FeedJakob II.
GeschichteBrockhaus 1882

Jakob II., König von Großbritannien und Irland, 1685—88, zweiter Sohn Karls I., Enkel des vorigen, geb. 24. Okt. 1633, erhielt den Titel eines Herzogs von York. Nach der Einnahme der Stadt Hork durch das Parlamentsheer, 24. Juni 1646, wurde er mit seinen Geschwistern im St.⸗Jamespalast zu London unter der Obhut des Grafen von Northumberland gefangen . entkam jedoch 1648 zu seiner Schwester Maria, der Gemahlin Wilhelms II. von Oranien. Erst nach der Hinrichtung seines Vaters ging er zu der Mutter, Henriette, Heinrichs IV. Tochter, nach Frankreich und trat 1652als Freiwilliger unter Turennes Fahne, mußte aber nach dem Frieden von 1655 Frankreich verlassen. Er sammelte hierauf die brit. und irischen Flüchtlinge um sich und kämpfte in der span. Armee unter Condés und Don Juans von Osterreich ö Befehl bis Ende 1659 gegen seinen Freund Turenne. Nach der Restauration des Hauses Stuart erhielt er von seinem Bruder Karl II. als Großadmiral den Oberbefehl über die brit. Seemacht und siegte 13. Juni 1665 über die holländ. Flotte vor Hardwich. Die katholisierenden Neigungen, welchen sich Karl in der Folge hingab, fanden in J., dem hierin seine Gemahlin Anna, Tochter des Kanzlers Grafen Clarendon, gleichgesinnt war, den lebhaftesten Förderer; parallel damit bewegte sich die Freundschaft mit Ludwig XIV., der Haß gegen Holland und die Absicht, ein unparlamentarisches, absolutes Königtum zu errichten. J. war daher die Seele des Cabalministeriums, das seit 1670 diese Ziele verfolgte. Er selbst trat nach dem Tode seiner Gemahlin im Frühjahr 1672 zum Papsttum über und kommandierte in dem gleich darauf ausbrechenden Kriege gegen Holland in zwei großen r Seeschlachten mit großer Unerschrockenheit. Der Umschwung, der durch den Krieg zu Gunsten des Parlaments eintrat und in der Testakte gipfelte, kostete ihm zeitweise den Verlust seiner Amter; aber geflissentlich vertiefte er den Bruch durch seine Che mit der stockkath. Maria von Modena, wodurch, da Karl ohne rechtmäßige Erben war und J. aus erster Ehe nur zwei Töchter, Maria und Anna, hatte, für England die Aussicht auf eine kath. Dynastie erwuchs. Obwohl die Regierung durch die Vermählung von J.s Tochter Maria mit Wilhelm III. von Oranien wieder in nationalere, prot. Bahnen lenken wollte (1677), mußte J. doch 1679 als Anstifter einer angeblichen Katholikenverschwörun England verlassen. Doch gelang es dem König infolge einer Reaktion gegen die von Shaftesbury geleitete radikale Partei, welche geradezu die Erklusion J.8 zu Gunsten des unehelichen Sohnes Karls, des Herzogs von Monmouth, anstrebte, wieder Boden zu fassen; J. kehrte zurück und folgte Febr. 1685 seinem Bruder ohne Schwierigkeit auf dem Thron. Gleich im Beginn konnte er die whiggistisch-presbyterianischen Aufstandsversuche Lord Argylls in Schottland, Monmouths in Dorset blutig unterdrücken. Darauf versuchte er durch schrankenlose Ausübung seines Dispensationsrechts, d. h. des königl. Privilegs, trotz der Testakte, Nichtanglikaner in Heer, Justiz und Verwaltung anzustellen, durch Mißbrauch seines Suprematsrechts über die anglikan. Kirche, welches er durch die sog. Hohe Kommission gegen widerstrebende Geistliche exekutieren ließ, durch die Indulgenzerklärungen zum Schutz aller von der herrschenden Kirche abweichenden Richtungen, durch eine immer ungescheuter geübte Propaganda und durch enge Bundesgenossenschaft mit Ludwig XIV. sein Ziel, die Herstellung einer latholischen absoluten Monarchie, zu erreichen. Bei der Aussicht, daß nach J.s Tode in Ermangelung männlicher Nachkommen seine beiden prot. Töchter Maria und Anna zur Regierung kommen würden, kam es trotz steigender Entrüstung zu keiner Empörung, bis sich das Gerücht verbreitete, daß die Königin schwanger sei. Am 10. Juni 1688 endlich wurde die Niederkunft der Königin mit einem Prinzen verkündet; das war das Signal zum allgemeinen Abfall. Sieben Häupter der sonst feindlichen Parteien der Whigs und Tories luden jetzt Wilhelm von Oranien nach England ein, indem sie den Thronerben für unecht erklärten. J. wollte einlenken, aber es war zu spät. Als J. von den Zurüstungen hörte, geriet er in solche Furcht, daß er im Sept. 1688 plötzlich alle seine verhaßten Verordnungen widerrief, die Katholiken aus den Amtern entfernte und auch die Echtheit des Kronprinzen von 12 Richtern untersuchen ließ. Der Prinz von Oranien landete im Nov. 1688. Der König, von allen, selbst seiner Tochter Anna verlassen, floh 23. Dez. 1688 nach Frankreich, wo ihm Ludwig XIV. das Lustschloß St.⸗Germain einräumte. Das Parlament erklärte ihn 22. Jan. 1689 des Throns verlustig und sprach denselben dem Prinzen von Oranien als Wilhelm III. zu. Von Frankreich aus unterhielt J. eine stete Verbindung mit seinen Anhängern (s. Jakobiten), durch deren Unterstützung er Versuche machte, den verlorenen Thron wieder zu erlangen. Er starb zu St.⸗Germain 16. Sept. 1701.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 782Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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