Carnot (Lazare Nicolas Marguerite, Graf), einer der bekanntesten und achtungswertesten Charaktere der Französischen Revolution, geb. zu Nolay in Burgund 17. Mai 1753, von bürgerlicher Abkunft, war zu Anfang der Revolution Ingenieurhauptmann. Er wurde 1791 zum Abgeordneten bei der Gesetzgebenden Versammlung ernannt, nahm aber anfangs nur an den Beratungen über militärische Angelegenheiten teil. So wurden auf seinen Vorschlag die zahlreichen adeligen Offiziere, welche emigriert waren, durch Unteroffiziere ersetzt. Als Mitglied des Konvents stimmte er für Ludwigs XVI. Tod. Darauf ward er im März zur Nordarmee gesandt, wo er auf dem Schlachtfelde von Wattignies den feigen General Gratien absetzte, sich selbst an die — 1 des Heers stellte und den Feind zurücktrieb. Bei seiner Rückkehr ward er zum Mitgliede des Wohlfahrtsausschusses gewählt. Fortan leitete er das Kriegswesen und trug dinth seine Anordnungen zu den Siegen der Republik wesentlich bei. Im Wohlfahrtsausschusse suchte er Robespierres Macht zu schwächen. Als trotzdem Legendre nach dem Sturze Robespierres darauf antrug, C. in Anklagezustand zu versetzen, rief eine Stimme aus der Versammlung: Ihr lönnt den Mann nicht verdammen wollen, der den Sieg in unsern Armeen organisiert hatlo, und der Antrag blieb unberücksichtigt. Bei der Errichtung des Direktoriums 1795 wurde C. Mitglied desselben und erhielt einige Zeit bedeutenden Einfluß, zerfiel aber mit Barras, ward am 18. Fructidor (4. Sept. 1797) als Royalist verdächtigt und zur Deportation verurteilt. Er floh nach Deutschland und gab eine eahung der Schändit heraus, die durch die Aufdeckung der Schändlichkeiten seiner Wntriat Kollegen den Sturz derselben am 30. Prairial (18. Juni 1799) beförderte. Nach dem 18. Brumaire wurde C. zurückberufen und im April 1800 zum Kriegsminister ernannt. Zwar gab er diese Stellung bald auf, weil er den ehrgeizigen Plänen Bonapartes widerstrebte, und zog sich in den Schoß seiner Familie zurück, ward jedoch 9. März 1802 zum Tribunat berufen. Die Unbeugsamkeit der Grundsätze, die ihn immer ausgezeichnet, verleugnete er auch hier nicht; er trat mehreremal den Absichten der Regierung entgegen, stimmte gegen das lebenslängliche Konsulat und war der einzige der seine Stimme gegen die Einrichtung der Kaiserwürde erhob. Dennoch blieb er im Tribunat bis zu dessen Aufhebung; dann zog er sich in das Privatleben zurück. Im Jan. 1814 übertrug ihm Napoleon den Oberbefehl in Antwerpen, das er heldenmütig bis ie Kapitulation von Paris verteidigte. Zwar behielt er nach der ersten Restauration seine Titel un Würden, verschmähte aber als ein strenger Republikaner die Gunst des Hofs. Während der Hundert Tage machte ihn Napoleon zum Grafen und Pair des Reichs und drang ihm das Ministerium des Innern auf, das C. mit gewohnter Rechtlichkeit verwaltete. Nach Napoleons zweiter Abdankung trat er in die Provisorische Regierung, wurde aber von den Bourbons durch die Verordnung vom 24. Juli verbannt. Er wandte sich erst nach Warschau, dann nach Magdeburg, wo er 3. Aug. 1823 starb. Ein Denkmal (von Roulleau) wurde ihm 3. ept. 1882 in Nolay errichtet. Unter C.s Schriften sind zu nennen: Essai sur les machines en généralo (Par. 1786), Réflexions sur la métaphysique du calcul infinitésimabo Par. 1797; 4. Aufl. 1860; deutsch von Hauff, rankf. 1800), 4Géométrie de positiono (Par. 1813), De la défense des places forteso (3 Bde., Par. 1809; 3. Aufl., Par. 1812), Exposé de la conduite politique de C. depuis le1“ juillet 1814 (Par. 1815). Auch als Dichter versuchte sich C. nicht ohne Glück, wie sein komisches Heldengedicht Don Quichotter (Lpz. 1821) beweist. Seine Mémoireso gab sein Sohn (2 Bde., Par. 1862—64) Arau, gl. Körte, Das Leben C.So (Lpz. 1820); rago, Biographie de C.v (Par. 18500.