FeedChelmsford (Frederick Thesiger, Lord)
GeschichteBrockhaus 1882

Chelmsford (Frederick Thesiger, Lord), engl. Jurist und Staatsmann, war der Sohn Charles Thesigers, Pflanzers und Zolleinnehmers auf der H½0 St.⸗Vincent, und wurde 15. Juli 1794 in ondon geboren. Dem Beispiele eines Onkels, Sir Frederick Thesigers, folgend, trat er in die Kriegsflotte und war als Midshipman zugegen bei dem Bombardement von Kopenhagen im J. 1807, sowie bei zahlreichen andern Seegefechten während der großen Kriege gegen Frankreich. Infolge der Zerstörung seiner väterlichen Besitzungen durch den vulkanischen Ausbruch des Mont-Souffrier, vertauschte er nach dem Frieden den Seedienst mit der urisprudenz und wurde 1828 an die Barre von Gray's Inn in London berufen. Nach einer sehr erfolgreichen advokatorischen Laufbahn 1834 zum King's Counsel befördert, erlangte er 1840 einen Parlamentssitz als konservativer Vertreter von Woodstock und wurde 1844, nachdem er von neuem mißt, sind unter K aufzusuchen. für Abingdon gewählt war, von Sir Robert Peel hUn zum Solicitor-General, 1845 zum Attorney-Gene-2 ral ernannt. Protektionistisch und hoch konservativ, f trennte C. sich jedoch von Peel, als dieser die Kornzölle aufhob, und machte sich bei den Debatten über 7 die Judenemancipation unter den heftigsten Geg-d nern dieser Maßregel bemerkbar. Bei der Bildung l von Lord Derbys erstem Ministerium im J. 1852 l erlangte er von neuem den Posten des Attorney-General, in dem zweiten Ministerium Derby 1858 f endlich die Lord-Kanzlerwürde, worauf er seinen frühern Namen mit dem eines Lord C. vertauschte. Seine Amtsdauer war kurz, da das Ministerium ! schon im Juni 1859 gestürzt wurde; aber er kehrte noch einmal auf den Wollsack zurück während des dritten Ministeriums Derby im J. 1866. Bei der Bildung des Ministeriums Disraeli im Frühjahr 1868 legte er indes sein Amt nieder und zog sich ins Privatleben zurück. Er starb in London 5. Okt. 1878. Als zweiter Lord C. folgte ihm sein Sohn Frederick Augustus, geb. 31. Mai 1827. Dieser trat in die Armee, diente mit Auszeichnung in Indien, stieg rasch zum Generalmajor auf und wurde 1878 zum Oberbefehlshaber der engl. Truppen in Südafrika ernannt. Hier erlitt beim Ausbruch des Kriegs gegen die Zulus ein Teil seiner Streitkräfte 22. Jan. 1879 die vernichtende Niederlage bei Isandlahna; auch hatte er das Mißgeschick, daß während seines Kommandos Prinz Louis Napoleon das Leben verlor. Überhaupt schien er, obgleich ein tüchtiger Divisionsgeneral, so wenig zum Oberbefehlshaber und zur Fuhrung eines Kriegs geeignet, daß bald nach dem Kampfe von Isandlahna Sir Garnet Wolseley von England geschickt wurde, um ihn im Kommando abzulösen. Doch gelang es Lord C., noch ehe der Kommandowechsel erfolgte, die Zulus am 4. Juli bei Ulundi entscheidend zu schlagen, eine Wendung, welche das Ende des Kriegs herbeiführte. Nach seiner Rückkehr nach England versuchte Lord C. sowohl im Hause der Lords als in der Presse n Autane eine Verteidigung seines Verfahrens beim Anfang des Zulukriegs, ohne indes das durch die Ereignisse begründete Urteil wesentlich zu erschüttern.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 222Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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