Buddeus (Joh. Franz), Ururenkel des franz. Gelehrten Budäus und Sohn des Superintendenten Franz B. (geb. 20. Mai 1634, gest. 1706) in Anklam, geb. 25. Juni 1667 Anklam, ward 1689 Adjunkt der philos. Fakultät in Wittenberg, 1693 Professor der Moralphilosophie zu Halle, 1705 Professor der Theologie zu Jena, 1713 Kirchenrat zu Gotha und starb 19. Nov. 1729. Er latinisierte zuerst den Familiennamen Budde im Alltagsleben. Unter Lana Schriften, in denen er eine vermittelnde Stellung zwischen den Orthodoxen und den Pietisten einnimmt und welche n um Teil in lebhafte Streitigkeiten, namentlich mit dem Philosophen Wolff verflochten, sind die bedeutendsten: Historia juris naturae et synopsis juris naturae et gentium „ (Jena 1695; Leid. 1711; Halle 1717), De testamentis summorum imperantiumo (Halle 1701), «Introductio ad philosophiam Ebraeorumo (Halle 1702 u. 1720), Elementa philosophiae instrumentalis (Halle 1703 u. öfter), Institutiones theologiae moralis „ (Lpz. 1711), Historia ecelesiastica veteris testamentio (Halle 1709 und 1720), Institutiones theologiae dogmaticaen (Lpz. 1728 u. öfter), Historia critica theologiae dogmaticae et moraliso (Frankf. 1725). — Sein Sohn Karl Franz B., geb. 25. März 1695 in Halle, 1729 Justizrat in Rudolstadt, 1734 Obervormundschaftsrat in Gotha, nahm 1748 Weimar-Eisenach für Gotha in vormundschaftlichen Besitz und starb daselbst als Vizekanzler 5. Juli 1753. Außer einer diplomatischen Schrift über den Vormundschaftsstreit zwischen und Weimar-Eisenach (1748) schrieb er namentlich eine Untersuchung des wahren Grundes der höchsten Gewalt des Fürsten über die Kirche (Halle 1719). — Ernst Rudolf B., Sohn des vorigen, geb. 1746, zuerst Prediger in Gotha, starb dort als Superintendent 1814. Derselbe 1 B. zwei Söhne, von denen der jüngere, Ernst B., zu Gotha als praktischer Arzt und Medizinalrat lebte, der ältere, Johann Karl Immanuel B., geb. 17. Sept. 1780 zu Buffleben, als staatswissenschaftlicher Schriftsteller die litterarische Laufbahn erst spät betrat, nachdem er den Staatsdienst verlassen, den er im Gothaischen begonnen, und der ihn durch batte Aus nach Altenburg und Gera geführt hatte. Außer vielen Beiträgen zu Sammelwerken, namentlich Ersch und Grubers „Encyklopädiey, schrieb er (anonym) «Die Ministerverantwortlichkeit in konstitutionellen Monarchien » (Lpz. 1833) und «Repertorien zu der sächs. Verfassungsurkunde und der Städteordnung» (Lpz. 1834). Vorzugsweise bekannt wurde sein Name durch die Redaction des 1.7 chen Staatsarchivso (5 Bde., Jena 1840 Wa Er starb 28. Febr. 1844. Ein umfassendes erk: «»Deutsches Anwaltbuchv (Lpz. 1847; vervollständigt 1848), von ihm vorbereitet und zum Teil ausgearbeitet, vollendete sein älterer Sohn, Arthur B. Dieser war 1811 zu Altenburg geboren, studierte von 1830 an in Leipzig, später in Heidelber „und bereiste dann Deutschland, Oberitalien, Frankreich und Belgien. Als Advokat in Leipzig hochgeachtet, starb er 29. Jan. 1847. Litterarisch war er bei vielen Sammelwerken beteiligt. — Aurelio B., des vorigen Bruder, geb. in Altenburg 1819, studierte seit 1836 in Leipzig Medizin und machte dann mehrjährige Reisen durch einen großen Teil von Europa. Er schrieb «St. Petersburg im kranken Lebeno (Stuttg. 1846), «Halbwart und der Aufstand in Polenv (Opz. 1863), dem anonym) «Rußland und die Gegenwartv (2 Bde., pz. 1851) und 4Rußland unter Alexander II. Nikolajewitsch o (Lpz. 1860) vorausgegangen waren. Außerdem veröffentlichte er«Schweizerlando (2 Bde., Lpz. 1853), «Europ. Chronik 18555 (4 Bde., Frankf. Seinen Wohnort nahm er erst in Frankfurt a. M., 1871 in München, wo er 1. April 1880 starb. Hn und Buddhismus. Buddha, in der Sanskrit Gauta soviel als Weiser, ist der Ehrentitel des Gautama oder Sakja-muni (d. i. Lehrer aus der Familie Sakja), des Stifters einer ind. Religion, des Buddhismus, welche in Ceylon, Siam, im Birmanischen Reiche, in Tongking, Tibet, in der Mongolei, China und Japan verbreitet ist und weit über 300 Mill. Anhänger zählt. Sakiamuni wurde im 6. Jahrh. v. Chr. geboren in der nordind. Provinz Mägadha, jetzt Behar genannt. Seine Eltern waren Suddhodana, König von Mägadha, und dessen Gattin Maja. Uher die Entartung und das Elend der Menschen von tiefem Mitgefühl ergriffen, zog er sich eine Zeit lang in die Einsamkeit zurück, bald aber trat er als Religionslehrer auf und bestritt das Ansehen der Vedas und viele Einrichtungen der bestehenden brahman. Religion. Er starb wahrscheinlich 543 v. Chr. Eine ausführliche, mit vielen Legenden überbaute Beschreibung seines Lebens gibt der Lalita vistara Puräna v (sanskr. und engl., Kalkutta 1853, tibet. und franz., Par. 1847, deutsch von Lefmann, Lief. 1, Berl. 1874). Buddha legte seine Lehren nicht schriftlich nieder, sondern überlieferte sie mündlich seinen Schülern, die nach seinem Tode sie in zahlreichen Werken aufzeichneten. Durch mehrere, im Laufe der Jahrhunderte aufeinanderfolgende Konilien wurde der Kanon der heiligen Litteratur der uüddhisten fixiert. Die ursprünglichen Lehren Buddhas sind: Die gesamte Erscheinungswelt ist leer und ohne Substanz; ihr Dasein beruht einzig auf dem (Glaubeno an ihre Wirklichkeit. Alles * ist dem Schmerz uur möcuche und die Befreiung von demselben ist nur möglich durch Aufhebung der Existenz. Da aber eine jede Existenz die Folge von Handlungen in einer frühern Existenz ist, soll man bemüht sein, ein jedes Handeln zu unterdrücken, und also auch sich von den Leidenschaften, den Triebfedern des Handelns, frei zu machen. Dies geschieht durch die Erlangung der höchsten Erkenntnis und, da doch die Thatenthaltung nicht ausführbar ist, durch die Ausübung gewisser, dem System entsprechend mehr negativ gefaßter Tugenden. Der Mensch darf daher nicht schwören, lügen, verleumden, töten, stehlen, keine Rache ausüben, er muß züchtig und mäßig leben, Almosen austeilen, die sinnlichen Triebe unterdrücken und sich in e W Betrachtung vertiefen. Wenn der Mensch diese Pflichten auf eine vollkommene Weise erfüllt, so erlangt er schon auf Erden die Würde eines Buddha oder Weisen und h. nach dem Tode in das Nirvana ein, d. h. die vollständige Erlöschung der individuellen ubem A die Seligkeit des Nichtseins im Gegensatz zu dem Kreislauf des Weltgetriebes (Sansara). Während der Buddhismus die Nichtigkeit der Erscheinungswelt, die Wiedergeburten, die angestrebte Aufhebung der individuellen Existenz mit dem spekulativen Brahmanismus gemein hat, unterscheidet er sich von letzterm dadurch, daß er das Göttliche durchaus neiert, sowohl im polytheistischen Sinne der popuären, wie im pantheistischen der philos. 16 Duuch die namentlich aber auf praktischem Gebiete durch die Verkündigung der Gleichberechtigung aller Menem ohne Unterschied der Kasten und eine in dieem Sinne veredelte Tugendlehre, welche der christlichen sehr nahe steht. Da der Buddhismus keine Götter kennt, so konnte sich die Verehrung seiner Anhänger zunächst nur auf das Andenken und die sterblichen Überreste ihres Meisters beziehen; doch entwickelte sich im Laufe der Zeit auch eine buddhistische Mythologie, in wel-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. III. cher die brahmanischen Götter ebenfalls ihre Rolle spielen. Ihre Gebete richten die Buddhisten daher vornehmlich an ihren Religionsstifter, den Sramana oder Einsiedler Gautama und andere berühmte Lehrer ihrer Partei, welche die Würde eines Buddha erlangt. Sie opfern ihren Heiligen und ale Elutscen nur Blumen und Früchte, verwerfen alle blutigen Opfer und den unzüchtigen Phallusdienst der Sivaiten. Ihre Priester scheren das Deisan leben ehelos und wohnen häufig in Klöstern eisammen, wodurch sie sich wesentlich von den Brahmanen unterscheiden, welche die Ehe als heilige Pflicht betrachten. Der Buddhismus breitete 2 rasch in Indien aus und war bereits im 3. Jahrh. v. Chr. Staatsreligion; seine Macht beweisen die Felsentempel zu Salsette, Pantsch-Pandu, Adschanta u. s. w. im nördl. Indien, und um bieselbe Zeit verbreitete er sich auch nordwestlich nach Afghanistan und Baktrien und südlich e 3 Ceylon und Drant In Indien erhoben um die Zeit Christi die rahmanen heftige Verfolgungen Hban die Buddhisten und verdrängten sie nach und nach ganz aus Indien diesseit des Ganges; dagegen ward der Buddhismus herrschend in Indien jenseit des Ganes, in Siam, Pegu, Ava und na. 00 W Um dieselbe Zeit gelangte er nach China, wo uddha Fo enannt wird, dann nach Japan, Tibet und zu den ongolen. Die Sanskritbücher der Buddhisten wurden nun für ihre Anhänger in Ceylon und Indien jenseit des Ganges in die ind. Palisprache und das Ceylonische, in das Tibetische, Chinesische und Mongolische übersetzt und über sie unzählige Kommentare in diesen Sprachen geschrieben. Die heilige buddhistische Litteratur, bestehend in kosmoonischen, dogmatischen, moralischen, ascetischen iturgischen Schriften, ist allmählich außerordentli reich geworden. Der in tibetan. Sprache dhsttdene Kanon der heiligen Schriften der buddhisti⸗ — Religion füllt 108 große Bände. Die spätesten atriarchen der ria lebten in China, wo der dreiunddreißigste und letzte 713 n. Chr. starb. Hierauf ab es in China eine Reihe Oberhäupter der buddhistischen Religion, die den Titel Fürst der Lehre führten, und deren Würde besonders Dschinis-Chan und dessen Nachfolger hoben. Im 14. Jahrh. ward der Sitz des Tibrt perle Religionsoberhauptes von China nach Tibet verlegt, in dessen Sprache die Priester Lamas (Superioren) heißen, der Patriarch aber Dschamtso-Lama, d. i. Lama Ocean, wofür die Mongolen in demselben Sinne Dalai-Lama sane 5 Obgleich schon sehr viel über Buddha und seine Religion von Europäern geschrieben worden, so blieb dennoch die Auffassung dieser welthistorisch bedeutenden Erscheinung bis vor kurzem noch ziemlich verworren und unsicher; der Hauptgrund lag darin, daß die eigentlichen Hauptquellen des Buddhismus, die in Sanskrit verfaßt sind, noch nicht zugänglich gemacht waren, und daher fast nur sekundäre Quellen benutzt werden konnten. Das bedeutendste Werk über den Buddhismus lieferte Burnouf in seiner Introduction à Thistoire du Buddhisme indien (Par. 1844) und dem „Lotus de la bonne loih, womit Lassens Darstellung in seiner Ind. Altertumskunde » (Bd. 2) zu verbinden ist. Eine vollständige Zusammenstellung unserer bisjetzt erworbenen Kenntnis des Wudoharmus gab Köppen, «„Die Religion des Buddha⸗ (Berl. 1857) und 4Die Lamaische Hierarchie und Kircher (Berl. 1859). Wertvolle Beiträge lieferten aus sanskrit. Quellen, außer Burnouf,‚, Hodgson, Aundy nach den Büchern in Palisprache Turnour, Hardy und Fausböll; ant javan. Büchern W. von Humboldt; nach birmanischen San-Germano und Buchanan; nach japanischen Kämpfer; nach chinesischen Abel Reémusat, Stanislas Julien, Wassiljew, Beal und Schott: nach tibetanisch-mongolischen Csoma Körösi, J. J. Schmidt, Kowalewski, Foucaux, Schiefner und Emil * (4Buddhism in Tibeto, Lpz. 1863). Vgl. Kistner, Buddha and his doctrineso (Lond. 1869); Alabaster, „The modern Buddhist (Lond. 1870); Max Müller, Lecture on Buddhist nihilismy (Lond. 1869; deutsch, Lpz. 1870); Beal, «Outline of Buddhism from Chinese sourceso (Lond. —— Eitel, Buddhisme, its historical, theoretical and popular aspectso (Lond. 1873); Schott, Der Buddhismus in Hochasien und in Chinay (Berl. 1845); derselbe, Zur Litteratur des chines. Buddhismus „ (Berl. 1874); Oldenberg, „Buddha. Sein Leben, seine Lehre, seine Gemeindey (Berl. 1881); Kern, «Der Buddhismus und seine Ges 1 in Indieno (deutsch von Jacobi, Bd. 1, Lpz. 1882).