Chinabaum, Chinarindenbaum. Die Fieber⸗, Peruvianische oder Chinarinde (Cortex Chinae, cortex peruvianus) kommt von verschiedenen Bäumen der im äquatorialen Südamerika heimischen Gattung Cinchona, welcher Name ihr von Linné zur Erinnerung an die Gemahlin eines Vizekönigs von Peru, Grafen von Chinchon, deren Heilung von einem bösartigen Wechselfieber durch die Rinde diese zuerst berühmt gemacht hatte, gegeben wurde. Die Gattung Cinchona gehört in die Familie der Rubiaceen, wo sie mit andern ihr verwandten eine eigene Abteilung, die Cinchoneen, bildet. Ihre Arten sind stattliche, bisweilen riesige Bäume, manche jedoch auch Sträu-Dele sämtlich aber mit prachtvoller immergrüner Belaubung. Sie haben gegenständige, ganze und ganzrandige Blätter, gestielte, meist in zusammengesetzte, gabelteilige Trugdolden gruppierte Blüten mit unterständigem fünfspaltigen Kelche, trichterförmiger, fünfteiliger, an den Lappen bärtig behaarter Blumenkrone und zweifächerige, mit zahlreichen geflügelten Samen gefüllte Kapseln. Sie wachsen in den ungeheuern Waldungen, welche die Abhänge der Andeskette bedecken, vom westl. Venezuela bis zum nördl. Bolivia, oder zwischen dem 10. nördl. und dem 19. südl. Br., woselbst sie zwischen 1200 und 3200 m Höhe teils vereinzelt, teils forst⸗ und bestandweise auftreten und einen sehr charakteristischen Bestandteil in der Vegetation jenes weiten Bezirks bilden, weshalb A. von Humboldt denselben das Reich der Cinchoneen genannt hat. Die Kenntnis von diesen Bäumen ist noch sehr mangelhaft; nur von wenigen der zahlreichen in den Handel kommenden Rindensorten weiß man, von welcher Cinchonaart sie abstammen. Das Sammeln der Rinden ist mit großen Schwierigkeiten verbunden und wird von eigenen, darin geübten und von Kindheit auf daran gewöhnten Leuten betrieben, welche Cascarilleros, d. h. Rindensammler, heißen, ein Name, der auch den mit Chinarinden handelnden Personen gegeben zu werden pflegt. In Columbia sammelt man die Rinden Würß in Peru und Bolivia nur in der trockenen ahreszeit. Man fällt die Bäume dicht an der urzel, zieht die Rinde in Streifen ab und trocknet sie an der Sonne oder über Feuer in eigens dazu konstruierten Schuppen. Die abgeschälten dünnen Rinden rollen sich an der Sonne zusammen; die dickern werden nur kurze Zeit der Sonne ausgesetzt‚ dann flach ausgebreitet, in Haufen kreuzweise übereinander geschichtet und mit Steinen beschwert. Ein Baum von 20m Höhe und 1,2 m Durchmesser liefert etwa 10 Ctr. trockene Rinde. In den Städten werden die getrockneten Rinden sortiert, verpackt und dann nach den Hafenplätzen versendet. Man verpackt sie in Massen von etwa 150 Pfd. in Säcken von Wollzeug oder Wachstuch, in Kisten, Trommeln oder «Seroneno von Büffelfellen, die mit der Haarseite nach innen gekehrt sind. In neuerer Zeit hat man das schädliche Gewinnungsverfahren der iinde, nämlich die Fällung der Bäume, durch rationell betriebene Abrindung der Bäume ersetzt und den C. mit Erfolg in Ostindien, auf Ceylon, Java, Borneo, in Neusüdwales, Algerien angepflanzt. Unter den überaus zahlreichen, mit den verschiedensten Namen belegten Sorten von Chinarinde, welche in den Handel gelangt, unterscheidet man in Deutschland pharmakognostisch drei Hauptsorten: braune (cortex Chinae fuscus), gelbe (cort. Ch. flavus) und rote (cort. Ch. ruber). Die wichtigsten Sorten der braunen China, welche in federkiel⸗ bis fingerdicken Röhren von graubrauner, runzeliger, längs- und querrissiger Außenfläche in den Handel kommt, aus Rinden jüngerer Bäume oder Aste besteht und immer viel Cinchonin enthält, sind: die Huanoco-China von C. micrantha Ee. Pav., subcordata, suberosa und umbellulifera Pav.; die Loxa-China von C. Condaminea Lmd., macrocalyx, conglomerata, heterophylla, microphylla Pav. und vielen andern; die blasse Jaän- oder Ten-China von C. viridiflora Pav u. a. Zur gelben China gehört die berühmteste Sorte, die Königs-China (cort. Ch. regius), welche aus Röhren, mit spröder, dunkelfarbiger, tiefrissiger Borke oder aus flachen, zimmtfarbenen, von der Borke befreiten Rindenstücken besteht und besonders reich an Chinin ist. Sie kommt unter üinn von Sorten vor, von denen die Calisaya-China von C. Calisaya Pedd. in Südperu und Bolivia für die beste gilt. Außer der Königschina gehören zu der gelben die Cusco-China von C. pubescens Wedd., die gelbe faserige oder Bogota-China, auch Pitaya⸗ China genannt, von C. lancifolia Mut. und C. Pitayensis Wedd. in Columbia u. a. m. Die roten Chinarinden, welche aus Rinden von stärkern Stämmen und Asten bestehen, eine vorherrschend rotbraune Farbe und einen sehr bittern und herben Geschmack besitzen, auch mehr Chinin als Cinchonin enthalten, stammen zum Teil von C. succirubra Pav. Die chem. Untersuchung hat in den Chinarinden verschiedene Alkaloide, China-Alkaloide oder Chinabasen (s. d.), nachgewiesen, die alle mehr oder wenigerfiebervertreibend wirken. Außerdem hat man in den Chinarinden drei Säuren aufgefunden: die Chinasäure, in den Rinden mit den Basen oder mit Kalk verbunden, krystallisiert in kleinen, rhombischen Prismen und besitzt einen stark sauern Geschmack ohne alle Bitterkeit; sie bedingt die saure Reaktion der Auszüge, ihre Menge beträgt 5—9 Proz.; sie findet sich jedoch nicht nur in der Chinamißt, sind unter K aufzusuchen. rinde, sondern auch im Kaffee, in Eriken und Aquifoliaceen; die Chinagerbsäure, in reinem Zustande eine hellgelbe Masse, welche sich im Wasser u einer hellgelben, zusammenziehend schmeckenden Flüssigkeit auflöst, die an der Luft Sauerstoff absorbiert und endlich beim Verdunsten in der Wärme eine unlösliche, chokoladenbraune Substanz absetzt, das Chinarot, von dem die Rinden 2½ Proz. und mehr enthalten; die Chinovasäure (Chinovabitter, Chinovin), im trockenen Zustande eine gummiartige, beim Zerreiben ein weißes Pulver gebende Masse, welche intensiv bitter schmeckt nur schwach-saure Eigenschaften besitzt und na einigen mit der Chiococcasäure (s. Chiococca) identisch sein soll. Die Anwendung der 160l als Heil⸗, besonders kalts uralt, denn Mittel ist in Südamerika jedenalls uralt, denn Quina oder Ghina bedeutete in der Sprache der Inkas eine Benemung Aumn. Quina-Quina (woher die franz. Benennung Quinquina) eine besonders heilkräftige Rinde. In Europa, und zwar in Spanien, wurde sie erst nach der Heilung der Gräfin von Chinchon 1639 bekannt, und zwar unter dem Namen Gräfinpulver (Pulvis comitissae). Später ward das Rindenpulver, welches man anfänglich allein anwendete, Jesuitenpulver genannt, weil die Jesuiten es zuerst urch Spanien gebracht hatten, und, nachdem es dure den Kardinal Juan de Lugo nach Rom gekommen war, Kardinalpulöver. In England wurde die China 1671 durch einen gewissen Talbot eingeführt, welcher sie an Ludwig XIV. als Geheimmittel verkauft haben soll. Die Chinarinden, als Arznei betrachtet, sind das kräftigste von allen gewürzhaftbittern und zusammenziehenden, sog. tonischen Mitteln. Die zusammenziehende und fäulniswidrige Wirkung beruht auf ihrem Gehalt an Chinagerbsäure, während ihre spezifisch fiebervertreibende Kraft, welche sie gegen Wechselfieber und andere Fieber zeigt, sowie zum Teil ihre stärkende Eigenschaft, derentwegen sie bei durch Krankheit, namentlich infolge von Blut⸗ und Säfteverlust (3. B. Tyhus), Blutarmut und Bleichsucht entkräfteten Peronen mit oft so großem Erfolge angewendet wird,, den Chinabasen zukommt. Eine üble Nebeneigenschaft dieses kräftigen Heilmittels ist, daß es bei fortgesetztem Gebrauch die Verdauung stört und Übelkeit und Magendrücken veranlaßt. Jedoch bewirken dies die Alkaloide weniger als die Rinde in Substanz. Deshalb war die Entdeckung des heilkräftigsten Alkaloids, des Chinins (s. d.),für Fälle, wo die Rinde in Substanz in großen Gaben gegeben werden mußte (bei allen Wechselfiebern), von r die Chinn Hei Wichtigkeit. Außerlich wurde prand ie China bei bösartigen Geschwüren, bei randigen Wunden u. s. w. vielfach angewendet. Auch bereitet man aus der Chinarinde verschiedene Extrakte, Essenzen, Tinkturen u. s. w. Zu den Surrogaten der Chinarinde, die sich indessen in den meisten Fällen nicht bewährt haben, gehören in erster Reihe: die unechten Chinarinden, welche der Mehrzahl nach von verschiedenen tro. pischen Bäumen aus der Familie der Rubiaceer abstammen, z. B. die Para-China von einer in Brasilien wachsenden Ladenbergia, die Chine alba granatensis von Ladenbergia macrocarpe Klotsch., die China nova von Ladenbergia ob. longifolia Karst., die China rubra brasiliensi. von Ladenbergia Riedeliana KI., die China cari baea oder jamaicensis von Exostemma caribaeum I, die China St.-Luciae von ExXostemma floribundum N auf den Antillen u. a. m. Alle diese unechten Chinarinden ermangeln der in den echten vorkommenden Basen, haben meist einen stärkern, widerlich bittern und kaum gewürzhaften Geschmack und vermögen die echte Chinarinde ebenso wenig zu ersetzen als mehrere andere, besonders während der Napoleonischen Kontinentalsperre empfohlene Surrogate, wie z. B. die Weiden⸗, Kastanien⸗, Eichenrinde und deren charakteristische Bestandteile (Salicin, Querein u. s. w.). Gleiches gilt von den als Surrogat für das Chinin vorgeschlagenen Alkaloiden, nämlich dem Ilicin, Phloridzin, Aricin, Buchsin u. a. m. Vgl. J. Wiesner, «Die Rohstoffe des Pflanzenreichsv (Lpz. 1873).