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ErdkundeBrockhaus 1882

Comersee lital. Lago di Como oder il Lario), bei den Alten Lacus Larius, häufig als den schönste der ital. Alpenseen bezeichnet, liegt in 213m Meereshöhe zwischen den Tessiner Seealpen und den Bergamaskeralpen und wird von der Adda (s. d.) gebildet, die am Nordende einfließt und am südöstl. Ende unterhalb Lecco wieder austritt. Das langgestreckte fiordähnliche Becken spaltet sich etwa in der Mitte bei dem Vorgebirge von Bellaggio in zwei Arme, einen südwestlichen, an dessen Ende Como liegt, und einen füdöstlichen, der nach der anliegenden Stadt Lecco benannt wird. Beide Arme umschließen die fruchtbare Landschaft Brianza (s. d.). Die größte Längenausdehnung des Sees beträgt von der Mündung der Adda bis Como 49 km, wovon 22 auf den nördl. Seearm, 27 auf den Arm von Como, welcher keinen Abfluß hat, fallen; der See von Lecco ist von Bellaggio bis zu der großen Steinbrücke, welche 1 km unterhalb Lecco über den Ausfluß der Adda führt, 20 km lang. An der breitesten Stelle mißt der See 5 Km. Unter den 64 Flüßchen und Bächen, welche er, abgesehen von der Adda, aufnimmt, sind der Liro bei Gravedona, der Albano bei Dongo, der Telo bei Argegno, die Breggia bei Cernobbio, der Varrone bei Dervio, die Pioverna bei Bellano und der Galdone bei Lecco die bedeutendsten. Die größte Tiefe soll 610 m betragen. Mit dem C. stehen in Verbindung beim Ausflusse der Adda die kleinen Seen von Garlate oder Pescarenico und von Olginate, am Nordende der düstere Lago di Mezzola, von der Mera gebildet, früher ein Teil des C., jetzt durch die Anschwemmungen der Adda von demselben getrennt. Das klare grüne Wasser des Sees beherbergt 25 verschiedene Fischarten, besonders Forellen, Hechte, Barsche, Schleien und Agoni (Cyprinus Lariensis). Die herrschenden Winde sind die Breva, der Südwind, der gewöhnlich vom Vormittag bis Abend, und der Tivano oder Nordwind, der während der dern und des Frühmorgens weht. Die Vegetation der Ufer, durch die Alpen wie durch eine Spaliermauer geschützt, trägt ein viel entschiedener südl. Gepräge, als es die lombard. Tiefebene bietet. Lorbeer und Cypresse, Myrte, Oleander, Agaven u. s. w. gedeihen im Frite Berühmt ist der C. durch die unvergleichlich reizenden und zugleich großartigen Landschaftsbilder seiner beiden Ufer. Jahlreiche freundliche Ortschaften und viele zum Teil prächtige Villen mit ihren Gärten, Terrassen und Weinbergen umgürten unmittelbar den Wasserspiegel. Über demselben erheben sich die grünen, bis 1500 mehohen, mit Kastanien und Nußbäumen bewachsenen Vorberge, die wieder von den schroffern und höhern Gipfeln der dahinterliegenden Ketten des Monte-Legnone (2611 m), der Grigna, des Campione (213um) u. s. w. überragt werden. Infolge des zahlreichen Fremdenbesuchs sind fast in allen günstig gelegenen Uferorten ziemlich gute Gasthöfe entstanden. Der See wird von zwei Dampferlinien durchschnitten, von denen die eine, Colico-Como, bei Colico an die Splügenstraße, bei Como (Camerlata) an die Bahn Lugano-Mailand, die andere, Como-⸗Bellaggio-Lecco, bei Lecco an die Bahn Lecco-Bergamo und an die linksuferige Fortsetzung der Splügenstraße Colico-Lecco anschließt. An der Nordhälfte des Sees liegen am linken Ufer Colico (s.d.), ferner Dervio, das industrielle Bellano mit 3005 E. und das reizende Varenna, auf dem gegenüberliegenden rechten Ufer Domaso, Gravedona mit 1527 E. und Menaggio mit 1270 E., von wo aus eine 14 km lange Fahrstraße zur Dampfbootstation Porlezza am Luganersee führt. An dem Punkte, wo sich der Wasserspiegel teilt, ist Bellaggio (s. d.) unstreitig der schönste Punkt am ganzen See. Am eigentlichen See von Como erscheinen dann weiter neben einer roßen Zahl reizender Villen am östl. Ufer Lezzeno, Reso, Torno, am westlichen Cadenabbia und Tremezzo in der reizenden Tremezzina, dem Garten der Lombardei, ferner Argegno, Laglio, Moltrasio und Rovenna. Die Ufer des Sees von Lecco sind ernster und einsamer und * nicht das Malerische und Liebliche seines westl. Nachbars, doch ist eine Fahrt auf demselben immer noch sehr lohnend. Auf hinem rechten Ufer liegen Onno und da, wo der Ritorto, der Abfluß des kleinen Lago di Annone, sich in den See ergießt, Malgrate, auf dem linken Mandello und Abbadia; ein überaus reizender Punkt ist die Stadt Lecco (s. d.). Unter den Villen, welche am C., besonders dem südwestl. Arme desselben liegen, sind hervorzuheben: die Villa Vigoni bei Loveno, Ikmevon Menaggio (früher dem mailänder Kaufmann Mylius gehörig), mit HWaancheh und Marmorwerken von Thorwaldsen, Marchesi und andern neuern ital. Bildhauern; die Villa Giulia unweit Bellaggio (früher dem König von Belgien, jetzt dem Grafen Blome gehörig), mit herrlichen Gärten; die Villa Melzi, im Süden von Bellaggio, reich an Kunstschätzen, besonders plastischen Werken und Fresken, und mit prächtigen Gärten; derselben fast gegenüber zwischen Cadenabbia und Tremezzo die berühmte Villa Carlotta, früher Sommariva (1843 von der Prinzessin Albrecht von Preußen angekauft und seit 1855 Eigentum ihres Schwiegersohns, des Herzogs von Sachsen-Meiningen), mit ausgezeichneten Kunstwerken von Thorwaldsen (Alexanderzug) und Canova (Palamedes, Amor und Psyche). Am östl. Ufer des eigentlichen C. liegt unweit Careno die Villa Pliniana (1570 vom Grafen Anguisola erbaut, jetzt im Besitz der Familie Belgiojoso), die ihren Namen einer periodischen rmißt, sind unter K aufzusuchen. Quelle verdankt, welche bereits Plinius beschrieben hat. Südwärts von Torno befinden sich unter an⸗ z dern die Villa Pasta, Eigentum der Sängerin dieses Namens, die Villa Taglioni, früher der berühmten Tänzerin, jetzt deren ad de Nihl ohne, dem Fürsten Trubetzkoi gehörig, und die Villa Bocarme, von x der aus Belgien bekannten Gräfin erbaut. Am westl. Gestade zeichnen sich aus die Villen Balbianello (bei Lavedo), Gaggi (jetzt Antongina), Colobiano und Passalacqua, besonders aber die Villa Pizzo, Eigentum der Mila d des verstorbenen Erz.· herzogs Rainer, die Villa d'Este des Fürsten von Torlonia, die längere Zeit Aufenthalt der Königin Karoline von England war, und die Villa Raimondi, früher Odescalchi, die größte am See, unweit Como. Die Anwohner des C. sind ti betriebsam; Seidenzucht und Seidenspinnerei bilden einen wichtigen Erwerbszweig. Viele junge Leute wandern als Maurer und Tischler besonders nach Cuba und andern span. Kolonien aus, von wo sie oft mit einem kleinen Vermögen in die Heimat zurückkehren. Vgl. Leonhardi, Der C. und seine Um⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 533Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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