FeedCanutarini (Simone)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Canutarini (Simone), Il Pesarese oder Simone da Pesäro genannt, ital. Maler, geb. 1612 zu Oropezza bei Pesaro, war einer der besten Schüler Guido Renis, dessen Stil er sich bis zur Täuschung aneignete; doch erreicht er Guidos Rach-Weichheit der Formen nicht immer. Sein Nachahmungstalent verleitete ihn zur Selbstüberschätzung, welche das freundschaftliche Verhältnis erstörte, das mit ihm Guido Reni, der ihn in Bo-Iogna bei sich aufnahm, geknüpft hatte. Aus dessen gastlichem Hause entfernt, begab sich C. nach Rom, wo er sich dem Studium der Antike und Rafaels widmete. Nach Bologna zurückgekehrt, fing er an als Lehrer zu wirken, bis er in die Dienste des Herzogs von Mantua trat. Im Verdruß darüber, daß ihm ein Porträt des Herzogs nicht gelungen war, verfiel er in eine Krankheit, ging nach Verona und starb dort 1648 in seinem 36. Jahre; er soll sich vergiftet haben. C. war ausgezeichnet in der Modellierung und Carnation und mied, nach seinen eigenen Worten, im Gesicht die Schminke Domenichinos und den Schatten der Caracci. Gute Bilder von ihm sind in der Pinakothek von Bologna: eine Madonna, von Nesters emporgetragen, und ein Bildnis seines Meisters Guido Reni; ferner der beil Anton bei den Franziskanern zu Cagli, und der eil. Jakob zu Rimini. Er hinterließ zahlreiche Gemälde und 37 radierte Blätter. Cantäro (ital.), Kantär (arab.), ein dem deutschen Centner entsprechendes Handelsgewicht in der Türkei, Agypten, Tripoli, Tunis, Marokko, sowie früher in mehrern der ehemaligen ital. Sonderstaaten und auf den Balearischen Inseln, von sehr verschiedener Schwere. In Alexandria und Kairo allein hat man 22 verschiedene Kantar. Der alte Kantar von Konstantinopel hatte 100 Rottel man rechnete ihn in der Praxis — 44 türk. Oken, was er aber nicht ganz war. Der seit 1. (13.) März 1874 gesetzliche neue türk. Kantar (Kantar-a'chary, metrische Centner) begreift 100 kg. In Italien wurde der C. meist in 100 Rotoli geteilt. — C. hieß auch früher ein Wein⸗ und Branntweinmaß in den Provinzen Aragonien, Valencia und Catalonien, 10—12 1 haltend. Cantate (lat., singeto), der vierte Sonntag nach Ostern, so genannt, weil an ihm die Messe mit den Anfangsworten des 98. Psalms (Cantate Domino etc.) beginnt. Cantate lital., Singstücko) nennt man eine Gattung von Gesangswerken mit Instrumentalbegleitung. Sie bringt die verschiedenen Formen des Gesanges zur Anwendung: Recitativ, rie, Wechselgesang und Chor. Die C. zerfällt nach dem zu Grunde liegenden Stoffe in die weltliche und die geistliche Die Form beider Arten ist im wesentlichen dramatisch, mit vorwaltendem lyrischen Element. Gegenstände der weltlichen C. sind anziehende Naturscenen, moralische Betrachtungen, Veranlassungen aus dem menschlichen Leben (Gelegenheitscantaten), kürzere epische und histor. Episoden. Die geistliche C. unterscheidet sich vom Oratorium durch ihren gerinern Umfang und durch ihren Mangel an eigenticher Handlung. Der Ursprung dieser Gesangsform ist in der ital. Kunst zu suchen, wo sie im 17. Jahrh. gleichzeitig mit der Oper und dem Oratorium aufkam und die Entwickelung beider wesentlich förderte. Als ihr erster und wesentlicher Verbesserer gilt der berühmte Carissimi, dem dann in der Weiterbildung sein noch berühmterer Schüler Aleffandro Scarlatti folgte. Diesem folgte eine Reihe bedeutender Meister, unter denen Händel, Astorga, Porpora u. a. hervorragen. Die geistliche C. Kirchencantate) wurde besonders bei den Protestanten ausgebildet, welche in dieser Musik einigermaßen einen Ersatz fanden für die bedeutunglos gewordene Messe. Der fruchtbarste und größte Meister dieses Faches ist J. S. Bach, dem viele andere zur Seite stehen. Die bedeutendsten C.Komponisten der letzten hundert Jahre sind: Haydn, Mozart, Naumann, Winter, B. A. Weber, K. M. von Weber, A. Romberg, F. mißt, sind unter K aufzusuchen. Schneider, F. E. Fesca. Die neuere Zeit hat weni-Bedeutendes in der C. geleistet. [Sängerin

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 918Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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