Isabella II. (Maria Luise), ehemalige Königin von Spanien, geb. 10. Okt. 1830, ist die Tochter König Ferdinands VII. und seiner vierten Gemahlin, Maria Christina. Da Ferdinand VII. keinen 67⁸ Isabella I. (Gemahlin Kaiser F. Sohn hatte und zufolge der bestehenden, auf dem Salischen Gesetz beruhenden Thronfolgeordnung nach seinem Tode die Krone seinem Bruder Don Carlos zugefallen wäre, hob er bei der Aussicht auf einen aus seiner vierten Ehe zu erwartenden Leibeserben das Salische Gesetz 29. März 1830 auf, infolge dessen die ihm bald darauf geborene Tochter Thronerbin wurde. Für den Fall seines Todes ernannte Ferdinand VII. durch Testament seine Gemahlin bis zur Volljährigkeit dieser Tochter zur Vormünderin derselben und zur Regentin des Reichs. Dieser Fall trat bereits 29. Sept. 1833 ein, worauf Maria Christina als Königin-Regentin an die Spitze der Regierung trat. Nachdem aber der durch den Prätendenten Don Carlos und dessen Anhänger entzündete Bürgerkrieg durch Esparteros siegreiche Waffen gedämpft war, sah sich die Königin-Regentin genötigt, 12. Okt. 1840 abzudanken und Spanien zu verlassen, worauf Espartero zum Regenten und Vormund der Königin J. erwählt wurde. Doch auch Espartero vermochte nicht seine Stellung bis zum Eintritt der Ph behaupt der jungen Königin (19. Okt. 1844) zu behaupten. Durch ein Bündnis der Progressisten und der Christinischen Partei gestürzt und von General Narvaez aus Madrid verdrängt, schiffte sich Espartero nach England ein, worauf die neuen Cortes J. (S. Nov. 1843) für majorenn erklärten. Die Frage ihrer Verheiratung gab zu einem diplomatischen Zerwürfnis zwischen Frankreich und England Veranlassung. Die Königin J. wurde 10. Okt. 1846 mit ihrem Vetter Franz d'Assis Maria Ferdinand, dem Sohne des Infanten Herat de Paula, vermählt, wobei gleichzeitig die Heirat ihrer einzigen Schwester, der Infantin Luise Fernanda, mit dem Sohne Ludwig Philipps, dem Herzog von Montpensier, abgeschlossen ward. Seit ihrer Selbstregierung suchte J. die Parteien, sowohl die Progressisten als die Karlisten, zu versöhnen. Gutmütig und wohlthätig, wenn auch oft unter dem Einfluß ihrer Umgebungen stehend und sinnlichen Genüssen in hohem Grade hingegeben, genoß sie eine große Popularität, zumal sie längere Zeit an den konstitutionellen Formen festhielt. Am 20. Dez. 1851 gebar sie eine Tochter, die Infantin Maria Isabella Franziska. Als sie sich 2. Dez. 1852 mit ihrem Kinde in die Kirche von Atocha begeben wollte, versuchte ein exaltierter Priester, Martin Mario, einen Mordanfall auf sie, brachte ihr jedoch nur eine leichte Wunde bei. Seit diesem ahsoluni ergab sie sich den Einflüssen der klerikal-absolutistischen Partei, welche die liberale Konstitution mit Vernichtung bedrohte. Es trat infolge dessen die von O'Donnell geleitete Revolution von 1854 ein, welche beinahe den Sturz der Dynastie herbeigeführt hätte. Inmitten der polit. Parteikämpfe schloß sich die Königin immer enger an eine engherzige bigotte Camarilla an und namentlich gestattete sie einer übel beleumundeten Nonne (Patrocinio), ihrem Beichtvater Claret und ihrem Günstling, dem Intendanten Marfori, den größten Einfluß auf Regierungsangelegenheiten. Ihre fernere Regierungszeit, während welcher die reaktionär-absolutistischen Ministerien Narvaez und Gonzalez-Bravo mit der progressistischen Mehrheit der Cortes in Konflikt lagen, ist durch eine Reihe von kleinern Erhebungen, in denen der Unwille des Volks sich kundgab, gekennzeichnet. Endlich machte eine Revolution, zu welcher die verschiedenen liberalen Parteiführer, wie Prim, Serrano, Topete u. a., sich verbunden hatten, im Sept. 1868 ihrer Regierung ein Ende. J. hatte sich neuerdings an Napoleon III. enger angeschlossen und verabredete mit ihm auf den 18. und 19. Sept. 1868 eine Zusammenkunft in den beiden Grenzorten Biarritz und San-Sebastian. Hier sollte ein Vertrag abgeschlossen werden, wo⸗ — J., wenn Napoleon den Krieg mit Deutschlan beginne und zu diesem Zweck seine Truppen aus Rom abberufe, span. Truppen zum Schutz des Papstes dahin absenden solle. J., eben noch von Pius IX. durch Übersendung der „Goldenen Rosey, als Anerkennung ihrer adem Heiligen Stuhl geleisteten Dienste und ihrer großen Tugenden o beehrt, war diesem Projekt sehr zugethan. Aber in dem Moment, wo die franz.⸗span. Allianz abgeschlossen werden sollte und die beiden Majestäten schon auf dem bezeichneten Posten sich befanden, brach der Aufstand in Cadiz 18. Sept. aus und verbreitete sich schnell über ganz Spanien. J. mußte 30. Sept. San-Sebastian verlassen und in das Exil gehen. Sie nahm ihren Aufenthalt zunächst in dem Schlosse Pau, von wo sie einen Protest gegen die Revolution erließ, dann in Paris. Am 25. Juni 1870 dankte sie zu Gunsten ihres Sohnes Alfons ab und kündigte dies den Spaniern in einem Manifest an. Mit ihrem Gemahl schloß sie einen Vertrag, wonach sie für immer getrennt voneinander blieben. Als ihr Sohn Alfons im Dez. 1874 auf den span. Thron berufen wurde, erlaubte er ihr nicht sofort die Rückkehr nach Spanien. Erst 30. Juli 1876 begab sie sich dahin und nahm ihren Aufenthalt in Sevilla, kehrte aber, da sie mit dem Heiratsprojekt ihres Sohnes, der sich mit der Prinzessin Mercedes, Tochter des Herzogs von Montpensier, verlobte, nicht einverstanden war, 1877 nach Paris zurück. Doch kam sie nach einiger Zeit wieder nach Spanien zurück. Kinder J.s sind: Maria Isabella Franziska, geb. 20. Dez. 1851, vermählt 13. Mai 1868 mit dem neapolit. Prinzen Gaetan, Grafen von Girgenti, Witwe seit 26. Nov. 1871; Alfons XII. (s. d.); Maria della Paz, geb. 23. Juni 1862, vermählt 1883 mit dem Prinzen Ludwig Ferdinand von Bayern; Maria Eulalia, geb. 12. Febr. 1864.