FeedChronoskop
TechnikBrockhaus 1882

Chronoskop und Chronograph nennt man Instrumente, welche zur Messung sehr kleiner Zeiträume dienen, in welchen eine mit dem 7— nicht festzuhaltende Erscheinung vor sich geht, z. B. derjenigen Zeit, welche eine Geschütz- oder Gewehrkugel zum Durchlaufen einer gewissen Strecke (von 25—50 m Länge) gebraucht. Gewöhnlich ist dabei Elektricität oder Elektromagnetismus in Anwendung gebracht. Eins der ersten Instrumente dieser Art war dasjenige von Wheatstone (1845), welches jedoch erst von Hipp brauchbar gemacht wurde (1848). Es besteht aus einem Uhrwerk, welches Tausendstel einer Sekunde angibt, indem der eine Laler vor einem Zifferblotte, welches in 100 Teile geteilt ist, in einer Sekunde zehnmal umläuft. Es ist nur die Vorrichtung getroffen, daß dieser Zeiger zu Anfang der zu messenden Zeit in das Gangwerk eingeschaltet und zu Ende der Zeit wieder ausgeschaltet wird, sodaß man nachträglich die Zahl der durchlaufenen Teile ablesen kann. Dieser Lauf des Zeigers wird dadurch bewirkt, daß beim Austritt der Kugel aus dem Laufe die Leitung eines galvanischen Stroms, welcher einen Elektromagnet erzeugt, durch Zerreißen eines Drahtes unterbrochen wird. Hierdurch verliert der Elektromagnet die Kraft einen Anker anzuziehen. Sobald dies der Fall ist, kann auch der Anker jenen Zeiger nicht mehr hemmen, Iinder Ankun in Umlauf gerät. Sobald jedoch, bei der Ankunft der Kugel an die Scheibe, durch den auf die Scheibe ausgeübten ck ein neuer metallischer Kontakt hergestellt und dadurch der Strom wieder geschlossen wird, entsteht wieder jener Elektromagnet, welcher den Zei⸗ * durch Anziehung des Ankers abermals hemmt. ei andern Instrumenten werden (nach einem von Laulin [1804] zuerst angegebenen und von Contantinoff 11843] elektrisch verwerteten Prinzip) auf einer sich schnell bewegenden Platte oder auf einem sich schnell drehenden Cylinder Marken gemacht, was durch überspringen von elektrischen Funken oder durch momentanes Andrücken einer elektromagnetisch beherrschten Spitze geschehen kann; aus dem Abstande der Marken wird dann die Zeit bestimmt. Hierzu muß man die gleichförmige Geschwindigkeit der Platte oder des Cylinders kennen, oder man läßt auch eine schwingende Stimmgabel während der ganzen zu messenden Zeit eine wellenförmige Spur auf der Platte oder dem Cylinder beschreiben, sodaß man nur die Anzahl der zwischen den Marken befindlichen Wellen abzulesen braucht. Die zeitmessende Strecke kann auch zwischen elektromagnetisch gegebenen Marken an einem fallenden Pendel (Navez 1852) oder an einem fallenden Stabe (Leboulengé 1864) liegen. Der Chronograph von Leboulengé wird jetzt zur Messung von Geschoßgeschwindigkeiten allgemein gebraucht. Der Fallraum, welchen der fallende Stab in der Zeit beschreibt, in der das Geschoß die zu Grunde gelegte Weglänge (50 m) zurücklegt, wird mit Hilfe des Elektromagnetismus bestimmt und daraus die Fallzeit entnommen, welche selber wieder mit der Flugzeit des Geschosses übereinstimmt. Die Genauigkeit der Bestimmung ist außerordentlich.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 377Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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