FeedCellini (Benvenuto)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Cellini (Benvenuto), berühmter ital. Goldarbeiter, Bildhauer, Erzgießer und Medailleur, geb. 1500 zu Florenz als Sohn des Baumeisters Giovanni C., erlernte die Goldschmiedekunst und trat dann bald in die Werkstatt des Firenzuola di Lombardia zu Rom, wo er einen ausgezeichneten Tafelaufsatz fertigte. Bald wurde sein Name bekannt, und viele treffliche Arbeiten sicherten ihm die Gunst hochgestellter Personen. Nächst der Goldschmiedekunst übte er frühzeitig das Stahlstempelschneiden sowie die Kunst des Emaillierens; auch in Nachahmung fremdartiger, besonders reich mit Gold und Edelsteinen ausgelegter türk. Waffen versuchte er sich mit vielem Glück. Im Mai 1527, bei der Erstürmung Roms durch die Truppen des Connetable von Bourbon, flüchtete er sich mit Papst Clemens VII. in die Engelsburg, ging dann nach Florenz und hierauf nach Mantua, wo er auf Bestellung des Herzogs mehrere Aufträge ausführte. Doch fand C. infolge seines prahlerischen und händelsüchtigen Wesens und seines ungeregelten Lebens nirgends Ruhe. Nachdem er abermals seine Vaterstadt besucht, kehrte er nach Rom zurück, wo er die Stelle eines Stempelschneiders bei der Münze erhielt. Nach dem Tode Clemens' VII. trat er in die Dienste Pauls III., begab sich aber bald nach Florenz, wo ihn Herzog Alexander Medici beschäftigte. Ein neuer Aufenthalt in Rom war ebensowenig von Dauer, und 1537 ging er nach Frankreich an den Hof Franz' J. Durch Krankheit zur Rückkehr nach Rom veranlaßt, saß er infolge falscher Anklagen längere Zeit in der Engelsburg, bis ihm der Kardinal von Este die Freiheit verschaffte. Einer Einladung Franz' J. folgend, begab sich C. nach Fontainebleau, wo er im Auftrag des Königs verschiedene, zum Teil im Louvre befindliche Arbeiten unternahm. Seiner Schilderung zufolge war die Feindschaft der Geliebten des Königs, der Herzogin von Etampes, der Grund zu seiner Rückkehr nach Florenz. Hier führte er, vom Herzog Cosimo 1. Medici begünstigt, mehrere Werke in Metall und Marmor aus, unter anderm die berühmte Statue des Perseus, welche die Loggia de“ Lanzi ziert, und einen Christus in der Kapelle des ermißt, sind unter K aufzusuchen. Palastes Pitti. Auch lieferte er treffliche Stempel zu Münzen und Medaillen. Unter den von ihm gearbeiteten Schmuckgegenständen ist besonders ein reichgeschmücktes Salzfaß in der kaiserl. Sammlung zu Wien FOagde it (S. mben Bildnexei VI, Fig. 1.) Dasselbe ist die am besten beglaubigte Goldschmiedarbeit, welche man von ihm kennt und besitzt. Für König Franz I. von .i reich ausgeführt, kam sie als Geschenk von König Karl IX. bei dessen Vermählung mit einer österr. Erzherzogin an den Erzherzog Ferdinand und mit dessen Ambraser Sammlungs ist sie nach Wien gelangt, wo sie sich gegenwärtig in der kaiserl. Schatzkammer befindet. Dieses Salzfaß ist ein Musterwerk für Benvenutos Vorzüge und Fehler. Es zeigt ihn als überaus geschickten Techniker, aber auch als manieriert in der Sultf wie affektiert im Gedanken, der für dieses alzfaß, bei welchem die männliche Figur des Meeres das Salz, die weibliche Figur der Erde den Pfeffer repräsentiert, ganz wunderlich erscheint. Das Werk ist voll Allegorie und versteckter Gedanken, die ein anderer kaum wagen würde in das Werk hineinzudichten. Aber die Figuren, die größern wie die kleinern, sind bewundernswürdig wegen der schwierigen Kunst des Treibens ganz aus dem Runden, und ausgezeichnet ist das Email wegen des Feuers und der Leuchtkraft. Wie in diesen kleinen Figuren, so zeigt C. auch in seinem großen Hauptwerk, dem in Erz gegossenen Perseus in der Loggia de' Lanzi zu Florenz, daß er mit der formellen Seite sener Kunst bereits stark auf dem Wege zum Barocken sich befindet. Der Perseus hat gesucht 4 0 Haltung und der figürliche und ornamentale Schmuck des Postaments ist nach Gegenständen wie Form bereits gleichfalls vom barocken Geschmack angekränkelt. Dieser er i ungeachtet gilt C. heute für den ersten Meister in der Goldschmiedekunst, zu welchem Ruhme ihm aber mehr die eigene Ruhmredigkeit in seiner Selbstbiographie als seine Werke verholfen haben. Sein Name ist so groß, daß, wo heute etwas Gutes unbekannten Namens von Goldschmiedarbeiten des 16. oder gar des 17. Jahrh. auftaucht, es ihm zugeschrieben wird. Das alles ist ohne weiteres als fal anzunehmen. Beglaubigt von seinen Werken ist nichts als das Salzfaß, der Perseus, die Büste des Großherzogs Cosmus und einige Medaillen. Von den ihm zugeschriebenen Goldschmiedarbeiten gehört ihm am ehesten noch ein reiches Silberkästchen an, das sich im Nationalmuseum zu Negpel befindet. Daß C. ein vielseitig gewandter Künstler war, der nach allen Richtungen hin technisch seine Kunst verstand, zeigt sein Trattato dell' Oreflceriao, in dem er mit großer Klarheit, Präzision und Anschaulichkeit, und insofern mit Meisterschaft, alle Zweige seiner Kunst beschreibt. Und insofern, als jeder Feuergeist, der nicht ganz der Bildung ermangelt, gut und anziehend zu schreiben vermag, it er auch als guter Schriftsteller zu bezeichnen. Seine Selbstbiographie, in welcher er, da er 58 J. alt war, sein an Abenteuern und phantastischen, merkwürdigen Begebenheiten überaus reiches Leben beschrieb, ist ein im höchsten Grade interessantes Buch. Die Handschrift dieses anziehenden Werks, in welchem er mit fast cynischer Unbefangenheit seine Fehler enthüllt, wäh rend er seine guten Eigenschaften und künstlerischen Fähigkeiten mit übermäßigem Selbstgefühl hervorhebt, und worin er die Personen, mit denen er in Verbindung gekommen, mit treffenden Zügen schildert, befindet sich in der Laurentinianischen Bibliothek zu Florenz. C. starb 25., nach andern 13. Febr. 1571. Die erste Ausgabe seiner Autobiographie, von A. Cocchi zu Neapel (angeblich Köln) 1728 nach einer allerdings Wulberß lückenhaften Handschrift besorgt, liegt der Übersetzung von Goethe 4* zu Grunde. Außerdem gibt es franz., engl. und holländ. Übertragungen. Von dem Originalmanufkript besorgte Fr. Tassi einen genauen Abdruck (3 Bde., Flor. 1829), wiederholt in der Choulantschen Ausgabe der 40pere (3 Bde., Lpz. 1833). G. Molini wie B. Bianchi gaben in Florenz 1832 und 1852 neu berichtigte Drucke heraus. Von C. Milanesi rührt die sorgfältige Ausgabe des Trattato dell' Oreficeria (Flor. 1856; deutsch von Brinckmann, Lpz. 1867) her. Litteratur: Ces letzte 1 beichtiey nach seinen Briefen und Aufzeichnungen beschrieb Reumont (in Raumers „(Histor. Taschenbucho, Lpz. 1847, und in Geiträge zur ital. Geschichter, Bd. 4, Berl. 1855), seine in Wien befindlichen Arbeiten J. Arneth (Die Cinquecento-Kameen und Arbeiten des C. im Münz- und Antikenkabinett zu Wien », Wien 1858), seine Medaillen Friedländer. Vgl. ferner Arneth, »Studien über C.» (Wien 1859). über C. als Goldschmied vgl. Falke, „Benvenuto C.», in Teirich, (Blätter für Kunstgewerber (1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 103Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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