Ciselieren (frz. ciseler, repousser, engl. engraving, carving, chasing), vom franz. ciseau oder ciselet, Meißel, daher eigentlich: mit dem Meißel zierlich bearbeiten, bezeichnet einerseits die Gesamtheit der Vollendungsarbeiten, welche an Gußstücken (Eisen- und Bronzeguß) vorgenommen werden, um die Feinheiten der Zeichnung, sei es durch Meißel, Schaber, Grabstichel, Bunzen oder Feilen auszuführen, während andererseits diese Bezeichnung im engern Sinn für die mit Hammer oder Bunzen (s. d.) ausgeführte Arbeit des Treibens gebraucht wird, wie sie zur Herstellung erhabener Figuren in Blech, namentlich Gold- und Silberblech, Anwendung findet. Beide Arten des C.s werden von besondern Arbeitern, Ciseleuren, besorgt. Da der figurale Guß auch bei der sorgfältigsten Ausführung die Details der Formen niemals in der Reinheit und Schärfe wiederzugeben vermag, die vom fertigen Kunst gefordert wird, bedarf derselbe einer nachträglichen Überarbeitung der Oberfläche. Durch Feile, Schaber und Meißel wird die ganze Fläche geebnet und von Gußnähten u. s. w. befreit; mittels Stichel und Bunzen erfolgt sodann das Einschneiden vertiefter Linien und Figuren, wobei der Gebrauch dieser Werkzeuge mit der Anwendung derselben beim Gravieren (s. d.) übereinstimmt. Beim Ciselieren im engern Sinn, zur Herstellung getriebener Arbeit (einer Operation, welche neben mechanischer Fertigkeit auch künstlerischen Geschmack und eine gründliche Kenntnis aller Forderungen der Zeichenkunst und Plastik verlangt) werden, in ähnlicher Weise, wie man beim gewöhnlichen Treiben (s. unter Blechbearbeitungs⸗- maschinen) durch Hammer und Amboß eine Hohlform erhält, mit Bunzen und Bunzenhammer auf einer vollkommen ebenen, dünnen Blechplatte Eindrücke hervorgebracht, die auf der entgegengesetzten Fläche als Erhöhungen ünterschied ren) hervotreien, Der wesentlichste nterschied beider Arten des Treibens besteht darin, daß, während der Bunzen, dessen Form entsprechend dem beabsichtigten Dessin gewählt sein muß, genau an der zu bearbeitenden Stelle aufgesetzt und mittels des Bunzenhammers angetrieben wird, das Treiben mit dem Hammer eine so exakte Wirkung nicht zuläßt, daher nicht so schöne figurale Effekte liefern kann. Um aus einer Blechplatte erhabene Figuren zu treiben, wird dieselbe durch Glühen möglichst weich und dehnbar gemacht, worauf mittels einer stählernen Spitze auf der einen Fläche die Zeichnung nicht bloß dem Umriß nach, sondern mit Angabe aller Einzelheiten entworfen wird. Sollen einzelne Teile derselben besonders stark lchen Arbelt so werden sie auf den bei der gewöhnichen Arbeit des Treibens gebräuchlichen Treibstöckchen (einer Art kleiner Amboße von verschiedener Form, die, in den Schraubstock gespannt, namentlich zum Treiben von Laubwerk aus Blech dienen) mittels zweckmäßig geformter Hämmer aus dem Groben gebildet; die Vollendung derselben so- wie das Treiben aller feinern Teile wird jedoch ausschließlich mittels Bunzen bewirkt.