Apollonius von Tyrus, der Held eines griech. Romans, welcher im ganzen Mittelalter sehr beliebt war und fast in alle abendländ. Sprachen übersetzt worden ist. In demselben werden die romantischen Schicksale des A., eines syr. Prinzen, erzählt, welche er zu bestehen hatte vor seiner Verheiratung mit der Tochter des Königs Archistrates von Cyrene. Hierzu gesellen sich die Erlebnisse seiner durch Scheintod von ihm getrennten Gattin so- wie die seiner keuschen Tochter Tharsia, die von Seeräubern entführt und an einen Kuppler nach Mitylene verkauft wird. Die Dichtung schließt mit dem gegenseitigen Wiederfinden aller amilienglieder. Das griech. Original, das im 3. Jahrh. n. Chr. entstanden zu sein scheint, ist nicht mehr vorhanden, aber eine sehr alte, wohl aus dem 6. Jahrh. n. Chr. stammende lat. Bearbeitung. Diese ist zuerst um 1471, dann von Welser (Augsb. 1595), zuletzt von Riese (Lpz. 1871) herausgegeben worden. Verwendet ist die Bearbeitung in den „Gesta Romanorumo (s. d.); in Verse umgesetzt findet sich der erste Teil der Dichtung in einer genter Handschrift (herausg. von Dümmler, Berl. 1877), das Ganze aber in dem Pantheono des Gottfried von Viterbo. Aus den lat. Quellen flossen: die Eun. Bearbeitung aus dem 13. Jahrh., gedruckt in San chez' «Coleccion de poesias castellanas o (letzte Ausgabe in der Biblioteca de autores espanolesv, Bd. 57); verschiedene französische in Versen und Prosa (z. B. Par. 1530; eine andere Par. 1710 u. 1797; Rotterd. 1710 u. s. w.); mehrere italienische in Versen (Vened. 1486 u. 1489) und in Prosa (Mail. 1492). Bereits aus dem 11. Jahrh. stammt eine angelsächs. Bearbeitung, welche von Thorpe (Lond. 1834) herausgegeben wurde, aus dem 12. eine altfranzösische, der KJourdain de Blaiveso, Auhordem 0 von Hofmann (Erlangen 1852). ußerdem gibt es viele engl. Bearbeitungen des Stoffs. Shakspeare behandelte diesen Gegenstand in seinem Schauspiel »Perikleso; er schließt sich zunächst an die Darstellung Gowers in der Confessio amantisv an, welcher wiederum aus dem Pantheono des Gottfried von Viterbo s Vollsbi daneben benutzte erschien sch. aber ein engl. Volksbuch. Ein solches erschien schon 1510 auf Grund einer franz. Bearbeitung, dann 1576 und 1607; das holländ. Volksbuch (Delft 1493) beruht auf einer deutschen Bearbeitung. Im Deutschen bearbeitete den Stoff, wahrscheinlich nach den „Gesta Romanorumo, Heinrich von Neustadt (d. h. Wien) um 1300, in einem langen Gedichte, welches J. Strobl (Wien 1875) teilweise herausgegeben hat. Aus späterer Zeit stammt eine Histori des Küniges Appoloniio, welche wahrscheinlich von H. Steinhöwel nach Gottfried von Viterbo übersetzt ist und im 15. Deih. schon öfter Guerst Augsb. 1471) gedruckt wurde; im 17. (Hamb. 1601) erschien eine niederdeutsche Bearbeitung. Neuerdings gab Schröter eine mitteldeutsche Prosaaen Gefen heraus in den WMitteilungen der deutschen Gesellschafto (Bd. 5, Lpz. 1872). Nach den „Gesta Romanorumo und dem Volksbuche «Eine schöne History, vom König Appoloniuso (1556) erzählt Simrock den Stoff in den Quellen des Shakspearer (Bd. 2; 2. Aufl. 1872). Bülow gibt in seinem «Novellenbuch » (Bd. 4) den Roman nach der obenerwähnten lat. Übersetzung. Aus dem Deutschen gingen auch ein dänisches (z. B. Kopenh. 1627, 1731) und ein böhmisches (z. B. Olmütz 1769, Prag 1761) Volksbuch hervor. Eine neugriech. Bearbeitung des lat. Romans in Versen, welche mehrmals zu Venedig gedruckt worden ist, unternahm Gabriel Contianus aus Kreta um 1500; älter ist eine andere, die von Wagner in Mediæval Greek textso (Lond. 1870) herausgegeben wurde. —0