihren Unterhalt zu verschaffen suchen mußten, erweiterte sich nach und nach zum Küstenhandel, und bald galten die Hydrioten als die geschicktesten und kühnsten Matrosen des Mittelländischen Meers. Die eigentümliche Marineordnung, der Charakter und die ganze Lebensweise der Einwohner begünstigten den Handel der Insel, sodaß die Hydrioten (die in Verbindung mit den Spetsioten den Getreidehandel mit dem fadl. Rußland fast ausschließlich betrieben) ihre Geschäfte sogar nach Italien und Frankreich, selbst bis in die Ostsee und nach Amerika ausdehnten. Nach Ausbruch des griech. Unabhängigkeitskampfes (1821) ward die zur Kriegsflotte umgewandelte Handelsmarine der griech. Inseln H., Spetsä und Psara ein wichtiges Werkzeug zur Befreiung Griechenlands; insbesondere nahmen die Hydrioten am Befreiungskampf den wärmsten und lebhaftesten Anteil und brachten der Nationalsache bedeutende Geldopfer. Aus H. stammten so namhafte Männer wie die Konduriotis, Miaulis, Bulgaris, Tombasis. Die neue Zeit der Unabhängigkeit war bei den erheblich veränderten Handelsverbindungen und Handelsverhältnissen im Mittelmeer nicht geeignet, ihren Wohlstand rasch wiederherzustellen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 493Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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