Angöra, türk. anoden das Ancyra V. d.) der Alten, Hauptstadt des gleichnamigen türk. Vilajet, auf den innern gebirgigen Hochflächen Kleinasiens, am verrallenen Eit gelegen, wird von einer alten und verfallenen Citadelle überragt, die auf einem sich steil aus der Ebene erhebenden Felskegel erbaut ist und deren Mauern aus Marmorbruchstücken mit Inschriften, Säulenstücken, Statuen, Architraven u. s. w. bestehen. Am häufigsten sieht man Reste Ebe de Architektur. Jedes der 84 Mahallen (Bezirke) der Stadt hatte ehedem seine Dschamieh oder Große Moschee; sonst sind von größern Bauwerken 17 oder 18 Chans, aber nur 3 Bäder vorhanden. A. ist eine uralte Stadt, welche gegenwärtig 30000 E., darunter 15000 Türken, 10000 kath. Armenier (welche hier einen Bischof haben), 3000 Griechen und 1000 Juden zählt, und ist noch immer einer der bedeutendsten Gelbbeeren u Kleinasiens. Außer Wachs und Gelbbeeren sind vorzüglich die Felle und Wolle der langhaarigen Angoraziege (s. d.), die auf den umliegenden Höhen gezüchtet wird, ein gesuchter und kostbarer Artikel. Bei A. besiegte 1402 Timur den osman. Sultan Bajazet. — Das Vilajet A. umfaßt 69379 qlem mit 514000 CE. m Dasi (frz. poil de chèvre, engl. mohair). Bas überaus dichte, seidenartig weiche und glänzende Vlies der Angoraziege, von meist rein weißer, selten schwarzer oder grauer Färbung, dessen Haar eine Länge von 12—15 und bis zu 30 em erreicht, liefert ein sehr geschätztes Material, das zu Garnen und Zeugen, namentlich zu Plüsch, Kamelot, Serge, als Einschlag 910 halbseidene Stoffe, zu Shawls u. s. w. verarbeitet wird und zum Teil bereits gesponnen nach Europa kommt.