FeedCarlos (Don)
GeschichteBrockhaus 1882

Carlos (Don), Maria Joseph Isidor von Bourbon, span. Kronprätendent, geb. 29. März 1788, Euder Sohn König Karls IV. von Spanien, ruder König Ferdinands VII., genoß an dem Hofe seines Vaters eine gute Erziehung. Auf Napoleons Gebot mußte er 1808 mit seinem Bruder der Thronfolge entsagen und dann bis 1814 die Gefangenschaft desselben in Valengay teilen. Als Ferdinand VII. sich in zweiter Ehe mit der Tochter König Johanns VI. von Portugal vermählte, erwählte sich C. 1816 deren Schwester, Maria Francisca d'Assis (geb. 1800, gest. 24. Sept. 1834)/ — Gemahlin, von der er drei Söhne bekam. Da auch die zweite Ehe Ferdinands VII. kinderlos blieb, so eröffnete sich dem Infanten die nächste 4%½˙ auf die Thronfolge, und nach Herstellung der Konstitution 1820 ward C. Mittelpunkt aller Bestrebungen und Verschwörungen, die auf die Wiedereinführung des Absolutismus hinausliefen. Die Gegner des Don C. aber vermochten den kinderlosen König, als seine dritte Gemahlin 1829 verstorben, sich mit Marie Christine (s. d.), der jüngern Schwester der Gemahlin des Infanten Don Francisco da Paula, zu vermählen und für den Fall einer bloß weihlichen Nachkommenschaft 29. März 1830 die pragmatische Sanktion von 1789 zu promulgieren, Sali Oesc un bestand Hund durch welche das Salische Gesetz wurde. Am 10. Okt. 1830 wurde die Infantin Maria Isabella geboren und somit C.' Aussicht auf die nächste Thronfolge vernichtet. Zwar gelang es seiner Partei, den kranken König im Sept. 1832 zur Wiederherstellung des Salischen Gesetzes zu bewegen; als derselbe aber wieder genesen, erklärte er das Dekret für erschlichen und die pragmatische Sanktion von 1830 für wiederhergestellt. rmißt, sind unter K aufzusuchen. Dennoch ruhten die Anhänger des Infanten bei Hofe nicht, und der König fand sich endlich bewowpat 1833 nicht nur die Prinzessin von Beira, die pätere Gemahlin des Don C., sondern bald darbaflan diesen selbst sowie den Infanten Don Sebastian nach Portugal zu verweisen. Als C. sich von hier aus weigerte, der Huldigung der Prinzessin von Asturien (der spätern Isabella II.) beizuwohnen, befahl ihm der König, nach dem Kirchenstaate zu gehen. Von jetzt an erklärte Don C. seinem Bruder in offizieller Weise, daß er, überzeugt von der Gültigkeit seiner Rechte auf die Krone Spaniens, andere Rechte nicht anerkennen könne. Noch hatte er sich nach Italien nicht eingeschifft, als 29. Sept. 1833 Ferdinand VII. starb, worauf die Königin-Regentin ihm von neuem abzureisen befahl. Allein der Infant betrachtete sich nun als rechtmäßigen Herrscher von Spanien und wurde als solcher nicht nur von seiner Partei, die jetzt den Namen der Karlisten erhielt, sondern auch von Dom Miguel in Portugal anerkannt, Rebel ihn die Königin-Regentin 16. Okt. für einen ebellen erklärte. Den Don C. sowohl wie Dom Miguel vom portug. Boden zu vertreiben und in Portugal die Ruhe herzustellen, war der Zweck der Quadrupleallianz wischen Spanien, Portugal England und Frankreich, der erreicht wurde, noch ehe der Vertrag ratifiziert war. Don C. eharrsich 1. Juni 1834 nach England ein, wo er be arrbe5 die Vorschläge der Königin-Regentin auf einen bedeutenden Jahrgehalt zurückwies. Schon 1. Juli verließ er heimlich England und Gavoun verkleidet durch Paris über Bordeaux und Bayonne 10. Juli über die Grenze Spaniens, wo fortan der Bürgerkrieg in den nördl. Provinzen aufwogte und mit abwechselndem Glück geführt wurde, bis sich der selbst ganz unfähige Don C. 1839 genötigt 0 auf franz. Boden eine Zuflucht zu suchen. (S. panien.) Bereits 1834 war der Infant und seine Nachkommenschaft durch fast einstimmigen Beschluß der Proceres sowohl wie der Prokuratoren von der Thronfolge ausgeschlossen und vom span. Boden verbannt worden, welchen Beschluß die konstituierenden Cortes von 1836 bestätigt hatten. Nachdem seine erste Gemahlin 1834 verstorben, vermählte er sich 1838 mit Maria Theresia, Infantin von Portugal (Prinzessin von Beira) und Witwe des Infanten Peter von Spanien, der Mutter des Infanten Sebastian. Infolge von Spaltungen unter der karlistischen Partei entsagte Don C. 18. Mai 1845 seinen Rechten auf den span. Thron zu Gunsten seines ältesten Sohnes und nahm den Iwandte nch v eines Grafen von Molina an. Er wandte sich dann nach Ssterreich, wo er 10. März 1855 zu Triest starb. Sein ältester Sohn, Don Carlos Luis Fernando de Bour bon, Prinz von Asturien, nach der Entsagung des Vaters Graf Montemolin, geb. 31. Jan. 1818 zu Madrid, floh 14. Sept. 1846 mit Cabrera (s. d.) aus Bourges nach England, von wo aus er seine Thronrechte durch Manifeste geltend zu machen suchte. Namentlich gedachten ihm seine Anhänger, die Montemolinisten, durch eine Vermählung mit seiner Cousine, der jungen Königin Isabella II., auf den Thron zu verhelfen. Allein nicht nur das Interesse Ludwig Philipps von Frankreich und die Politik Englands, sondern auch die Abneigung der span. Nation stand einer solchen Vereinigung entgegen. Im April 1849 unternahm der Graf Montemolin den Versuch, insgeheim durch Frankreich nach Spanien zu gehen, ward aber angehalten und nach kurzer Gefangenschaft auf der Citadelle zu Perpignan nach England zurückgebracht. Er vermählte sich 1850 mit der neapolit. Prinzessin Maria Carolina Fernanda, Schwester König Ferdinands II. Während des Kriegs zwischen Spanien und Marokko trat der Prinz mit Ortega, dem Generalkapitän der Balearischen 7 zu einer handete Ortega in Verbindung. Am 3. April 1860 landete Ortega mit 3000 Mann Truppen, die mit den Absichten ihres Führers gänzlich unbekannt waren, bei Tortosa und rief den Grafen Montemolin als Karl VI. von Spanien aus. Das Unternehmen mißlang völlig, und Graf Montemolin selbst, sein jüngster Bruder sowie verschiedene hrend. enossen wurden gefangen genommen. Während Driega den Tod erlitt, erhielten die Gement⸗ nachdem sie 23. April ihren Thronansprüchen entsagt, die Freiheit zurück. Graf Montemolin nahm zwar diese Erklärung als erzwungen zurück, aber sein Ansehen blieb vernichtet. Er zog sich mit seinem Bruder nach Triest zurück, wo beide in wenig glänzenden Verhältnissen lebten. Dieser Bruder, Don Fernando Maria José, der jüngste Sohn Don C.', geb. 19. Okt. 1824, starb am Nervenfieber 2. Jan. 1861 zu Brunsee, einem Schlosse der Herzogin von Berri in Steiermark. Nach einem Besuche, den Graf Montemolin und dessen Gemahlin dem Bruder abgestattet, verfielen auch diese zu Triest derselben Krankheit. Der Prinz starb in der Nacht vom 13. zum 14. Jan., einige Stunden später seine Gemahlin. Die Prätendentschaft auf den span. Thron wurde nun von dem mittlern Sohne des Don C., dem Infanten Don Juan Carlos Maria Isidoro, geb. 15. Mai 1822, aufgenommen, der von London aus seine Rechte in verschiedenen Manifesten geltend zu machen suchte. Derselbe ist seit 6. Febr. 1847 mit der Infantin Maria, Erzherzogin von Ssterreich-Este, vermählt und hat aus dieser Ehe zwei Söhne, den Infanten Carlos (s. d.) und den Infanten Alfons, geb. 12. Sept. 1849, der bis 1870 als Offizier bei den päpstl. Zuaven diente und seit 1871 mit der ältesten Tochter des portug. Usurpators Dom Miguel, Prinzessin Maria das Nieves, vermählt ist. Nachdem der Infant Juan, infolge des Ausbruchs der span. Revolution, auf seine Thronrechte 3. Okt. 1868 zu Gunsten seines ältern Sohnes Carlos verzichtet hatte, trat letzterer unter dem Namen Karl VII. als Kronprätendent auf.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 953Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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