Buênos-Ayres (d. h. gute Lüfte), eigentlich Ciudad de Nuestra Seüora de B., die Hauptstadt des gleichnamigen Staats und der gesamten Argentinischen Konföderation, zu welcher sie nach der Konstitution von 1860 eine ähnliche Stellung einnimmt, wie der Distrikt Columbia zu den Vereinigten Staaten von Amerika, sodaß der vom Staate B. gewählte Gouverneur nur diesen, nicht auch die Hauptstadt zu regieren hat. Die Stadt ist der Sitz der Regierung und des Kongresses der Konföderation, des diplomatischen Korps, der meisten Konsulate und des Erzbischofs für Argentina, dem die Bischöfe von Paranaà, Cordova, Cuyo und Salta untergeben sind. B. liegt an dem 5—8 m hohen, meist ziemlich steil aufsteigenden Südufer des hier über 45 km breiten La Plata-Astuars, 200 km westlich von Montevideo und 275 km vom offenen Meere. Sie wird durch eine Citadelle und mehrere Forts geschützt und ist sehr regelmäßig gebaut, sodaß sich alle Straßen rechtwinkelig schneiden und Cuadras von 140 m Seitenlänge bilden. Solcher Cuadras zählte man (1874) 52 von Ost nach West und 31 von Süd nach Nord, von denen aber noch nicht alle bebaut waren. Die meisten Häuser haben nur ein Erdgeschoß mit flachen Dächern und ziemlich roße Höfe; erst in neuester Zeit beginnt man in der innern Stadt Häuser mit zwei, auch drei Stockwerken zu bauen. Die Straßen sind im Innern mit Gas beleuchtet und mit Granit (von der Insel Martin Garcia) gepflastert, in den Vorstädten aber teilweise noch recht unwegsam. Unter den 15, meist schönen Plätzen sind zu nennen: die Plaza de la Victoria, an welcher die Kathedrale, das Ratlunge (Cabildo) und die Recoba vieja (eine 140 m ange doppelte Ladenreihe im Bie Wlaar Stil) stehen; die Plaza del Fuerto und die Plaza del 25. de Mayo (so genannt zum Andenken an die hier 25. Mai 1810 ausgebrochene Revolution), mit einem Obelisken, der eine Statue der Aunr trägt, und schönen Baumpflanzungen (Melium Imgsvalch. an diesem Platze steht auch der Regierungspalast. Die von den Jesuiten erbaute Kathedrale, 1621 begonnen, hat ein edles Schiff von 100 m Länge und 35 m Breite und wurde 1825 mit einer Säulen-Eerz von weißem Marmor versehen. Außerdem esitzt B. 14 andere kath. und 4 prot. Kirchen, 6 Kapellen, mehrere Klöster und 2 Kirchhöfe. Die alte rot. Kirche, die erste, welche in dem vormals span. merika erbaut worden, bildet statutenmäßig einen Zweig der unierten evang. Landeskirche in Proninz und steht unter dem auch die r der Provinz Brandenburg, welches auch die Predigerstelle besetzt. Unter den andern öffentlichen Gebäuden sind noch zu erwähnen: das Repräsentantenhaus, das schönste unter allen Gebäuden der Stadt, die Bank, die Universität, deren Gebäude ehemals Jesuitenkollegium waren, die Münze, das schöne Opernhaus (Teatro Colon), sowie drei andere Theater, das Hospital und der Stiercirkus (Plaza de Toros). An der Spitze der atat, ein Anstalten steht die 1821 gestiftete Universität, eine der besten in Südamerika, mit einer Bibliothek von mehr als 25000 Bänden. Neben ihr bestehen eine besondere Medizinschule, eine Lateinschule, 73 öffentliche und 98 Privatschulen, ein Militärkollegium, ein histor. und geogr. Institut, eine Sternwarte (34 36“ 18 südl. Br., 40 40“ 12“ westl. L.), ein agen hunter Museum mit ausgezeichneten Sammlungen (unter Leitung Burmeisters), eine Khaupt in von Freunden der Naturgeschichte. überhaupt ist B. in geistiger Beziehung eine der regsamsten Städte in Südamerika. Es erscheinen 30 Zeitschriften, darunter mehrere in deutscher, engl., franz. und ital. Sprache. Namentlich hat das deutsche Element trotz seiner numerischen Schwäche einen bedeutenden und wohlit die d Einfluß gewonnen; unter den Argentinern ist die deutsche Sprache vielfach verbreitet und die Universität besitzt einen Lehrstuhl für dieselbe. Auch fehlt es nicht an Wohlthätigkeitsanstalten, einem Waisen⸗ und Findelhaus, einer Entbindungsanstalt und namentlich einem Asyl für Einwanderer, welches vom Staate namhaft unterstützt wird. Von Agaven, Kaktus, Opuntien u. s. w. eingefaßte Gärten, Pfirsisch⸗ und Olivenhaine mit reizenden Landhäusern (Quintas) schließen die Stadt auf der Landseite ein, hinter welchen sich ein itet. Auf de sast völlig ebenes Prärieland ausbreitet. Auf der andern Seite zieht sich am Ufer die mit Bäumen bepflanzte Alameda mit dem Bajo, ihrer Verlängerung, hin, früher der hoßtune Spaziergang. Jetzt dient als solcher der hölzerne Hafendamm. Unmittelbar südlich von B., zu beiden Seiten des Rio de Matanza oder El Riachuelo, liegt das Dorf Barracas mit etwa 7000 E., das seinen Namen von der großen Anzahl von öffentlichen und Privat-Magazinen führt, welche den Fluß abwärts bis zur Boca begleiten. ů Auch in materieller Beziehung hat B. einen gewaltigen Aufschwung genommen, besonders etwa seit dem J. 1860; 1857 zählte die Stadt erst 122000 E.; nach den neuesten offiziellen Angaben zählte die Stadt 1880 248 710 E. Von diesen waren etwa die Hälfte Argentiner, die andere Hälfte größtenteils Europäer. Die damit verbundene Aus⸗ +. der Stadt hat das Bedürfnis nach Pferdebahnen hervorgerufen, welche die Stadt in mehr als zehn Linien durchschneiden. In die Provinz führen vier Eisenbahnen, an deren Verlängerun gearbeitet wird. Die Wasserverforgung ist no äußerst mangelhaft, erst 1872 ist mit einer Gesellschaft ein Vertrag abgeschlossen worden, um eine regelmäßige und gute Abriind m23. herbeizufähren. Handel und Verkehr sind in B. fortwährend im Zunehmen begriffen, obgleich dieser Platz unter den gedrückten Verhältnissen der letzten Jahre ebenfalls zu leiden hat und alle Preise, namentlich die des Terrains in und um B. sehr gefallen sind. Die Ausfuhr besteht fast ausschließlich in Erzeugnissen der Viehzucht: gesalzenen und getrockneten Häuten, Talg, Haaren, Wolle, getrocknetem Fleisch und Knochenasche. Die u r besteht besonders in Baumwoll⸗ und Manufakturwaren, Steinkohlen, Bauholz, Wein, Nuslien Beven CEuropa, Kaffee und Zucker aus Brasilien. Bedeutend ist baneben die Einwanderung; 1872 landeten in B. 37000 Einwanderer, ihre Anzahl erreichte im folgenden Jahre 76332, sank dann aber wieder auf etwa 42 066 im Jahre 1875 und auf 28 798 im Jahre 1877; hob sich dann wieder auf 32 702 im Jahre 1879 und sank dann wieder 0f 26 643 im Jahre 1880. Dem Tonnengehalte nach fallen drei Viertel des ½ überseeischen Handels der Argentinischen Republik auf B. Regelmäßige Dampferlinien verbinden B. mit Liverpool, Glasgow, Havre, Hamburg, Antwerpen, Bordeaux, Bayonne, Marseille und Genua. Mit Montevideo und den nähern Plätzen am Paranä und Uruguay steht B. in täglicher Dampferverbindung, während im La Plata-Gebiet überhaupt diese Verbindungen bis nach Brasilien hineinreichen. Die Entwickelung des Handels leidet in B. durch den Mangel eines guten Hafens; einen Hafen gibt es nur für kleine Boote in der Mündung des Machuelo. 45 km südö 9 d von B. liegt Ensenada an der Ensenada (Bucht) de Barragan, welche einen bequemen Hafen für Schiffe bis 5m Tiefgang bildet. Derselbe ist im Juli 1874 nach Eröffnung der Eisenbahn von B. zum Einfuhrhafen erklärt worden. Anfang 1881 . von B. aus Eisenbahnen nach: 1) Chascomus, Dolores und Ayacucho, mit der „Zweigbahn von Altamirano nach Carmen de las Flores und Azul (zusammen 554 km); 2) nach Chivilcoy und Bragado, nach Lobos, nach San⸗ „Antonio de Areco (zusammen 384 km); 3) nach Tigre (39 km); 4) nach Ensenada (59 Km); 5) nach tCampana (77 km). B. wurde gegründet 1535 durch Don Pedro de „Mendoza, mußte aber wegen der Feindseligkeiten der ereter weimal verlassen werden, bis es nach terfolgreicher Bekämpfung derselben 1580 gelang eine dauernde Niederlassung zu gründen. Dur ihre gute und gesunde 90 er sie ihren Namen verdankt, hob sie sich schnell, wurde 1620 Sitz eines Bistums und 1700 zählte sie bereits 16 000 E., 1776 wurde sie des Balto des gleichnamigen Vizekönigreichs, welches Bolivia, Paraguay, Uruguaz und die spätere Argentinische Republik umfaßte. Durch die 1778 erfolgte 77k des Verkehrs auf dem La Plata —* sie sich noch mehr, wurde aber 1806 von den Engländern eingenommen, die iedoch bald wieder weichen mußten. Im J. 1810 brach daselbst die Revolution aus, die mit Losreißung des Landes von Spanien endete, und seit⸗ [dem ist die Geschichte von B. eigentlich die Geschichte der Argentinischen Konföderation. Nur zur Zeit der Sezession 1852—60 war sie Hauptstadt eines besondern Staats (Estado independente de B.). Der Sitz der Centralregierung ist jetzt definitiv in B. Bis 1867 waren epidemische Krankheiten in B., trotz des vollständigen Mangels einer Sanitätspolizei, unbekannt. Im genannten Jahre trat zuerst die vom Kriegsschaup atze in Paraguay eingeschleppte Cholera auf, welche viele Opfer forderte und auch die nächsten Sommer wiederkehrte. Von an. bis Mai 1871 wurde jedoch B. stark vom elben Fieber heimgesucht, welchem bis April bereits an 26000 Menschen erlegen waren. Der nach der Hauptstadt benannte Staat Buenos-Ayres hatzur Ostgrenze das Atlantische Meer, 53 Nordgrenze den Mündungsgolf des La Plata und en untern Paranâ bis Puerto de los Piedras (unterhalb des wichtigen Hafens Rosario). Von dort geht die Landgrenze gegen Südwesten nordwestl. vom See (Mar) Chiauito welchen der in das La Plata-Astuarium mündende Rio Salado, der größte Küstenfluß des Staates, durchfließt, wendet sich nordwestl. von Lavalle in einer geraden Linie gegen Süden bis zum Fluß Sauce abia den sie nun bis u dessen Mündung in die Bahia Blanca verfolgt. as Areal beträgt 198 104 qkm mit (1869) 495 107 E. (worunter 20000 Indianer in den Pampas), welche hauptsächlich von Ackerbau und Vie zucht leben. Das Klima ist, durch die Winde, wel bisweilen als furchtbare Orkane auftreten, fehr 90. mäßigt, außerordentlich mild und gesund; der Boden fruchtbar und üppig grün, reich an den her Rie Weiden, weil zum größten Teile (im N.) in der Re-Cia der Pampas liegend. Der Südosten des taates ist gebirgig, hier finden sich die Sierra de Volcano und ansehnliche Stranddünen. Die Kultur leidet noch immer durch 7½ Einfälle der Indianer. Die Einnahmen des Staates betrugen in der Botschaft an die Kammern vom 31. Mai 1881 für das Jahr 1882: 142 330 628 Pesos moneda corriente (26 P. 4,20 Mark), die Ausgaben 148 796 702 Pesos. Die Schulden 1. Jan. 1880: 32 556 319 Pesos fuertes. Vgl. Wilcocke, Iistory of B. (Lond. 1806); Vidal, Picturesque Ayres (Par. 1857); Andree, B. und die argentin. Provinzeno (Lpz. 1856); de Moussy, Description de la confédération Argentines (Par. 1864); von Tschudi, »Reisen durch Südamerika (5 Bde., Lpz. 1866—69); Latrina, EI Mapa ++* illustrativo del Censo de 18695 (Buenos-Ayres 1881); E. Coni, «Movimiento de la Poblacion de la ciudad de Buenos Aires durante el anno 18805 (Buenos-Ayres 1881).