Circensische Spiele (ludi circenses), so genannt von dem Cirkus (s. d.), in welchem sie abgehalten wurden, sind schon früh in Rom begangen worden. Dergleichen Spiele waren mit religiösen Festen verbunden, wie denn der Raub der Sabinerinnen nach der Sage bei Spielen erfolgte, die Romulus an dem R des Gottes Consus veranstaltet hatte. Aber früh wurden auch schon eigene Spielfesttage, zunächst freilich nur außerordentlicherweise zu Ehren von Jupiter, Juno und Minerva, begangen. Und nachdem man diese Spiele (vielleicht 366 v. Chr. zum ersten mal) auch als jährliche Spiele zu feiern angefangen hatte, die dann gewälhentd ludi Romani (magni) genannt wurden, während jene in der Regel schlechtweg ludi magni Gotivi) hießen, so wurden bald nicht nur die ludi Romani an immer mehr Tagen gefeiert (zuletzt vom 4. bis 19. Sept.), sondern auch immer neue Spiele eingeführt und an einer ebenfalls steigenden Zahl von Tagen abgehalten; so nacheinander die ludi plebei guletzt vom 4. bis 17. Nov.), die ludi Ceriales (12. bis 19. April), die Iudi Apollinares (6.¶ bis 13. Juli), die Megalesia (zu Ehren der Göttermutter, 4. bis 10. April) u. a., während auch die außerordentlichen Spiele sich vermehrten und ausdehnten. Dabei wuchs mit der Ausdehnung auch die Dorli und der Glanz derselben und gleichzeitig. die Vorliebe des Volks für sie, dessen Verlangen x nach panem et Circensesv (Brot und Circensischen [ Spielen) sprichwörtlich geworden ist. (Vgl. Juvenal in seiner 10. Satire, Vers 81.) Wiewohl von den vielen Festspieltagen der größte Teil derselben von ludi scenici (Schauspielen) und nicht von ludi eircenses eingenommen war, i so galten doch die Tage, an welchen die letztern statt⸗⸗ fanden, für die Hauptfesttage. Dieselben wurden gewöhnlich durch eine feierliche Prozession (pPompa) ! eingeleitet, welche der die Spiele leitende Beamte, und zwar, wenigstens dann, wenn es ein Konsul oder Prätor war, auf einem Wagen (jener wohl seh dem Vier⸗, dieser sicher auf einem Zweigespann) stehend in einem Aufzuge gleich dem eines Enddbeclei. tors führte. Die Prozession zog unter Musikbegleitung und Weihrauchdämpfen vom Kapitol über das Forum nach dem Cirkus und in diesem noch die Rennbahn entlang. In derselben wurden die Attribute und Bilder der Götter, in der Kaiserzeit auch die von Mitgliedern der kaiserl. Familie, zunächst die der vergötterten, teils auf Bahren und Thronen getragen, teils auf kostbaren Wagen, welche Pferde, Maultiere, Elefanten zogen, gefahren. Zahlreiche Priesterschaften und religiöse Korporationen geleiteten sie. Voraus zogen Scharen von Knaben zu Fuß und zu Pferd, die zum Wettfahren bestimmten Wagen, die an den Spielen sich beteiligenden Faustkämpfer, Ringer, Läufer, ferner tanzende Knaben und Männer, begleitet von Musikern. Für die ganze Dauer der Spiele war alles aufs peinlichste vorgeschrieben; der geringste Verstoß machte die Feier ungültig und eine Wiederholung notwendig. Claudius beschränkte die letztere auf einen Tag, um eine allzu lange Ausdehnung der Spiele zu verhindern. Auf den Festzug folgte ein Opfer, dann begannen die Spiele. Diese bestanden hauptsächlich in Wettrennen zu Wagen. Dabei waren die Wettfahrer in vier Parteien geteilt. Seit Nero wurden, wie es scheint, regelmäßig 24 Fahrten an einem Tage gemacht, von denen jede aus sieben Umläufen bestand, die zusammen über 8 km Wegs betrugen. Die Wagen waren gewöhnlich Zwei-⸗ oder Vier⸗, seltener Dreigespanne. Außer den Wagenrennen fanden auch Wettrennen von Reitern statt; hir n zeigten sich früher gewöhnlich, später, seit es ür andere Wettkämpfe eigene Stadien gab, seltener Faustkämpfer, Läufer, Ringer. Dazu kamen militärische Schauspiele und Scheingefechte, in der republikanischen Zeit von jungen Bürgern aufgeführt, in der Kaiserzeit von militärischen Abteilungen; insbesondere aber erschien in glänzendem Aufzuge die Ritterschaft, und zeigten sich in dem von Sulla, Cäsar und Augustus wieder aufgebrachten, nach den julischen Kaisern aber wohl bald wieder abgekommenen sog. Trojaspiel Knaben aus vornehmen Häusern. Auch Tierhetzen fanden zur Zeit der Republik meist im Cirkus statt; in der Kaiserzeit wurden diese aber gewöhnlich im Amphitheater abgehalten, gleich den Gladiatorenspielen, die aber auch ur Zeit der Republik gewöhnlich nicht im Cirkus, sondern auf dem Forum stattfanden. Vgl. Friedländer im „Handbuch der röm. Altertümero von Becker und Marquardt (2. Aufl., Bd. 4, Lpz. 1878) und in den «Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms (3. Aufl., Bd. 2, Lpz. 1874). Es sind auch noch viele Darstellungen von Cirkusspielen in Mosaiken und Reliefen erhalten geblieben. Vgl. darüber Hübner in den (Annalio des Archäologischen Instituts (Bd. 35, Rom 1863) und Zangemeister, ebendaselbst (Bd. 42, Rom 1870).