FeedChenille
TechnikBrockhaus 1882

Chenille (vom frz. chenille, d. i. Raupe), ein seiner haarigen Beschaffenheit wegen so benanntes Fabrikat, welches, früher als Putzartikel sehr beliebt, in der neuesten Zeit jedoch mehr und mehr außer Gebrauch gekommen ist. — Die Herstellung der C., welche noch in . den vierziger Pildete einen selbständigen 5 Fabrikbetrieb bildete, beginnt mit dem Weben eines 8—15 em breiten taftartigen Bandes, in dessen Kette vier bis sechs einfache Seidenfäden mit zwei bis zwölf Leinenzwirnfäden abwechseln, während der Einschlag Ra aus mehrfädiger Seide besteht. Nachdem das Band mittels einer Schere oder auch einer mechan. Vorrichtung (s. Chenilleschneidemaschine) der Länge nach mitten zwischen den Zwirnfäden hindurch in Streifen zerschnitten ist, werden die an beiden Rändern liegenden Zwirnfäden Icmnlen al und es wird jedes dieser schmalen ausgefaserten Bändchen auf einem Drehrade schraubenförmig um sich selbst gewunden, wodurch es die Form einer rings mit feinen Härchen besetzten Schnur annimmt und so im Aussehen einer behaarten Raupe ähnlich wird. Nach einem andern Verfahren wird das Band ohne Zwirnfäden hergestellt, indem der sonst von diesen eingenommene Raum beim Einziehen der Kette auf dem Webstuhle leer bleibt. Als wohlfeiler Ersatz der echten C. wird öfters das Chenillengewebe mit baumwollener Kette oder selbst ganz aus Baumwolle hergestellt, doch vermögen selbstverständlich derartige Fabrikate die Schönheit der seidenen C. nicht zu erreichen. Auch sind für diesen Fabrikationszweig besondere Maschinen konstruiert worden, mit deren Hilfe das eigentliche Weben umgangen und das Fabrikat aus nur zwei Seiden-oder Baumwollfäden und einem in dichten Schraubenwindungen dazwischengelegten Seidenfaden gebildet wird, wonach dieser sofort durchschnitten und das Ganze gedreht wird. C. wird zu allerlei Besatz, dordew Bändern, einer Art Spitzen (Chenilleborden), Haarnetzen, Stickereien u. s. w., ferner zu Galanteriearbeiten, zum Broschieren von Atlas, sowie als Einschlag für abgepaßte Gewebe (Chenillestoffe), Schärpen, Shawls u. s. w., auch zur Erzeugung farbiger Muster, ja selbst zum Weben ganzer Tücher verwendet, welche Stoffe den Eindruck beidrechter Samtgewebe machen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 237Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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