Compton (Henry), vertrauter Ratgeber Wilhelms III. von England, Sohn eines königlich gesinnten Offiziers, der als General Karls I. im Bürgerkriege gefallen war, geb. zu Compton 1632, wurde in Oxford bis 1652 erzogen, begab sich dann auf Reisen nach dem Kontinent, kehrte nach der Restauration zurück und wandte sich zuerst kurze Zeit der militärischen, dann aber der geistlichen Carriere zu. Vermöge seiner hohen Geburt überwand er bald die niedern Stufen, wurde 1674 Bischof von Orford, 1675 von London, bald darauf Mitglied des Geheimen Conseils und Erzieher der Prinzessinnen Marie und Anna. Er ließ es sich angelegen sein, die dissidentischen Richtungen mit der Hochtirche zu versöhnen, während er andererseits die kath. Bestrebungen, die an dem königl. Hofe mehr und mehr überwogen, 4239019 5 bekämpfte. Unter Jakob II. verlor er deshalb den Sitz im Conseil und, als er dem königl. Befehl, einem Prediger, Dr. Johann Sharp, die Kanzel zu verbieten, den Gehorsam verweigerte, das Bistum selbst im Sept. 1686. So trieb der König die konservatipste Richtung unter den Protestanten zur Revolution. C. war Mitunterzeichner des Briefs, in dem sieben Häupter der Whigs und Tories Wilhelm von Oranien zur Landung in England einluden. Er verleitete auch Anna zum Abfall von ihrem Vater, floh mit ihr ins feindliche Lager und trat nach dem Siege im Oberhause für die Erklärung ein, daß der Thron leer sei, wodurch das Königtum Wilhelms ermöglicht wurde. Jetzt wurde er einer der ver⸗ ö trautesten Ratgeber des neuen Herrschers und folgte ihm als Mitglied des Geheimen Rates 1690 auf den Haager Kongreß. Diese Gunst wurde ihm auch unter Königin Anna erhalten, die ihn unter anderm in die Kommission zur Union Schottlands mit England brachte. Doch erreichte er das höchste Ziel seines Ehrgeizes, den Erzstuhl von Canterbury, nicht, wohl weil er zu stark prononcierte latitudinarische Tendenzen gerade in seinen letzten Jahren wieder durchblicken ließ. C. starb 7. Juli 1713.