FeedBrennerbahn
ErdkundeBrockhaus 1882

Brennerbahn, die von Innsbruck über den Brenner nach Bozen führende, die Nordtiroler mit der Südtiroler, mithin das bayrische mit dem ital. Schienennetz verbindende Lokomotivbahn, ist der Zeit der Vollendung nach die zweite der Alpenbahnen. Dieselbe wurde von Karl Etzel erbaut und 24. Aug. 1867 eröffnet. In einer Gesamtlänge von 127 km steigt sie von Innsbruck (570 m über dem Meere) im Sillthale aufwärts über die Stationen Patsch, Matrei, Steinach, Gries zum Brennerpaß (1362 m) und im Eisackthale abwärts über die Stationen Schelleberg, Gossensaß, Sterzing, Freienfeld, Grasstein, Franzensfeste, Brixen, Klausen, Waidbruck, Atzwang, Blumau nach Bozen (262 m). Die Harhten Steigungen fallen auf die Strecken von Innsbruck zum Brenner (1: 40 auf 35,5 km) und von diesem nach Brixen (1:44 auf 50 km). Der kleinste Radius mißt 284 m. An zwei Stellen verläßt die Bahn die genannten engen und wilden Thäler, indem sie, von Innsbruck kommend, links in das Thal bei St. Jodok und später rechts in das +ππ abschweift und dabei ewaltige Serpentinen bildet, an deren Ende sie f unterirdisch in sog. Kehrtunneln wendet. Die Thalwände, an denen sie sich fast immer entlang Lusch sind so steil, daß im Durchschnitt nur Bahnanschnitte und einseitige Dämme gebildet werden konnten. Auch a den Be Stützungsmauern tragen hier und da den Bahnkörper. An vielen Stellen mußte die Bahn längs der Thalwände im Innern des Bergs geführt werden, sodaß man 27 Tunnel Wlt von denen der längste, der Mühlbacher Tunnel, 869 mlang ist. Den Brennerpaß selbst überschreitet dagegen die 1e unter freiem Himmel, und im Gegensatz zur Semmeringbahn fehlen Brücken und Viadukte jast ganz. Trotz der Poßen Schwierigkeiten, welche namentlich die Thonschiefergerölle bereiteten, ist der Bau in der solidesten Weise gelungen, und wenn die Semmeringbahn Dech ihre großartigen, kühnen und schwunghaften Konstruktionen mehr imponiert, so besitzt die B. ein bedeutendes Übergewicht durch die Einfachheit der zur Erreichung des Ziels angewendeten Mittel. Die Semmeringbahn lehrte die Möglichkeit der Überschienung der Alpen; die B. bewies, daß diese überschienung auf billigerm Wege zu erreichen sei. Der Betrieb geht trotz der strengen Winter und trotz der Befürchtung vor Schneelawinen mit der größten Regelmäßigkeit vor sich. D Karte der München-Veroneser Eisenbahne (Münch. 1867); Hellbach, «Der Führer durch Tirol, mit besonderer Berücksichtigung der B.v 4. 1868); Volpi, «Über den Brenner nach Itaieno (2. Aufl. VBranr 1869). Brennerei! ranntweinbrennerei) nennt man die zur Darstellung des Branntweins bestimmten Lokalitäten und Gerätschaften, auch pflegt man gewerblichen Betrieb der Herstellung des Branntweins mit demselben Namen zu belegen. Jn welcher Zeit der gewerbliche Betrieb der B. seinen Anfang enommen hat, ist geschichtlich nicht genau zu verfolgen. Die Alten kannten den Branntwein nicht, die Destillation desselben aus Wein findet sich zunächst bei den ältern Alchimisten (Marcus Graecus im 8. Jahrh.), doch benutzten diese, sowie ihre spätern Nachfolger, ihn nur als Heilmittel, und als solches wurde er im Anfang des Mittelalters vielfach in Klöstern bereitet und von dort verkauft. Die noch jetzt vielfach begehrten Sorten Chartreuse und Benediktiner führen ihren Ursprung auf jene Zeit zurück. Nachweislich wurde von Italien bereits im 14. Jahrh. Branntwein als Handelsartikel über die Alpen gebracht. Im 15. Jahrh. war sein Gebrauch in Deutschland schon allgemein bekannt und es ist wahrscheinlich, daß um diese Zeit auch die Bereitung des Branntweins aus Kornfrüchten aufbanern ein ist. Im 8 1543 wurde bereits in Altayern eine Verbrauchsabgabe auf den Branntwein gelegt, ja so bedeutend muß der Genuß des Branntweins um sich gegriffen haben, daß verschiedene Regierungen sich veranlaßt sahen, seine Darstellung ganz zu verbieten, weil bei etwaigen Misernten zu viel Korn dadurch dem Brotkonsum entzogen werden könne, ein Verbot, welches z. B. 1598 in Sonellche al en teilweise wieder aufgehoben wurde, «weil etliche alte und andere Leute, die sich an den Branntwein 1. 918 haben, sich desselben nicht enthalten könneno. Bis zum Ablauf der ersten drei Dezennien unsers Jahrhunderts wurde die B. vorzugsweise als Kleingewerbe, vielfach als Nebengewerbe betrieben, doch machte der sich immer diese ausdehnende Anbau der Kartoffel bereits um diese Zeit der Verwendung des Getreides in den B. erhebliche Konkurrenz und so gestaltete sich immer mehr der städtische Kleinbetrieb zu einem landwirtschaftlichen Gewerbe um. Diese Umwandlung wurde noch durch das im J. 1820 in Preußen erlassene Steuergesetz begünstigt und auch dadurch, für den Großbetrieb vervollkommnete Apparate konstruiert wurden, die eine günstigere Ausnutzung des Rohmaterials estatteten. Die Kartoffel, in welcher eine größere enge von Alkohol gebendem Material mit geringerm Kostenaufwand produziert werden konnte, verdrängte das Korn immer mehr und die Spiritusindustrie gestaltete sich seit neuester Zeit zu einem in großen landwirtschaftlichen Fabriken betriebenen Gewerbe. (S. Spiritusfabrikation.) Diesem steht als Kleingewerbe nur noch die B. gegenüber, welche sich mit der Darstellung von Branntwein aus gegorenen Früchten, aus Abfällen der Weinbereitung, Hefen, Trestern, aus dem Faßgeläger des Biers u. dgl. befaßt. Dieselbe ist für Süddeutschland, wo dem Obstbau eine weit größere Beachtung WBedeufn wird als im Norden, von ganz besonderer Bedeutung. Bei der Bereitung der Obstbranntweine kommen namentlich Kirschen, Pflaumen und Zwetschen zur Verwendung. Die Raimn werden mit hölzernen Keulen zerstampft, wobei man Sorge trägt, daß zugleich ein Teil der Kerne mit zerschlagen wird, 3helderch das darin enthaltene Amygdalin, welches bei der Gärung Bittermandelöl und Spuren von Blausäure liefert, dem Branntwein ein charakteristisches Aroma f geben. Die uehen, bis Fruchtmasse bleibt in hölzernen Gefäßen tehen, bis die sich freiwillig einstellende Gärung verlaufen ist, worauf der Brei der Destillation unterogen wird. Als Destillationsapparat dient vielfac die einfache Blase mit Kühlrohr zur Verdichtung der Dämpfe. Hiermit ist aber der übelstand verbunden, daß die breiige Substanz leicht an dem direkt erhitzten Boden der Blase sich ansetzt, hier zu stark erhitzt wird und dann ein Destillat von unanlnt uch at Geschmack liefert. Diesem Übelstande äßt sich abhelfen, indem man die Erhitzung durch einströmenden Dampf bewirkt, oder, wo dies nicht thunlich, indem man in die Blase ein den Boden derselben nicht berührendes Sieb einhängt. Beim Eingießen der gegorenen Masse bleibt das Fruchtfleisch auf dem Siebe liegen, während der flüssige Teil abläuft. Setzt man dann den Helm auf, so wird beim Anheizen nur die Flüssigkeit von der Wärme unmittelbar getroffen, die Dämpfe durchlodg en das auf dem Siebe liegende SAlbiflh odaß bei der Destillation der sämtliche Alkohol in das Destillat übergeht und als Kirsch⸗, beiele it bei der De gewonnen wird. Auf gleiche Weise ist bei der Destillation der Weintreber zu verfahren. Um die Konstruktion der zur Destillation dieser Materialien dienenden Apparate hat sich C. Siemens-Hohenheim große Verdienste erworben. (Vgl. Siemens, „Beiträge zur Obstbenutzung, Stuttg. 1860.) Die Darstellung des Branntweins aus Wein, welche in Frankreich in größtem Maße betrieben wurde und den Cognac und Armagnac lieferte, hat sehr an Bedeutung verloren, seitdem die Weinfelder dort zuerst durch die Weinkrankheit und später durch die Reblaus verwüstet worden sind. Das, was gegenwärtig als Cognac verkauft wird, ist Vr ausnahmslos Kunstprodukt. reunglas nenntman ein Linsenglas (s. Linse), welches, mit seinen Flächen parallel zur Sonne gekehrt, in seinem Brennpunkte ein Sonnenbildchen erzeugt, in welchem solche Hitze herrscht, daß brennbare Körper entzündet werden. Die Wirkungen eines B. sind um so stärker, je größer seine strahlenauffangende Oberfläche ist. Gewöhnlich bedient man sich als B. der bikonvexen sphärischen Linsen. Weil die Brenngläser die Strahlen im Brennpunkte s ammeln, heißen sie auch Sammelbg oder Sammellinsen. Setzt man zwischen as B. und seinen Brennpunkt noch ein zweites 910 0 las von einer kürzern Brennweite, sodaß die chsen beider Gläser in einer Linie liegen, so konzentriert man die Sonnenstrahlen in einem engern Schon die Griech die Wirkung verstärkt wird. Schon die Griechen und Römer scheinen Brenngläser gekannt zu haben. Am Ende des 13. Jahrh. wurden sie bekannter, aber erst gegen Ende des 17. ließ Tschirnhausen sehr große, aus Einem Stücke bestehende Brenngläser mit großer Mühe leunden, Zwei davon, die sich noch in Paris befinden, halten 90 em im Durchmesser, und das Gewicht des einen beträgt 80 kg; das eine hat 2,2, das andere 3,538 m Brennweite. Beide wirken dermaßen, daß sie selbst nasses und hartes Holz im Augenblick entzünden und kaltes Wasser in kleinen Gefäßen sogleich zum Sieden bringen; Metalle werden auf einer Porzellanplatte oder 40 Rekalt ten Kohle geschmolzen, und leichter flüssige Metalle, wie Zinn und Blei, nach längerm Schmelzen in liche ouch glühen sehr schnell und verglasen. Da indes solche große Glasmassen nicht völlig rein und blasenfrei sind, wodurch ihre Wirkung beträchtlich vermindert wird, so unternahmen es 1774 Brisson und Lavoisier, zwei hohle, den Uhrgläsern ähnliche Gläser zu einer Linse zusammen usetzen, deren innern Raum sie mit einer durchsichtigen wsühret (Terpentinöl) anfüllten. Hier 50 ei 8 Ader geringern Kosten, viel leichter Blasen und Adern vermeiden. Sie brachten auf diese Weise ein B. von 13 m Durchmesser zu Stande, dessen größte Dicke in der Mitte 22 em betrug, und welches schon für sich viel stärker wirkte als Tschirnhausens Glas, mit einem Kollektivglase verbunden aber die außerordentlichsten Wirkungen hervorbrachte. Dieses B. schmolz in ½ Minute Kupfermünzen, wozu Tschirnhausens Glas 3 Minuten brauchte; es brachte Eisen auf einer Kohle fast augenblicklich zum Schmelzen u. s. w.; die

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 509Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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