FeedBunsen (Rob. Wilh.)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Bunsen (Rob. Wilh.), ausgezeichneter deutscher Chemiker, geb. 31. März 1811 zu Göttingen, wo sein Vater die Professur der abendländ. Litteratur bekleidete, erhielt seine Vorbildung auf den Gymnasien von Göttingen und Holzminden und bezog 1828 die Universität seiner Vaterstadt, um sich geolog., chem. und physik. Studien zu widmen. Nachdem er dieselben in Paris, Berlin und Wien vollendet, habilitierte er sich 1833 für Chemie an der göttinger Universität, übernahm aber 1836 den durch Wöhlers Abgang erledigten Lehrstuhl der Chemie am Polytechnischen Institut zu Kassel, an dem er bis zu seiner 1838 erfolgten Ernennung zum außerord. Professor der Chemie an der Univerttöt Fü thätig war. Seit 1841 zum ord. Prossor der Chemie und zum Direktor des Chemischen stituts zu Marburg befördert, folgte er 1851 einem Rufe an die Universität zu reslau, wo er den Bau eines Chemischen Instituts begann, verließ jedoch 1852 Breslau wieder, um einem Rufe als Professor der Chemie nach Heidelberg zu folgen, wo er bei seinem 50jährigen Doktorjubiläum 17. Okt. 1881 den Rang eines Geheimrats erster Klasse mit dem Prädikat Cxcellenz erhielt. B. hat die Wissenschaft durch viele neue Untersuchungen und Entdeckungen bereichert, dieselben aber meist nur in üntertuntten niedergelegt. Unter seinen chem. ntersuchungen sind besonders hervorzuheben die über die Doppelcyanüre, über die us Oeheeh; über die chem. Verwandtschaft, über das chießpulver (mit Schischkow). Auch verdankt man ihm die Entdeckung eines unfehlbaren Gegengiftes (des Eisenoxydhydrats) gegen die arsenige Säure. Auf einer Sommerreise nach Island 1846 machte er eine Reihe von geolog.⸗chem. Untersuchungen, welche wichtige Aufschlüsse Über die vulkanischen Erscheinungen gewähren. In das Gebiet der Physik gehören seine Untersuchungen über das spezifische Gewicht, über das Gesetz der Gasabsorption, über den Einfluß des Drucks auf den Erstarrungspunkt geschmolzener Materien, über die Verbrennungserscheinungen der Gase, die Diffusion u. s. w. Hieran reihen sich noch die Arbeiten über die elektrolytische Gewinnung der Alkali⸗ und Erdmetalle und p otochem. Untersuchungen. Außerdem stellte B. zum ersten mal das Magnesium in größerer Menge dar und entdeckte 1860 das Magnesiumlicht, dessen Anwen1• 6 für die Photographie von größter Wichtigkeit ist. Eine Wie 5.2 von noch unberechenbarer Tragweite ist die der Spektralanalyse, welche er 1860 mit seinem Freunde H. Kirchhoff machte und über welche er mit letzterm die Schrift veröffentlichte: [Chem. Analyse durch Spektralbeobachtungen» (Wien 1861). Von selbständigen Schriften veröffentlichte B. nur: Descriptio hygrometrorum (Gött. 1830), «Eisenoxydhydrat, das Gegengift der arsenigen Säuren (mit Berthold, 2. Aufl., Gött. 1837), »Schreiben an Berzelius über die Reise nach Slando (Marb. 1846), ber eine volumetrische ethode von sehr allgemeiner Anwendbarkeito (Heidelb. 1854), Gasometrische Methodeno (Braunschw. 1857; 2. Aufl. 1877; von Roscoe ins Englische und von Schneider ins Französische übersetzt), Anleitung zur Analyse der Aschen und Mineralwasser⸗ (Heidelb. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 727Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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