Brussa, Brusa oder Bursa, einst (vor Eroberung Adrianopels) die Residenz der türk. Sultane, jetzt Hauptstadt des Vilajets Chodawendikjar in Kleinasien (Anadoli), 30 Km im SO. vom Marmarameere (dem Hafen Mudania)p entfernt, in herrlicher Lage am Rande einer überaus fruchtbaren Ebene und am steilen Abhange des 2000 m hohen, starkbewaldeten, den größten Teil des Jahres eine Schneekrone tragenden Keschisch-Dagh (Mönchsberg), des . chen Olympos. Die Stadt hat 9000 meist niedrige Häuser, welche die mannigfaltigsten Farben tragen, enge, schlechtgepflasterte Straßen und zählt gegen 70000 E. (einst 100000), meist Türken, außer diesen Armenier, Griechen, Juden und Franken. Sie ist der Sitz eines Seneralstatthalters, eines Mollah, eines griech. Metropoliten und eines armen. Erzbischofs. Mitten in der Stadt erhebt sich steil eine flache, tafelförmige Ren, werf mit den Mauern und Türmen einer alten, verfallenen Burg. Durch die Erdbeben vom 28. Febr. und 11. April 1855 und die durch das Bersten der Backöfen entstandene furchtbare Feuersbrunst hat die Stadt bedeutend gelitten. us der Masse der niedern Häuser und Hütten erheben sich, zum Teil wie gewaltige Kolosse, an 150 Moscheen mit ihren Kuppeln und Minarets, mehrere freilich nur noch als Ruinen. Unter ihnen zeichnet sich Oglu-Dschami oder die id Ml der drei Sultane ( Nurad I., Bajazet I. und Mohammed J.) durch ihre Größe und schöne maurische Bauart aus. Auch hat die Stadt drei griechische, zwei armen. Kirchen und zwei Synagogen. Ein reißendes, überbrücktes Bergwasser in tiefem Felsbette teilt die Stadt in die Mohammedaner⸗ und Armenierstadt, eine andere Schlucht trennt letztere von dem Griechenviertel. Durch fast alle Straßen ist ein Wasserlauf geführt, und an deren Ecken befinden sich mit Arabesken gezierte Brunnen. Die Bazars stehen zum Teil denen von Konstantinopel nicht nach; der Karawanserais, Chane (Herbergen), Medressen und öffentlichen Garküchen gibt es in Menge. Die Gärten, Bäder, Kiosks, S galagänge, Gruppen von Rliche Cypressen und 5 atanen heben das landschaftliche Bild des Ganzen. B. ist das unter König Prusias II. von Bithynien, bei dem 19 Hannibal als Gastfreund aufhielt gegründete Prusa, wurde um 950 durch Seif-eddaulet von IH erobert und geschleift, 1326 von Orchan, dem Sohne des ersten Türkensultans Osman I., nach 10jähriger Belagerung den Griechen entrissen, 1402 von Timurs Enkel Mirsa eingenommen und auch späterhin wiederholt durch Kriegsleiden heimgesucht. Hier lebte 1848 —55 Abd-el-Kader. Die Stadt hat den Ruf, die Gräber der sechs ersten türk. Sultane zu enthalten, die ier bis 1363 ihr eigentliches Hoflager (die Pforte) ielten. Auf der Burghöhe steht die Moschee aud-Monasteri, ursprünglich eine christl. Kirche, mit dem Grabe Orchans. Das mit Jaspis und Marmor geschmückte Grabdenkmal Osmans I. liegt außerhalb der Stadt. Die überreste Murads I. sind 4 km im Westen derselben in einem prächtigen Mausoleum bei dem Dorfe Tschekerki beigesetzt. Etwa 2 km im Westen von B. treten auf einer Hlache von 380 m im Geviert vier heiße Schwefelquellen hervor, die ein ausgedehntes Tufflager bebildet haben. Die Wärme von zwei derselben beträgt 67— 68“ R. Über zwei derselben sind Badehäuser errichtet, von denen das bedeutendste Eski-Kaplidscha (Alt-Warmbrunn) heißt. B. ist eine der ersten Industriestädte des türk. Reichs. Haupterwerbszweige sind Seidenzucht, Seidenspinnerei und Seidenweberei. Die Seide wird hauptsächlich nach Lyon ausgeführt. Auch die Baumwollkultur at in neuester Zeit Fortschritte gemacht. Die eidenen Burnusse und die baumwollenen Bademäntel von B. sind berühmt geworden. In den nahen Gebirgen wird Meerschaum gegraben, welcher in B. zu Pfeifenköpfen gebohrt wird. Der Handel ist in starkem Aufschwunge; Hafen der Stadt ist Gemlik. Vgl. Hammer, «Reise von Konstantinopel nach B. und dem Rebadia (Pest 1818); Brandes, «Ausflug nach Mehadia, Konstantinopel, B. und der Stätte von Iliume (Lemgo 1863).