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ErdkundeBrockhaus 1882

Caräcas, Hauptstadt der südamerik. Republik Venezuela und des Bundesdistrikts, ist Sitz der Regierung, des Obergerichtshofs, des Nationalkongresses, eines Erzbischofs und der Centraluniversität. Die Stadt liegt 10 Kkm südlich von ihrem Seeafen La-Guaira, am südwestl. Fuße der 2630 m 0 en Silla de Caracas, in einem mit Kaffee- und Fruchtbäumen bepflanzten Thale, 674 müber dem Meere, und hat (1873) 48897 E. Das Klima von C. ist für seine äquatoriale Lage (10“ 31 nördl. Br.) ein sehr gemäßigtes. Schon 1644, 1770 und 1782 durch heftige Erschütterungen heimgesucht, wurde C. durch das Erdbeben vom 26. März 1812 fast gänzlich Gieir bei welchem 12000 Menschen umkamen. Sie ist regelmäßig à Bachie hat instöckige Häuser aus ungebrannten acksteinen, gerade, rechtwinkelig sich schneidende Straßen, welche gepflastert, großenteils an den Seiten mit Trottoirs versehen und jetzt mit Gas erleuchtet sind, 16 Kirchen, mit Einschluß von 6 Klosterkirchen, und 3 Nonnenklöster. Die Kathedrale, in dem vom Erdbeben am wenigsten heimgesuchten Stadtteile gelegen, ist mit ihren durch gewaltige Strebepfeiler unterstützten Mauern stehen geblieben, ein mächtiger Bau, aber in schwerfälligem Stil und unsymmetrisch. Sie 22 an der Ostseite des großen Hauptplatzes (Plazaajor), der zugleich der belebte Marktplatz der Stadt ist. Ihr gegenüber liegt der in modernem Geschmack errichtete 1Cieunglien mit den Ministerbureaus und den Sitzungssälen der Kammern. Auf der Südseite steht das Universitätsgebäude che Pa erzbischöfl. Seminar) und der unansehniche Palast des 4½ ofs. Außer der 1722 gestifteten Universität hat ein Wriele mediz. Schule, öffentliche Bibliothek, ein Priesterseminar, eine Militärschule, eine Maler⸗ und Zeichenakademie, verschiedene andere öffentliche und Privatschulen, unter welchen das Colegio de la Independencia und das fur arme Zöglinge bestimmte Colegio de Chaves die bedeutendsten sind. Auch besitzt die Stadt mehrere guteingerichtete Buchdruckereien, ferner ein Telegraphenbureau, ein Theater, mehrere Gesellschaften zur tait; aberen des Ackerbaues und der ale, sabbn wucht v aber keine öffentlichen Monumente, selbst nicht des Libertadors Bolivar, der hier 1783 geboren und dessen Asche 1842 in der Kathedrale beigesetzt wurde. Nennenswerte Industrie und Manufaktur hat C. gar nicht. Dagegen ist C. der Mittelpunkt eines bedeutenden Ausfuhrhandels für die Ackerbauprodukte der eigenen und der benachbarten Provinzen, sowie für Kakao, Tabak, Kaffee u. s. w., hauptsächlich nach Hamburg. Die eingeführten ausländischen Waren werden von hier aus nach dem Innern vertrieben. C. wurde 1567 von Diego Losada unter dem Namen Santiago de Leon de C. an derselben Stelle gegründet, welche sieben Jahre früher schon Francisco Fajardo durch eine kleine Niederlassung und den Namen Valle de San-Francisco bezeichnet hatte. Bei ihrer günstigen Lage hob sich die Stadt schneil, obgleich sie 1595 von den Engländern niedergebrannt und 1766 durch große Seuchen, wie die ganze Provinz, entvölkert wurde. Unter der span. Regierung war sie die Hauptstadt der Generalcapitanie C. (Venezuela). In dem Unabhängigkeitskampfe gegen Spanien spielte sie eine wichtige Rolle. —Die ehemalige Provinz Caraäcas, welche im N. an das Antillenmeer, im O. an Barcelona, im W. an Aragua und Carabobo grenzte und einen Flächeninhalt von 88024 am besaß, zerfällt nach der neuen Einteilung der Republit in einen Bundesdistrikt (17aEm mit 60010E.) und die Staaten Guarico, Bolivar und Guzman Blanco. Die alte Provinz C., welche auch das heutige Aragua und Guarico umfaßte, gehörte seit 1526 als Lehn der Patricierfamilie Welser (s. d.) in Augsburg, die sie aber 1546 schon wieder an Karl V. zurückgab, weil die dorthin geschickten deutschen Soldaten durch ihre Grausamkeit und Habsucht die Kolonie zu Grunde richteten. Hierauf ward C. bis 1810 ein span. Generalkapitanat, demnächst der Schauplatz des Insurrektionskampfes unter Miranda, dann unter Bolivar mit den span. Truppen unter Morillo, von 1821 an ein Bestandteil des Freistaates Columbia, bis es 17. Nov. 1831 die Republik Venezuela (s. d.) bilden half.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 934Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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