FeedBiel (franz. Bienne)
ErdkundeBrockhaus 1882

Biel (franz. Bienne), Hauptstadt des gleichnamien Bezirks im Seeland des s chweiz. Kantons Bern iegt 438 m über dem Meere, 26 km nordwestlich von Bern in freundlicher, wohl angebauter Gegend [r am Fuß des Jura und zählt (1880) 11 623 C., worunter 9944 Reformierte, 1368 Katholiken, 239 Jsraeliten und 72 Angehörige anderer Konfessionen; 77 Proz. der Einwohner sprechen deutsch, 22 Proz. französisch, 1 Proz. andere Sprachen. Der Ort 1 gut gebaut, mit breiten Straßen und wird von der Schüß, welche sich 1 Em weiter südwestlich in den Bielerfee ergießt, in zwei Kanälen durchflossen; die bergwärts gelegenen Teile bieten mit ihren Türmen, ihren unregelmäßigen Gassen und massiven Häusern einen ziemlich altertümlichen Anblick dar. Die neuen gegen den Bahnhof und den See sich ausdehnenden Quartiere dagegen sind 7½. und modern angelegt. Ein Kranz von Villen mit Gärten und Parkanlagen umgibt die Stadt auf allen Seiten und prächtige Alleen erstrecken sich fast bis zu dem 800 meentfernten See hinab. Bemerkenswerte Gebäude sind die Stadtkirche, die alte Burg L Rat 8. das Bürgerspital und die neue ath. Kirche. Sehenswert ist das Museum Schwab mit einer besonders an Pfahlbaualtertümern reichen archäol. Sammlung. An Unterrichtsanstalten ö besitzt die Stadt außer den Primärschulen eine Mädmertsleiß und 58 und ein Progymnasium. Gewerbfleiß und Handel sind sehr 1. dam Wichtig ist besonders die Uhrenfabrikation, dann auch die Baumwollspinnerei, die Cigarrenfabrikation, die Gerberei und Färberei. Dem Handel dienen mehrere Banken und vier Eisenbahnlinien nach Bern, Solothurn, Neuenburg und Basel. Die Umgebung ist anmutig, reich an Reben und Waldungen; die 74— Wunkte sind die wilde Klus, durch welche die Schüß aus dem Jura hervorbricht, das Kurhaus Magglingen (frz. Macolin), 900 m über dem Meere auf einer anischsrachen Höhe des Jura westlich der Stadt gelegen, und im Bielersee die durch Rousseaus Aufenthalt 1765) bekannte St. Petersinsel mit Wein⸗ und Obstgärten und Der Bielersee ist 15 Km lang, 1—4 km breit, 42 am groß, bis 77 mtief, liegt 434 müber dem Meere und erstreckt sich, links von den waldigen Ketten des Jura (Chasseral 1609 m, Spitzberg 1583 m), rechts von den niedrigern Höhenzügen der Hochebene (Jolimont 604 m, Jensberg 611 m) umrahmt, von SW. nach NO. seinem südl. Drittel ragen die St. Petersinsel 473 m und die kleine Kanincheninsel 448 m auf, die höchsten Punkte des unter dem Namen Heidenweg bekannten unterseeischen Hügelrückens, der bei niederm Wasserstande fast trocken, sich bis Erlach verfolgen laßt. Am obern Ende nimmt der See die Zihl (Thiele), den Abfluß des Neuenburgersees auf, am untern die Schüß, von rechts flie t infolge der Juragewässerkorrektion seit 1878 durch den Hagneckkanal ein Teil der Aare (s. d.) in den See und verläßt denselben bei Nydau durch den Aarkanal, in welchen 2 km weiter unten der frühere Abfluß „die «alte Zihle, einmündet. Von Dampfbooten wird der See, seitdem die Eines uin B.⸗Neuenburg durch die Rebengelände seines linken Ufers führt, nicht mehr regelmäßig befahren, und auch die übrige Schifferei ist denng. Von den Uferorten sind außer B. zu nennen das neuenburgische Städtchen Landeron und die uch Cerlt Städtchen Neuenstadt (Neuveville), Erlach (Cerlier) und Nydau. Daß die Umgebung des Bielersees seit uralter eit bewohnt gewesen ist, beweisen die zahlreichen Überreste von Pfahlbauten, die sich See ziehen. Auf dem Jensberg am östl. Ufer helvetische Stadt Petenisca; im Mittelalter dieß der Bielersee nach einer jetzt verschwundenen Stadt in der Nähe des jetzigen Landeron See von Nugerol und seine 20 standen unter der Herrschaft der Bias schon im 9. kam 1264 unter Vorbehalt seiner Rechte an den Bichof und schloß 1352 ein ewiges Bündnis mit ern. Seit den Burgunderkriegen, in welchen B. auf der Seite der Eidgenossen Ir ul bildete die Stadt einen Freistaat unter se Herrschaft des Bischofs und gehörte zu den azugewandten Orteno. Im J. 1797 wurde es von Frankreich besetzt und seinem Depart. Haut-Rhin einverleibt: 1815 kam es mit den leberbergischen Amtern des Bischofs von Basel an Bern. Vgl. Blösch, Geschichte der Stadt B. (3 Tle., Biel 1855—56).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 22Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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