FeedCochrane (Thomas)
GeschichteBrockhaus 1882

Cochrane (Thomas), Graf von Dundonald, ausgezeichneter brit. Seemann, geb. 14. Dez. 1775, war der älteste Sohn des als Chemiker verdienstvollen Archibald C., Grafen von Dundonald, und wurde von seinem Oheim, dem Admiral Sir Alexander C., der 1814 Washington nahm und verwüstete, erzogen. Im Seekriege gegen Frankreich ward Thomas C. bald als einer der tüchtigsten Offiziere anerkannt und erhielt 1806 das Kommando einer Fregatte. In demselben Jahre nahm er ein bei Barcelona, und 1809 trug er hauptsächlich zur Zerstörung eines Teils der franz. Flotte am Ausfluß der Charente im Golf von Biscaya bei. Später in das Unterhaus gewählt, hielt er sich zu den Radikalen und bekämpfte die Politil Castlereaghs. R Febr. 1814 beschuldigt, die Nachricht von Napoleons Abdankung verbreitet zu haben, um Staatspapiere mit Vorteil zu verkaufen, wurde C. von dem Börsenkomitee gerichtlich verfolgt und ur Prangerstrafe, einjährigem Gefängnis und 1000 Pid. St. Geldstrafe verurteilt, darauf durch Stimmenmehrheit aus dem Hause der Gemeinen ausgeschlossen, aus dem Bathorden gestoßen und aus der Liste der Seekapitäne gestrichen. Der Pranger ward ihm erlassen, die Geldbuße bezahlten seine Freunde, und die öffentliche Meinung war so wenig gegen ihn, daß die Wähler von Westminster ihn sogleich zu ihrem Repräsentanten wählten. Nach einjähriger Haft trat er wieder im Parlament als Gegner des Ministeriums auf. Er wandte sich sodann ins Ausland und befehligte 1818 mit entschiedenem Erfolge die Seemacht von Chile, von 1822 an die von Brasilien. Wegen der Verdienste, die er sich in dieser Stellung erwarb, wurde er 1823 vom Kaiser Dom Pedro I. zum Marquis von Maranhäo erhoben. Nach dem Frieden zwischen Portugal und Brasilien nahm er in Brasilien seine Entlassung und begab sich 1827 nach Griechenland, wo er zum Oberbefehlshaber der Seemacht ernannt wurde. Er unterdrückte die Seeräuberei in den griech. Gewässern, verlor aber durch sein willkürliches Benehmen Ansehen und Einfluß, sodaß er Anfang 1828 nach England zurückkehrte, ohne von der griech. Regierung Urlaub erhalten zu haben. Bald darauf erschien er an Bord des in England erbauten Dampfschiffs Hellas abermals in Griechenland, wurde indes von dem Präsidenten Kapodistrias aus dem griech. Dienste entlassen. Er wandte sich nun wieder nach England, wo er nach dem Tode seines Vaters 1. Juli 1831 dessen Titel erbte und durch die Gunst Wilhelms IV. im Mai 1832 mit dem Range eines Kontreadmirals wieder in die brit. Marine aufgenommen wurde. Er stieg 1842 zum Vizeadmiral, erhielt 1847 das Großkreuz des Bathordens und ward bald darauf Höchstkommandierender der in den westind. und nordamerik. Gewässern stationierten Flotte, von wo er 1851 mit dem Range als Admiral der blauen Flagge zurückkehrte. Die Frucht seines dortigen Aufenthalts waren die Notes on the minéralogy, government and condition of the British West-India Islandso (Lond. 1851). — dem er noch 1854 zum Rear-Admiral von Großbritannien erhoben worden, starb er zu Kensington 31. Okt. 1860. über sein ruhm- und wechselvolles Leben hat er 05 in Narrative of services in the liberation of Chili, Peru and Brazilo (2 Bde., Lond. 1859) und in der Autobiography of a seamano (2 Bde., Lond. 1860) berichtet. John Dundas C., engl. Entdeckungsreisender, gleichfalls ein Neffe des Admirals Sir Alexander C., trat früh in den Seedienst und zeichnete sich mißt, sind unter K auszusuchen. während des Kriegs gegen Frankreich in Westindien aus. Nach dem Frieden durchreiste er zu Fuß Frankreich, Spanien und Portugal und erbot sich 1820 ur Unternehmung einer Entdeckungsreise nach frika. Da die brit. Admiralität seinen Plan nicht begünstigte, ging er in der Absicht, das Polarmeer zu erreichen, nach Petersburg, reiste zu Fuß durch Sibirien nach Kamtschatka, kehrte aber 1823 nach Europa zurück, als er sich von der Unmöglichkeit überzeugt hatte, seinen Plan auszuführen. Diese merkwürdige Reise beschrieb er in Narrative of a pedestrian journey through Russia (Lond. 1824; deutsch, Wien 1825). Nach seiner Rückkehr begab er sich nach Amerika und starb 12. Aug. 1825 zu Valencia in Columbia, als er eben in Begriff stand, Südamerika zu Fuß zu durchwandern. Sir Thomas John C., Sohn des Admirals Sir Alexander C., geb. 1789, widmete sich dem Seedienste, ward 1806 Kapitän und nahm unter seinem Vater an dem amerik. Kriege mit Auszeichnung teil. Er bekleidete dann mehrere Jahre den Posten eines Gouverneurs von Neufundland. Im J. 1837 für Yswich ins Parlament gewählt, stimmte er mit Sir Robert Peel und der konservativen Partei. de W. 1841 wurde er Kontreadmiral und 1844 berbefehlshaber der Flottille in Ostindien. Hier unternahm er 1845 eine glückliche Expedition gegen die Seeräuber des Indischen Archipels und bemächtigte sich auf einem zweiten Zuge 1846 der Hauptstadt des Sultans von Borneo. Er erhielt dafür im Okt. 1847 das Kommandeurkreuz des Bathordens, stieg 1850 zum Vizeadmiral, 1856 zum Admiral und 1865 zum Flottenadmiral von Großbritannien auf. C. starb 18. Okt. 1872 auf der Insel Wight im 84. Lebensjahre. Alexander Dundas Baillie C., ältester Sohn des vorigen, geb. im Nov. 1816, trat 1841 50 Bridport ins Unterhaus, wo er die auswärtige olitik Lord Palmerstons mit Heftigkeit angriff und die österr. und neapolit. Regierung gegen die Angriffe der liberalen Partei in Schutz nahm. Auch in seinem Werke Xoung Italyn (Lond. 1850) Raabe er sich als eifriger konservativer Parteimann. Nachdem er bei den Wahlen von 1852 durchgefallen, gelang es ihm erst 1859, für Honiton wieder ins Parlament gewählt zu werden. Diesen Ort vertrat er bis 1868, als er bei den allgemeinen Wahlen von neuem seinen Parlamentssitz verlor. Er kehrte jedoch 1870 als konservativer Vertreter der Insel Wight wieder ins Unterhaus zurück und behauptete, ohne hervorragenden Anteil an den Verhandlungen — nehmen, seinen Sitz bis zu den allgemeinen Wahlen von 1880. Seine Romane „Lucille Belmonto und Ernest Vaney sind schwache Nachahmungen Bulwers; dagegen enthält das von ihm herausgegebene «Voung artist's lifen (Lond. 1864) anzie Luße Bemerkungen über Kunst und Künstlerleben. Außerdem erschienen von ihm: Historic pictures (2 Bde., Lond. 1865) und «Francis I. and other historic studies (2 Bde., Lond. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 477Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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