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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Conte heißt bei den Franzosen eine Erzählung in Poesie oder Prosa und von kürzerm Umfang, die über eine erfundene Begebenheit, ein Abenteuer, Märchen oder einen Schwank in interessanter und pikanter Form berichtet und im allgemeinen einen frivol-witzigen Charakter trägt. Von jeher haben sich die Franzosen in dieser Dichtgattung ausgeeichnet. Schon im frühern Mittelalter trugen die Jongleurs Contes und Fabliaux (s. d.) auf Buren und Märkten vor. Neuen Stoff führten die reuzzüge dieser Dichtungsform zu, und die den Orientalen nacherzählten Märchen waren die Vorläufer der spätern Contes de fées. Boccaccio, der roßenteils seinen Decameroner aus diesen Quelen schöpfte, regte die Franzosen zu neuen Arbeiten auf diesem Gebiete an. Während früher die Contes in Versen abgefaßt waren, entstanden nach Boccaccios Vorgange eine Reihe von Erzählungen in Prosa, die lune Teil in Sammlungen durch eine Rahmenerzählung zusammengefaßt wurden. Dahin gehören die Cent nouvelles nouvelleso, das „Heptamerono der Margarete von Valois, die „Contes et joyeux déviso ihres Kammerdieners Bonaventure des Perriers, die Contes d'Eutra⸗- pely des Noél Dufail, der Printempso des Jacques Mver, das Moyen de parveniro des Beroalde de Verville u. a. m. Eine Sammlung solcher Erzählungen hat Lecroix veranstaltet (Les vieux conteurs françaisb, Par. 1841). Die Contes de 6es, in prosaischer Form, kamen im 17. Jahrh. in die Mode. Am berühmtesten auf diesem Gebiete sind Perrault, die Gräfin d'Aulnoy und das Fräulein von La Force, deren Arbeiten in die umfangreiche Sammlung des Cabinet de féeso aufgenommen wurden. Um dieselbe Zeit wurde auch die C. in Versen durch Lafontaine wieder in Aufnahme gebracht, der zahlreiche Nachfolger fand. Eine ernstere Richtung suchten dann dieser Dichtgattung Voltaire in den Contes philosophiqueso, Marmontel und Mercier in ihren Contes morauxy zu geben. Unter den Neuern haben Balzac in den Contes drolatiqueso und Alfred de Musset in den „Contes romantiqueso am meisten den nationalen Charakter bewahrt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 572Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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