Brünn (flaw. Brno), Hauptstadt des österr. Kronlandes Mähren, ist am Zusammenflusse der Schwarzawa und Zwittawa in einer fruchtbaren und angenehmen Gegend gelegen und zählt (1880) 79219 E., von denen 47878 Deutsch und 31168 Czechisch (Mährisch oder Slowakisch) als ihre Um3441 Mann angaben. Die Garnison besteht aus 3441 Mann (darunter 2006 mit deutscher und 1286 mit czech. Umgangssprache). Die Stadt hat infolge Demolierung der ehemaligen Ringmauern meistens breite, gutgepflasterte und mit Trottoirs versehene Straßen und sieben öffentliche Plätze, unter denen der Große Platz mit Gartenanlagen und einer Mariensäule, der Krautmarkt mit einem schönen Springbrunnen, der Elisabethplatz mit Anlagen und schönen Gebäuden und der Dominikanerplatz die beträchtlichsten sind. B. besitzt 17 Kirchen und 6 Kapellen, von denen die bemerkenswertesten: die Kathedrale zu St. Peter, aus dem 15. Jahrh., auf einem felsigen Hügel erbaut, nahe dabei die Residenzen des Bischofs und der Domherren mit einer herrlichen Aussicht; die schöne got. Stadtpfarrkirche zu St. Jakob, 1502 begonnen, mit einem 91 m hohen, überaus kühn zugespitzten Turme, mit prachtvollen Glasmalereien in den Fenstern von Geyling in Wien und Zettler in München und einer merkwürdigen Büchersammlung aus den ersten Zeiten des Buchdrucks; die ause umdderhe mit schönen Fresken, dem Lorettohause und der heiligen Stiege; die Augustinerkirche in der Vorstadt Altbrünn, ein schöner got. Bau aus dem 14. IIlonte mit einem trefflichen Hochaltarbilde von . otter; die neue evang. Kirche in streng got. Stik nach Ferstels Plan. Die Juden haben eine prachtvolle Synagoge. Unter den übrigen Gebäuden sind hervorzuheben: das neue Landhaus, der Versammlungsort des mähr. Landtags, 1881 eröffnet; die Statthalterei, früher ein Augustinerkloster, jetzt Wohnung des Statthalters, mit schönem Garten; ferner das Rathaus mit einem schönen got. Eingangsthore und mehrern Antiquitäten, das Gebäude der Militär-Montur-Okonomiekommission, das Militärkommando-Gebäude, die weitläufige sog. Jesuitenkaserne (ehemaliges Jesuitenkloster), eine 1882 vollendete Landwehrkaserne, das große Krankenhaus zu St. Anna, die bischöfl. Residenz, das Gebäude des adeligen Damenstifts zu Maria-Schul, die neuen prächtigen Gebäude des Polytechnikums, der Realschule und des Gymnasiums, dann der höhern Töchterschule, der Palast des Landesgerichts, das Augustinerkloster in Altbrünn, der Bahnhof, in welchem die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn, die Mährisch-Schlesische Nordbahn und die Staatsbahn ihre Vereinigungspunkte finden, das 1882 auf einem freien Platze errichtete prachtvolle große Theatergebäude mit elektrischer Beleuchtung (das erste Theater auf dem Kontinente mit elektrischem Licht) und verschiedene schöne Privatbauten. B. hat schöne öffentliche Gartenanlagen und ist Sitz der Landesbehörden für das Kronland Mähren, nämlich der Statthalterei, der Finanz-Landesdirektion, des Oberlandesgerichts und des Landes-Generalkommandos, von welchen die beiden letztern ihren Wirkungskreis auch über Ssterreichisch-Schlesien erstrecken; ferner der mähr.⸗schles. Postdirektion, der Staatsbuchhaltung und der Landeshauptkasse; sodann eines Landesgerichts, einer Polizeidirektion, zweier Bezirksgerichte, eines polit. Bezirksamts, eines Hauptzoll⸗ und eines Steueramts und ande rer landesherrlicher Amter; endlich eines kath. Biischofs und eines evang. Superintendenten Augsburgischer Konfession. An Unterrichtsanstalten bes stehen eine theol. Lehranstalt, eine technische Hochschule, zwei deutsche und ein czechisches Obergym: nasium, zwei deutsche und eine czechische Oberrealschule, Lehrer-und Lehrerinnen-Bildungsanstalten. höhere und niedere Gewerbeschulen, eine Webe⸗, eine Handels⸗, eine Musikschule und viele Volksschulen und Kindergärten. Außerdem sind zu erwähnen ein Knabenseminar, ein Blinden⸗ und ein Taubstummeninstitut, zwei Kinderbewahranstalten, viele wohlthätige und Humanitätsanstalten, darunter namentlich eine öffentliche Kranken- und Irrenanstalt, eine Gebär⸗, eine Waisenanstalt, eine Rettungsanstalt für verwahrloste Knaben, ein Siechenhaus und vier andere Krankenhäuser; ferner eine Strafanstalt und ein Zwangsarbeitshaus. Auch befindet sich zu B. die mähr.⸗schles. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur⸗ und Landeskunde und das Landes⸗(Franzens⸗) Museum zur Aufsammlung aller mähr.⸗schles. Erzeugnisse der Natur, Kunst, Wissenschaft und des Gewerbfleißes, eine Handels⸗-und Gewerbekammer, ein Gewerbe-, ein Musik⸗, vier Gesang⸗, ein Turn⸗, ein Stenographen- und ein Kunstverein, die Mährische Eskomptebank, +1 der österr. Nationalbank und der österr. Kreditanstalt für Handel und Gewerbe, eine Sparkasse, eine Hypothekenbank der Markgrafschaft Mähren, eine Filiale der Anglo-Osterreichischen Bank, eine Spar⸗ und Vorschußkasse, eine Filiale der prager Zivnostanska banka und eine Leihbank. B. ist die bedeutendste Fabrikstadt der österr. Monarchie für Schafwollindustrie. Außerdem hat B. auch Fabriken zur Fabrikation von Spiritus, Zucker, Ol, Kratzen, aschinen, Leder und Papier, sowie Dampfmahlmühlen und Bierbrauereien. Die gewerbliche Thätigkeit hat einen lebhaften Handel zur Folge, und brünner Fabrikate, besonders Tuche und Schafwollwaren, werden nach allen Teilen sterreichs und Deutschlands, nach dem Orient, nach England und Amerika exportiert. Die ehemaligen Festungswerke der Stadt sind teilweise in Promenaden verwandelt. Dasselbe gilt von dem westlich bei der Stadt liegenden, 291 m hohen Spielberg, welcher gegenwärtig einen prächtigen Park bildet. Auf diesem erhebt sich eine Feste welche die Franzosen 1809 zu zerstören versuchten und die 1740—1855 als Staatsgefängnis diente, gegenwärtig aber als Kaserne benutzt wird. In ihr saßen 1746—49 der Eiloid Meuten von der Trenck und 1823 — 30 ilvio Pellico. (Vgl. Trapp, „Der Spielber in B. historisch beschrieben », Brünn 1873. Auf dem Franzensberge, der sich in der Nähe des Spielbergs erhebt, finden sich schöne Gartenanlagen und seit 1818 ein 19 m hoher Obelisk aus mähr. Marmor, dem Andenken des Kaisers Franz, seiner Heere und Bundesgenossen, Iacro⸗ aber der leipziger Völkerschlacht errichtet. Zu erwähnen ist auch der Augarten, ein sehr schöner Park, in engl. Geschmacke angelegt, welcher vom Kaiser Jo⸗ — II. dem Publikum gewidmet wurde. Ein anerer Vergnügungsort ist der etwas entferntere Schreibwald. B. hat eine große Wasserleitung, welche der Stadt täglich 113 000 hl trinkbaren Wassers zuführt, eine Pferdebahn, Gasbeleuchtung und mehrere andere gemeinnützige Anstalten. Die gesamte Lokaladministration befindet sich in den Händen der Gemeindevertretung, an deren Spitze ein freigewählter ndt B.auch d. steht und die für den Bereich der Stadt B. auch die ster Iutan einer staatlichen Verwaltungsbehörde erster Instanz versieht. Die Stadt B. bestand bereits 884 und hat mehrmals schwere Belagerungen erfahren, so 1428 durch die Hussiten, 1467 durch König Georg von Böhmen, welcher die Einwohner dafür üchtigen wollte, daß sie sich an den Ungarkönig Matthias Corvinus duchh Rier hatten, und im Dreißigjährigen Kriege durch die Schweden unter Torstenson, der aber 1645 unverrichteter Sache abziehen mußte. Nach der Kapitulation zu Ulm, 20. Okt. 1805, und der Einnahme Wiens verlegte Rapoleon den Kriegsschauplatz in die Nähe von B., bis die Schlacht bei dem nahen Austerlitz, 2. Dez. 1805, den Preßburger Frieden herbeiführte. Im Deutschen Kriege von 1866 wurde B. 12. Juli von Truppen der Ersten preuß. Armee unter Prinz Friedrich Karl besetzt und 13. Juli das königl. Hauptquartier dorthin verlegt. Vgl. d'Elwert, « — einer Geschichte B.s (Brünn 1828); Deutsch, Führer durch und Umgebungo (Brünn 1865); — „Die königl. Hauptstadt B. und hun Umgebunge (Brünn 1880).