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PflanzenreichBrockhaus 1882

Botanische Gärten nennt man diejenigen Gartenanlagen, welche als Hilfsmittel sowohl der botan. dieneu die S auch des Unterrichts in der Botanik dienen; dieselben müssen deshalb nach wissenschaftlichen Prinzipien angelegt und geleitet werden. Die botan. Gärten sollen demnach eine große Anhl von Gewächsen und zwar aus den verschiedenten Klimaten enthalten und alle Pflanzen sollen in der Weise kultiviert werden, daß sie möglichst in denselben Temperatur⸗, Feuchtigkeits⸗ und Bodenverhältnissen wachsen wie an den Orten, an denen sie n Heutsch sind. Diejenigen Pflanzen, die das Klima Deutschlands vertragen, können in deutschen botan. Gärten im Freien kultiviert werden. Dahin ehören zunächst alle, die in Deutschland selbst einheimisch sind, und ferner diejenigen anderer Länder, welche zu ihrem Gedeihen keine andern klimatischen Verhältnisse verlangen, also z. B. viele in Nordamerika, Nordasien, an den Abhängen hoher Gebirge wachsende; außerdem die meisten derjenigen, die an ein noch kälteres Klima gewöhnt sind, wie die Pflanzen der höhern Breiten und die alpinen Gewächse. Allerdings müssen die letztern im Sommer vor zu hoher Temperatur geschützt werden. Die Gewächse, die im Freien den Winter aushalten, die sog. Freilandpflanzen, werden meist in der Weise auf das Areal der botan. Gärten verteilt, daß bestimmte Gruppen, wie Bäume, Sträucher, perennierende, einjährige krautartige Pflanzen, in besondern Quartieren kultiviert werden. Bei der Anordnung der krautartigen Pflanzen verfährt man gewöhnlich so, daß man die Gruppierung nach einem bestimmten System vornimmt, um das Auffinden der einzelnen Pftanzen und die Vergleichung nahe verwandter Pflanzen-Arten oder Baulig zu erleichtern. In der Anordnung der Bäume und Sträucher läßt man sich weniger von systematischen Prinzipien, als vielmehr von ästhetischen Rücksichten leiten, denn die geschmackvolle Gruppierung der baum⸗ und strauchartigen Gewächse verleiht dem botan. Garten gewissermaßen den Charakter eines Parks, ohne dabei den wissenschaftlichen Zweck desselben zu beeinträchtigen. Die Wasser⸗ und Sumpfpflanzen kultiviert man entweder in kleinen Teichen oder man bedient sich dazu besonders eingerichteter Aquarien, die an allen Stellen leicht zugänglich sind und in mehrere durch Mauern abgegrenzte, mehr oder minder tiefe sumpfige Abteilungen zerfallen. Die alpinen Pflanzen werden gewöhnlich an Stellen, die vor zu starker Erwärmung geschützt sind, kultiviert und zwar meist auf künstlich zusam-Alle Gewächse, die nicht in dem Klima des Ortes, wo der botan. Garten liegt, gedeihen können, müssen in besondern Häusern untergebracht werden. Diejenigen Pflanzen, die wohl im Sommer ohne Schaden im Freien vegetieren, dagegen den Winter nicht aushalten, müssen während der letztern Feh reszeit in sog. Kalthäusern untergebracht werden, wo sie vollständig vor FinSuteurd sind. Es sind dies Pflanzen, die z. B. in Südeuropa, in den südlichsten Teilen Afrikas, in Neuholland u. s. w. einhäuler) vorkommen. Die Temperatur der Kaltäuser soll nie unter 2 R. herabsinken, sondern gewöhnlich zwischen 2' und 8² R. schwanken. Die Pflanzen der Tropengegenden müfsen in Deutschland auch im Sommer in Warmhäusern bleiben. Im Winter muß in den Warmhäusern fortwährend eine Temperatur von 10—20 R. H werden. Warm⸗ und Kalthäuser müssen so angelegt sein, daß sie von Süden her ungehinderte Beleu tung empfangen können, sie müssen also nach dieser Richtung Glasdächer und Glaswände haben, nach Norden dagegen durch dicke Mauern geschützt sein. Die Heizung derselben geschieht am besten mittels heißen asers, das in großen kupfernen Röhren durch die Häuser hindurchgeleitet wird; es läßt sich auf diese Weise eine sehr gleichmäßige Temperatur erzielen, da der Zufluß und die Erhitzung des Wassers stets reguliert werden können. Die Glasdächer und Glaswände müssen eine doppelte Verglasung besitzen, damit im Winter eine Abkühlung moöglichst verhindert wird, außerdem müssen sie so eingerichtet sein, daß sie sich an bestimmten Stellen öffnen lassen, damit ein Zutritt der Luft stattfinden kann. Auf den Firsten der Glashäuser sollen sich Laufbretter und Galerien befinden, um von da aus bei zu starkem Sonnenschein Schatten geben zu können. Dieses Schattengeben wird bewirkt durch Bedecken der Glaswände und Glasdächer mit Geschichtliches chon zu Anfang des 14. Jahrh. bestanden in Italien zu Salerno und Venedig Anlagen, welche als botan. Gärten insofern angesehen werden können, als sie die wichtigsten der als heilkräftig geltenden Pflanzen enthielten; es waren also mehr medizinisch-botan. Gärten. Da zu jener Zeit die Kenntnis der Gewächse noch sehr mangelhaft war, so haben diese ersten botan. Gärten weniger botanisches als historisches Interesse. Im 16. Jahrh. wurden botan. Gärten in Padua (1545), Pisa (1547), Bologna (1567), Leiden (1577), Heidelberg (1593) angelegt und von nun an gelangten sie bald durch den immer lebhafter werdenden Verkehr mit außereurop. Ländern zu hoher Bedeutung. Im 17. Jahrh. ent-Drford die botan. Gärten zu Gießen, Paris, Jena, rford, Kew, Amsterdam, Berlin, Utrecht. ährend des 18. Jahrh. wurden in Deutschland die meisten der mit den Universitäten verbundenen botan. Gärten angelegt, außerdem auch viele andere, die nicht in direktem Zusammenhange mit den Hochschulen standen. Die Gärten in Petersburg, Moskau, Kopenhagen, Jahrhr Lund stammen ebenfalls aus dem vorigen Jahrhundert. Gegenwärtig besitzt fast jede Universität einen botan. Garten, außerdem bestehen aber noch in allen größern Städten derartige Anlagen. Auch in den außereurop. Ländern, in Nordamerika, in Indien, Australien, im Kapland und an vielen andern Orten existieren botan. Gärten. In Europa ist wohl der Garten zu Kew bei London der großartigste und reichhaltigste. In Deutschland sind hervorzuheben die Gärten von Berlin, Breslau, Halle, Göttingen, itteratur: Aiton, „Hortus Kewensis (2. Aufl., 3 Bde., Lond. 1810—13); Link, Hortus regius botanicus Berolinensiso (2 Bde., Berl. 1827 1841); Schenk, «Der botan. Garten . Würzburgo (Würzb. 1860); Göppert, «Bericht über den botan. Garten zu Breslauy (Bresl. 1868); Urban, «Geschichte des botan. Gartens zu Berlino (Berl. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 381Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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