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Bildende KunstBrockhaus 1882

Chautouuab, Mue schwarze Spitzen, s. unter Chantonnay, Marktflecken im franz. Depart. Vendee, Arrondissement Roche-⸗sur-Yon, 31 kmeöstlich von diesem Orte, 3km vom Großen Lay, an der Eisenbahn Tours-Sables d'Olonne, zählt (1876) 1593, als Gemeinde 3508 E., welche in den umliegenden Steinkohlenlagern arbeiten. Hier schlugen im Juli 1793 die Republikaner die Vendeer, dagegen 5. Sept. 1793 die Vendéer den General Le Comte. Chantrenne, franz. Gehöft südöstlich von Verneville, ist geschichtlich bekannt geworden durch die heftigen, sehr verlustreichen Kämpfe, welche 18. Aug. 1870 um dasselbe und in der Nähe seitens des preuß. 9. Armeekorps geliefert worden sind. (S. unter Gravelotte.) Chantrey (Sir Francis), berühmter engl. Bildhauer, geb. zu Jordanthorpe in der Grafschaft Derby 7. April 1781, kam zuerst zu einem Gewürzkrämer in —. dann zum Holzschnitzer und Vergolder Ramsay in die Lehre. Bei diesem blieb er vier —— worauf er nach London ging, um sich seinen nterhalt mit Porträts in Miniatur und Kreide zu verdienen. Im J. 1804 stellte er die Büste seines Oheims Dan. Wale aus. Mehr Ruhm erwarb er sich mit der Büste des Philologen Horne Tooke, und als die Heirat mit der Tochter jenes Oheims, welche * einiges Vermögen zubrachte, ihn in den Stand setzte, ein Haus zu kaufen und eine Werkstatt einzurichten, wurde er bald mit Aufträgen benlusr t. Die Stadt London übertrug ihm nun die arfer di. des Standbildes Georgs III. Dann entwarf er die Zeichnung zu dem Denkmal Nelsons am Seeufer bei Harmouth. Allein die Idee, das Bild desselben, mit dem Sterne auf der linken Brust, der des Nachts erleuchtet werden sollte, als Pharus, 43 m hoch, auf einem weit in die See hinausragenden Damme und auf einem Piedestal von den Vorderteilen der dem Feinde genommenen Schiffe aufzustellen, war zu riesenhaft, als daß sie hätte ausgeführt werden können. Sein gelungenstes Werk ist wohl die Gruppe der schlafenden Kinder in der Kathedrale zu Lichfield. Außerdem arbeitete er noch eine andere (sitzende) Idealfigur, die Resignation vorstellend. Im übrigen war sein Meißel der Porträtstatue und Büste, dann auch den Grabmonumenten gewidmet. Die Reiterstatue Georgs IV. in Bronze, die auf dem Trafalgarplatz in London aufgestellt ist, bewies jedoch, daß er keine Pferde darzustellen verstand, welcher Tadel auch sein letztes Werk, die kolossale Reiterstatue des Hersem von Wellington, trifft, die überhaupt nicht zu einen glücklichsten Schöpfungen gehört und nur im Modell von ihm beendet wurde. Die Statue wurde nach C.s Tode, der 25. Nov. 1841 erfolgte, von Weeks ausgeführt und 1844 enthüllt. Seit 1816 war C. Mitglied der londoner Akademies owie derjenigen von Rom und Florenz; 1835 erhielt er die itterwürde. Cos Verdienst als Porträtbildner ist bedeutend; das Talent, zu individualisieren besaß er hohem Grade. Vgl. Jones, Sir Francis 6. recollections of his life, practice and opinionsv (Lond. 1849); Holland, Memorials of C. „ (Lond. 1851). Chanuka (Weihe) ist der Name des Festes, welches nach 1 Malkkab. 4, 59 zur Erinnerung an die 164 v. Chr. stattgehabte Wiedereinweihung des jerusalemischen Tempels durch Juda Makkabäus, nachdem er von den Syrern entweiht worden, acht Tage lang vom 25. Kislar (Dez.) an noch jetzt bei den Juden gefeiert wird. Das denkwürdige Ereignis, an welches auch 2 Makkab. 1, 1—18 erinnert wird, wurde zunächst durch Anzünden von Lichtern im Tempel gefeiert, daher das Fest bei Josephus das Lichterfest heißt. Auf Grund einer spätern, im Megillat Taanik und im Talmud mitgeteilten Sage, daß man bei der Restauration des Tempels nur noch ein von den Syrern nicht entweihtes Olkrüglein gefunden, dessen Inhalt wunderbarerweise acht Tage lang reichte, feiern die Juden jetzt das C., indem sie am ersten Abend ein Licht und an jedem folgenden eins mehr, bis zu acht anzünden. Einzelne für das Fest bestimmte liturgische Stücke haben auch Reminiscenzen an die Geschichte der Judith aufgenommen. Chanykow (Nikolas von), russ. Orientalist und Reisender, geb. 24. Okt. 1819 im Gouvernement Kaluga, wurde erzogen im Lyceum von Zarskoje-Selo. Er nahm 1839—40 an dem Zug Perowskys nach Chiwa teil, bereiste 1841—42 die centralasiat. Steppen, war dann beim russ. Konsulat in Persien angestellt, das er nach verschiedenen Richtungen durchforschte. Er starb 15. Dez. 1878 in Rambouillet bei Paris. Er veröffentlichte 1843 in russ. Sprache eine Beschreibung des Chanats Bokhara (englisch von De Bode 1815), ferner: Mémoire sur la partie méridionale de LAsie centrale v (1861), Etude sur binstruction publique en Russiev (1865), Mémoire sur PEthnographie du Chanzy (Antoine Eugene Alfred), franz. General und Biplomat, geb. 18. März 1823 zu Nouart im Depart. Ardennen, trat 1841 in die Militärschule von St.Cyr und diente dann in Afrika. Nachdem er 1859 am ital. Feldzuge teilgenommen und wegen seiner Thätigkeit in der Schlacht von Solferino zum Oberstlieutenant befördert worden war, kehrte er wieder nach Afrika zurück, wurde 1864 Oberst und 1868 Brigadegeneral. Im Deutschermißt, sind unter K aufzusuchen. % ösischen Kriege von 1870 erhielt er erst im tober von Gambetta das Kommando einer Division und wurde 5. Dez. zum Oberbefehlshaber der Zweiten Loirearmee ernannt. Als solcher faßte er den Plan, das cernierte Paris zu entsetzen, focht 9. Nov. bei Coulmiers glücklich, wurde aber 2. Dez. bei Loigny, 7. bis 10. bei Beaugency, 15. Dez. bei Vendöme und entscheidend 10. bis 12. Jan. 1871 bei Le Mans — 9—3 Sein Heer suchte sich in eiliger Flucht auf zwei verschiedenen Straßen zu retten, und zwar nördlich nach Alengon und Marcon und westlich auf Laval, hart verfolgt durch die Generale Schmidt und Ranzau. Erst bei Rennes an der Sarthe, im Depart. Mayenne, fanden die Trümmer des geschlagenen Heeres einige Ruhe. Nur der bald folgende Alation von Pa Waffenstillstand, welchen die Kapitulation von Paris herbeiführte, schuf die Möglichkeit, dies aufgelöste Heer wenigstens etwas wieder zu ordnen. C. verlegte sein Hauptquartier nach Poitiers und wurde bald danach von der daanf 201 Regierung nach Paris zur Teilnahme an den auf Abschluß eines Präliminarfriedens abzielenden Vorberatungen geladen. Zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt, siedelte er mit derselben Anfang März nach Renboltd über und geriet 20. d. M. in die Gefangenschaft der Aufständischen in Paris, wurde jedoch 26. März seiner Haft —— und r. nach Versailles zurück, um seinen Platz in der Nationalversammlung wieder einzunehmen. C. war entschieden derjenige franz. Heerfhrer, welcher verhältnismäßig die günstigsten Waffenerfolge während des letzten Kriegs mit n Truppen erreichte; er legte große Zähigkeit an den Tag, vereinigte Vorsicht mit Unternehmungslust, bewies richtiges militärisches Urteil und gediegene Erfahrung. Er veröffentlichte ein im ganzen maßvoll geschriebenes Werk über seine Kriegsthätigkeit: La deuxième armée de la Loires (Par. 1871 deutsch von Busse, Hannov. 1873). Von deutscher Seite enthalten einige, zuerst in den Jahrbüchern für die deutsche Armee und Mariney veröffentlichte, von dem preuß. Generalstabs-Hauptmann Freiherrn von der Goltz auf Grund der Operationsakten des Oberkommandos der Zweiten Armee bearbeiteten Monographien das beste Material für eingehendes Studium der Operationen gegen die franz. Westarmee unter C. Über die Thätigkeit der Armee-Abteilung des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin erschien eine selbständige Darstellung. C. gehört der republikanischen Partei an und besaß früher das unbedingte Vertrauen Gambettas. Er wurde im Juni 1873 zum kommandierenden General des 19. Armeekorps ernannt und mit dem Generalgouvernement in Algerien betraut, eine Pluszeichnung zu welcher seine anerkannte Tüchtigkeit für die Verwaltung wohl ebenso viel beigetra⸗ — hat als seine Popularität und polit. Parteitellung, welche seine Verwendung außerhalb des eigentlichen Frankreich der damaligen Regierung wünschenswert erscheinen ließen. Bei der Präsidentenwahl erhielt C. im Jan. 1879 ohne sein Wissen und Wollen 99 Stimmen, was den Präsidenten Grevy veranlaßte, ihn 13. Febr. 1880 der Stellung in Algerien zu entheben und weiter von Frankreich zu entfernen. C. ging als Botschafter nach Petersburg, legte diese Stellung jedoch nieder, als Gambetta 1881 an die Spitze des Ministeriums berufen wurde, und kehrte nach Frankreich zurück. Im J. 1882 wurde C. wieder in die altive Generalität einrangiert und zum aus Lande des Oberkriegsrats der Armee sowie der franz.Landesverteidigungskommission ernannt. Er gilt für denjenigen General, der die meiste Anwartschaft besitzt, im Falle eines roßen Kriegs mit dem Oberbefehl über die Heere Frankreichs betraut zu werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 183Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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