FeedChesney (Francis Rawdon)
GeschichteBrockhaus 1882

Chesney (Francis Rawdon), engl. General und Reisender, geb. 1789 zu Ballyrea in Irland, besuchte die Artillerieakademie zu Woolwich, kämpfte in den großen Kriegen jener Zeit und avancierte 1815 zum Hauptmann. Nachdem er einen längern Urlaub erhalten, besuchte er 1827 die Schlachtfelder lund Fr d. Gr. und Napoleons I. in Deutschand, Frankreich und Italien. Bald nach dem Ausbruch des russ.⸗türk. Kriegs von 1828 —29 ging er nach Konstantinopel, um der türk. Regierung seine Dienste anzubieten, kam jedoch zu spät, da der Friede von Adrianopel dem Kriege unerwartet rasch ein Ende machte. Die Ereignisse dieser Jahre hatten indes die Frage einer direktern Verbindung zwischen England und Indien angeregt, und C. bereiste von Konstantinopel aus Kleinasien, Griechenland und Agypten, um an Ort und Stelle Thatsachen in Bezug auf die Bedingungen der Ausführbarkeit eines solchen Unternehmens zu sammeln. Während der J. 1831—32 ergänzte er diese Untersuchungen durch Forschungen in dem Stromgebiet des Cuphrat, den er von Annah bis zum Persischen Meerbusen befuhr. Nach England zurückgekehrt, legte C. der engl. Regierung seinen Report on the navigation of the Euphrates o (Lond. 1833) vor. Infolge davon wurden ihm 1834 zwei Dampfschiffe und ein Ingenieurkorps zur Verfügung gestellt, mit dem er 1835—37 den ganzen Lauf des Euphrat, von der Quelle bis zur Mündung erforschte. Sein Bericht über diese Expedition, der erst 13 Jahre später unter dem Titel The expedition for the survey of the rivers Euphrates and Tigris in 1835—37v (2 Bde., Lond. 1850; neue Ausg., Lond. 1868) veröffentlicht wurde, lautete günstig, doch geschah nichts, demselben praktischen Nachdruck zu geben, da die Eröffnung der sog. Überland-Route durch Agypten den Zweck einer nähern Verbindung zwischen England und Indien wesentlich erfüllte. C. trat nun wieder in den aktiven Militärdienst, diente in Indien, wo er zum Oberst aufrückte, und befehligte 1843—47 als Brigadegeneral die Artillerie in China. Nach seiner Rückkehr nach Europa erschienen von ihm «&Observations on the reconstruction of the Royal Regiment of Artilleryo (Lond. 1849) und bei Gelegenheit des Krimkriegs «The Russo-Turkish campaigns of 1828—29, with a view of the present state of affairs in the Easto (3. Aufl., Lond. 1854). Er bereiste 1856 im Auftrage Lord Palmerstons noch einmal das Euphratthal, um über den beabsichtigten, aber nicht ausgeführten Bau einer Eisenbahn durch dasselbe sein Gutachten abzugeben. Seine Ansichten über das bald darauf erörterte und gelöste Problem einer telegr. Verbindung mit Indien teilte C. in der Schrift Telegraphic communication with India o (Lond. 1859) mit. Er starb 30. Jan. 1872. Charles C., Sohn des vorigen, engl. Brevet-Colonel und Kommandeur der Genietruppen im Mutterlande, bedeutender Militärschriftsteller, trat 1845 in das brit. Ingenieurkorps und wurde Lehrer der Kriegsgeschichte an der Generalstabsschule. Seine unter dem Titel Waterloo Lecturess 1870 erschienenen Vorlesungen erregten großes Aufsehen, da sie die Entscheidung der Schlacht von Waterloo dem Eingreifen des Blücherschen Heeres beimessen, entgegen der bisher in England allgemein herrschenden Meinung. Seine in «Modern military biographys veröffentlichten Essays enthalten eine Reihe geistreicher und gründlicher Arbeiten, unter andern über die Tai-ping-Revolution in China.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 246Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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