FeedContretanz
Sport & SpielBrockhaus 1882

Contretanz (frz. Contre-danse) bezeichnet gegenwärtig im allgemeinen jeden Tanz, dessen Touren die Tänzer wechselnd einander entgegenführen und wieder entfernen, vereinigen und wieder trennen. So die Anglaise, Ccossaise, Quadrille u. s. w. In Deutschland versteht man jedoch unter C. insbesondere die franz. Form jener Art des Tanzens, welche in der 31 eauge Terminologie der Ballettmeister im Gegensatz zur Quadrille den Namen Frangaise führt. Diese Renel vor oder dieser französische C. wird in der Regel von vier (aen quarréeo), bisweilen auch von sechs, acht und verschiedenen Touren, welche dem Tanze eine große Mannigfaltigkeit verleihen, verteilen sich gewöhnlich unter sechs Abteilungen (parties), welche besondere Namen (Pantalon, Eté, Pastourelle, Poule, Trénis, Finale) führen. Dieselben sind teils in Zweivierteltakt, teils in Sechsachteltakt gesetzt und bestehen aus achttaktigen Reprisen von durchaus munterm Charakter. Die Touren werden entweder vom Vortänzer oder, wie es in Frankreich Sitte, von dem Orchesterdirektor angegeben. Die Bewegung des Tanzes ist sehr lebhaft und er ist ganz besonders geeignet, die Gewandtheit und Grazie des Tänzers zu bekunden. Die Pas des C. werden mehr schleifend als springend ausgeführt; dieselben nachlässig, mehr schreitend oder Rode⸗ auszuführen, wie jetzt allenthalben die Mode zu erheischen scheint, ist dem heitern, neckischen und ißt, sind unter K aufzusuchen. zugleich galant-chevaleresken Charakter des Tanzes durchaus nicht entsprechend. Dieser Charakter wurde jedoch dem C. erst in Frankreich aufgeprägt, wohin er um 1710 aus England durch einen engl. Ballettmeister gebracht wurde. Auch der Name Contre-danse ist nur durch Accommodation aus dem engl. Country-dance, d. i. ländlicher Tanz, entstanden. Nachdem Rameau 1745 in dem Ballett „Les feétes de Polymnie einen C. eingeflochten hatte, welcher, dem Geschmacke des Parisers entsprechend, den allgemeinsten Beifall fand, wurde er bald in den Salons heimisch und verbreitete sich auch allmählich in die Tanzlokale des Volks. Seine gegenwärtige Gestalt erhielt er im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrh. Von Frankreich aus kam er als Frangçaise nach Deutschland, wo er jetzt zu den beliebtesten Gesellschaftstänzen gehört. Die geringe körperliche Anstrengung, welche der C. verlangt und der Umstand, daß er mehrere Paare zugleich beschäftigt und unterhält, haben viel zu seiner großen Verbreitung beigetragen. Eine Ausartung des Contre-danse II der Cancan (s. d.). Als Komponisten von Contretänzen haben sich besonders der Franzose Musard und in Deutschland Joh. Strauß der Altere und seine Söhne ausgezeichnet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 576Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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