Cinecinnati, eine der bedeutendsten und schönsten Städte der Nordamerikanischen Union im Staate und am Flusse Ohio im County Hamilton unter 39 6 nördl. Br., bei den Amerikanern edie Königin des Westensy und weniger hochtönend wegen seiner großen Schweineschlächtereien früher auch Porkopoliso genannt. Der Gründer war ein Richter Symmes, der 1787 eine Strecke Landes an der damals bloß von Indianern bewohnten Stätte kaufte, im Jahre darauf die ersten Niederlassungen auf demselben begründete und sie nach dem am Ende des Revolutionskriegs von Offizieren gestifteten Orden der Cincinnati C. nannte. Am Ende des 18. Jahrh. hatte C. erst 750, 1810: 2540, 1820: 9602, 1830: 24851, 1840: 46 338, 1850:115 436, 1860: 161 044, 1870: 216 239 und 1880: 255 139 E., davon 183 480 Inländer und 71 659 Ausländer. Bis etwa 1860 war C. die größte Stadt und der bedeutendste Handelsplatz des ganzen Westens. Von da ab ist es allerdings von Chicago und St.Louis überholt worden, weil damals das westlich des Mississippi gelegene Gebiet mächtig in die Kulturentwickelung des Landes eintrat. Nichtsdestoweniger ist C.s Bedeutung für das Ohio- und Mississippithal eine große. Es ist seiner Einwohnerzahl nach die achtdunse Stadt in den Vereinigten Staaten. Seine age ist außerordentlich schön. Die das Ufer des Ohioflusses begleitenden Hügel ziehen sich in einem Halbkreise zurück, und in der dadurch entstehenden Thalschlucht breitet sich die Stadt aus, rings von bewaldeten und rebenbepflanzten Höhen umschlossen. Unter den Einwohnern sind fast ein Viertel geborene Deutsche; aus Handwerkern, Kaufleuten und Fabrikanten bestehend, haben sie wesentlich zu dem raschen Aufblühen der Stadt beigetragen und wohnen hauptsächlich nördlich vom Miamikanal «überm Rheine, wo sich auch die größten Bierbrauereien befinden. Die Verkehrsmittel C.s sind sehr bedeutend. Seine Flußdampfschiffahrt wird nur von der von St.⸗Louis übertroffen. Sie erstreckt sich vorzugsweise auf Pittsburgh, Louisville, St.-Louis und Neuorleans; 1879 langten 3163 Dampfschiffe in C. an und 3167 gingen ab. Jedoch ist die Flußdampfschiffahrt in der neuesten Zeit etwas zurückgegangen, da hier wie überall in den Vereinigten Staaten die steigende Entwickelung der (Eisenbahnen den Handel und Verkehr an sich reißen. stellte sich die Ankunftszahl von Dampfern in C. im J. 1850 auf 3653, die Abgangszahl auf 3586, 1860 auf 2985, resp. 2875, 1870 auf 2712, resp. 2726. Mitten in die Stadt hinein zieht sich der Miamikanal, dessen Anlage 7454727 Doll. gekostet hat und der, in C. beginnend, nach einer Längenerstreckung von 465 km bei Toledo sich in den Eriesee ergießt. Dreizehn Haupteisenbahnen verbinden C. mit dem Osten, Westen, Süden und Norden des Staats vermöge ihrer Verzweigung, und in 28 Stunden gelangt man von C. nach Neuyork. Täglich kommen und gehen etwa 125 Passagier- und 150 Frachtzüge. rmißt, sind unter K aufzusuchen. Diese Verkehrsmittel C.s sind durch seinen Handel und seine Industrie bedingt. Während die jährliche Einfuhr und Ausfuhr vom 1. Sept. 1854 bis 31. Aug. 1855 sich auf 67501 341 Doll., resp. 38777394 Doll. belief, betrug sie in derselben Zeit von 1871 bis 1872: 317 646 608, resp. 200 607 040 und in dem mit dem 31. Aug. 1880 endenden Jahre 256 137 902, beziehungsweise 253827267 Doll., von welch letztern 45537 667 Doll. auf den Export mittels des Flusses, 207 765 789 auf den durch die Eisenbahnen und 523811 auf den durch den Kanal entfielen. Im J. 1879 bestanden in C. 5493 industrielle Etablissements, in denen ein Kapital von 60523350 Doll. angelegt war, und welche 74 798 Arbeiter beschäftigten. Der Wert der von diesen Etablissements in Anspruch genommenen Grundstücke belief sich auf 48111870, der Wert der Produktion auf 148957 280 Doll. Am bedeutendsten sind die Brennereien, die Kleider⸗,‚ Möbel⸗, Tabak⸗, Licht⸗, Seifen⸗, Lebensmittel⸗, Schuh- und Stiefelabriken. Von solchen waren allein 1934 vorhanen, die zusammen 33894 Arbeiter beschäftigten. Das in ihnen angelegte Kapital betrug 24 558650 Doll., während sich der Wert ihrer Produktion allein auf 73514610 Doll. stellte. Sehr bedeutend ist C. als Viehmarkt, obwohl ihm seine Überlegenheit als solcher in neuester Zeit von Chicago genommen ist. Im J. 1879 kamen 976 741 Schweine im Werte von 10980 011 Doll. an und 245 773 Stück im Werte von 2629 771 Doll. wurden nach auswärts verladen. Der Einfuhrwert von Waren, die aus der Schweineschlächterei gewonnen wurden, stellte sich auf 2234408, der Ausfuhrwert auf 9059298 Doll. In demselben Zeitraum kamen 229451 Stück Rindvieh und 525554 Schafe im Werte von 12996617 Doll. an und 105 485, beziehungsweise 400697 im Werte von 8965495 Doll. wurden verladen. Auch als hervorragender Getreidemarkt ist C. zu nennen. Im J. 1880 wurden 771900, beziehungsweise 563564 Fässer Mehl, 5744246, bezw. 1730282 Bushel Mais, 1534401, bezw. 354 287 Bushel Hafer, 1555 107, bezw. 159 769 Bushel Gerste und 573 925, bezw. 307471 Bushel Roggen ein⸗, resp. ausgeführt. Im Pferdehandel behauptet C. die erste Stelle in der Union. Wie in den meisten amerik. Städten, durchschneiden sich auch in C. die Straßen rechtwinkelig. An schr l Plätzen ist es arm; dagegen hat es einige ehr schöne Parks. C. besitzt 175 Kirchen und Bethäuser für alle möglichen Bekenntnisse, wovon 38 röm.⸗katholische. Die offentlichen Schulen sind sehr gut. Sie wurden 1879 von 31943 Schülern besucht, während die gesamte Schulbevölkerung 52575 betrug. Es existierten 45 öffentliche Schulen, in denen 121 uhmte und 485 Lehrerinnen unterrichteten. Die Einnahmen für das öffentliche Schulwesen betrugen 697 780, die Ausgaben 699 780 Doll. Außerdem hatte C. im J. 1879 ein jüd. und ein kath. höheres Lehrinstitut, die im J. 1870 gegründete University of C. mit 20 Lehrern und 469 Studierenden, zwei theol. Seminare, sieben mediz. Institute mit zusammen 81 Lehrern und 1094 Studierenden, eine Rechtsschule und verschiedene andere Anstalten. An Gesellschaften, Wohlthätigkeitsanstalten und Vereinen aller Art ist die Stadt gleichfalls reich. Endlich sind noch zu erwähnen die Michen Bi-Bibel⸗, Missionsgesellschaften und öffentlichen Bibliotheken, eine histor. Gesellschaft, eine für Homöopathie, eine Handelskammer, Spitäler, ein Irrenhaus, ein mechan. Institut und eine kaufmännische Gesellschaft mit einer der besten Bibliotheken im Westen der Vereinigten Staaten. Die Stadt unterhält mehrere Theater, besitzt eine große Musikhalle und einen zoologischen Garten. Ein Kunstmuseum ist im Bau begriffen. Im J. 1881 betrug die fundierte und schwebende Schuld der Stadt 24 628 337 Doll. Die wohlhabendern Bewohner Cis besitzen vielfach Landhäuser auf den zu beiden Seiten der Stadt aufsteigenden Hügeln des Ohio und haben diese teilweise in prachtvolle Parks und Villenanlagen umgewandelt.