Buffon (George Louis Leclere, Graf von), berühmter Naturforscher, geb. 0 Montbard in Bour-Baua 7. Sept. 1707, erhielt von seinem Vater, enjamin Leclere, welcher Parlamentsrat zu Dijon war, eine sorgfältige Erziehung 11 sodann mit dem jungen Dernog von Kin ston Frankreich und Italien, und begab sich hierauf nach England, wo er Newtons «Theorie der Fluktionene und Hales' Statik der Gewächsev übersetzte. Diese Übersetzungen und mehrere selbständige Abhandlungen mathematischen Inhalts veranlaßten 1733 seine Ernennung zum Mitgliede der Akademie der Wissenschaften; 1739 wurde er zum Intendanten des königl. Gartens ernannt, seit welcher Zeit sich seine Thätigkeit vorzugsweise auf die Naturgeschichte richtete. Während der mit ihm im gleichen Jahre geborene Linné den Ausbau der formellen Seite der Wissenschaft, der Systematik und Klassifikation, sich zur Aufgabe stellte, faßte B. den Gedanken, dem strengen methodischen Gange gegenüber die Naturbeschreibung, die Schilderung des äußern Erscheinens, der Lebensgewohnheiten und Eigentümlichkeiten der Tiere in den Vordergrund zu stellen und dadurch Sein Plan Interesse der Gebildeten zu gewinnen. Sein Plan war demgemäß, alle einzelnen Erfahrungen aus dem Gesamtgebiete der Naturforschung u sammeln und sich ihrer zum Aufbau eines Sysems der Natur 50 bedienen. Doch zur Ausführung fehlte ihm sowohl gründliches Wissen als Geduld zur mühsamen Forschung. Begabt mit lebhafter Einbildungskraft und geneigt, sich durch glänzende Hypothesen aus Zweifeln zu ziehen, vermochte er nicht, die streng wissenschaftliche Methode der Linneschen Schule sich anzueignen. Ein wesentliches Verdienst Bis besteht darin, daß er der Vermengung der positiven Theologie und der Naturwissenschaften ein Ende bereitete. Auch für das Ausland blieb dieses Bestreben nicht ohne Nachwirkung. Trotz der heftigen Opposition Hallers, Bonnets und 30n h. deutschen Gelehrten brachen sich die zuerst von B. angeregten freiern Ansichten Veh allen Richtungen Bahn, sowie außerdem seine Behauptungen zu tiefern wissenschaftlichen Forschungen anregten. Unter dem wissenschaftlichen Gesichtspunkte betrachtet, sind die Werke B.s jetzt von Muter emes deutung, während sie noch immer als Muster eines Dratore en, zuweilen pomphaften Stils gelten. Seine philos. Versuche zur Deutung von Naturerscheinungen fanden schon an Condillac einen scharfen Gegner und können, wie z. B. die im glänzendsten Stile geschriebene Theorie der Erde (Epochen der Naturo), nur noch durch die poetische Auffassung der Natur iind selte Die Beobachtungen über Sitten der Tiere sind selten von ihm selbst gesammelt, aber geistreich verarbeitet, wenn auch kei-Ineswegs unter den jetzt allein geltenden physiol⸗ „Gesichtspunkten. Von wissenschafklichem Werte sind nur noch die systematischen und anatom. Arbeiten Daubentons, des Kollegen B.s, der an der Naturgeschichte der Säugetiere ernsten Anteil nahm. Der Unbedeutendste Teil der Werke B.s ist der mineralogische. Die Dael und d. der Tiererv umfaßt die Säugetiere, Vögel und den größten Teil der Fische; sie begann 1749 (3 Bde.) und schloß 1783 mit dem 24. Bande. S. dieser Zahl sind jedoch auch die Versuche über Geogenie, eine Anthropologie u. s. w. inbegriffen. B.s Werke wurden sehr oft, meist unter dem Titel: Histoire naturelle, générale et particulière (am besten, 36 Bde., Par. 1749—88; von Lamouroux und Desmarest, 40 Bde., 1824—32; von Flourens, 12 Bde., Par. 1802) aufgelegt. Übersetzungen und Auszüge gibt es in den meisten Sprachen Europas. Was Lesson als Histoire naturelle des animaux rares et curieux découverts par les voyageurs depuis la mort de B.v (Par. 1829) herausgegeben, besonders aber die in Paris seit 1837 erschienenen sehr wichtigen und bändereichen Suites à B.v haben mit B.s Schöpfungen nur den Namen gemein und sind rein systematische Werke. B. starb zu Paris 16. April 1788, nachdem er von Ludwig XV. in den Grafenstand erhoben, von Ludwig XVI. sogar bei Lebzeiten mit einer Büste beehrt worden war, die mit der Inschrift: Majestati naturae par ingeniumo am Eingange des königl. Naturalienkabinetts aufgestellt wurde. B.s «Correspondancen (2 Bde., Par. 1860) sowie das Werk: „B., sa famille, ses collabora⸗- teurs et ses familierso (Par. 1863) hat sein Großenkel, Henri de B., veröffentlicht.