FeedCento (lat.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Cento (lat.), eigentlich ein aus verschiedenartigen Stücken oder Lappen zusammengeflicktes Zeug, wurde auf solche Gedichte übertragen, die aus einzelnen Versen anderer Dichtungen mit verändertem Sinne zusammengeflickt waren. Diese Spielerei fand nach dem Verfalle der echten Poesie bei den Griechen Eingang, wie die von Teucher (Lpz. 1793) herausgegebenen Homerocentoneso, d. h. aus Homerischen Versen zusammengestoppelte Gedichte beweisen. Noch mehr nahm sie überhand in der spätern röm. Zeit, wo vorzugsweise Virgil für diesen Zweck gemißbraucht wurde, wie dies in dem „Cento nuptialiso des Ausonius, ganz besonders aber in dem (Cento Virgilianuso der Proba Faltonia der Fall ist, der am Schluß des 4. Jahrh. verfertigt wurde und die biblische Geschichte zum Gegenstande hat. Letzterer wurde herausgegeben von Meibom (Helmst. 1597) und Kromayer (Halle 1719). Auch aus dem Mittelalter und der neuern Zeit sind zahlreiche Centonen vorhanden. So setzte ein Mönch in Tegernsee, Namens Metellus, im 12. Jahrh. aus Virgil und Horaz geistliche Lieder zusammen und auch später blieb Virgil die Hauptfundgrube für die Verfasser von Centonen. Eine Sammlung von Centonen nach Versen von Petrarca enthält das Werk «Petrarca spiritualen (Vened. 1536). Vgl. Borgen, De centonibus homericis et virgilianiso (Kopenh. 1828); Hasenbalg, De centonibus virgilianisd (Putbus 1846).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 116Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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