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ErdkundeBrockhaus 1882

Corsica (frz. La Corse, bei den alten Griechen Kyrnos, Korsis), der Größe nach die dritte Insel Italiens, bildet gegenwärtig das 87. Departement Frankreichs, von dessen nächstem Hafen Antibes kaum 170 km, von der toscan. Küste nur 80 km entfernt. Etwa in der Mitte vom Meridian von Genua und vom Breitenkreise Roms durchkreuzt, zwischen 43° und 41 21, nördl. Br. und 26 12 und 27² 11 östl. L. (von Ferro), wird die Insel von der nördl. Küste Sardiniens durch die 11 km breite Bonifaciusstraße (s. d.) getrennt. C. erstreckt sich von N. gegen S., vom Kap Corse bis Cala-Fiumara oder Kap Bonifacio, in der Länge von 183 km, ist in der Mitte bis 85 km breit, hat einen Küstenumfang von 527 km und zählt (1881) auf 8747 qkm nur 258440 E. von meist ital. Abkunft Lene 262 701 im J. 1876 Abnahme 1,6 Proz.). Von SW. nach NO. streichende Gebirgsketten erfüllen den südl. Teil und ragen mit scharfen Felsvorsprüngen schärenartig in das westl. Meer, wäh—⸗ rend die Nordostenden in Hügelreihen übergehen, welche die Küste nicht erreichen. Erst in der Mitte der Insel hebt eine mehr in der Meridianrichtung streichende massige Wasserscheidekette an mit den höchsten, den größten Teil des Jahres mit Schnee bedeckten Gipfeln der Insel: dem Monte-Rotondo (2625 m), der eine der schönsten Rundsichten von Europa darbietet, Monte-dOro (2391 m), Monte-Cinto (2707 m), Monte-Paglia-Orba (2525 m), Monte-Cardo (2454 m) und Monte-Padro (2392 m). Von dieser Hauptkette, an welche sich ein die schmale nördl. Landzunge der Insel erfüllendes,975—1300m hohes Gebirge schließt, gehen gleichfalls in südwestl. Richtung Seitenäste aus und treten mit steilen Felsenmassen an die Westküste, die auf solche Weise durchaus hoch, steil und reich an Buchten und natürlichen Häfen ist, deren es 25 gibt, unter denen die von Sagone, Ajaccio und Calvi die bedeutendsten sind, während sich die ebenere, aber höchstens 15 km breite Ostküste einförmig und arm an guten Häfen zeigt. Portovecchio ist hier noch der beste Hafen. Das Innere der Gebirge ist äußerst wild. Die Seitenterrassen sind mit Reben- und Olivenpflanzungen besetzt, höher hinauf mit Kastanien⸗ und schönen Waldbäumen bedeckt. Aromatische Weiden breiten sich zwischen den undurchdringlichen Forsten; doch die einzige einigermaßen zusammenhängende Kulturgegend ist auf die Ostküste beschränkt. Unter den oft austrocknenden Flüssen, von denen keiner schiffbar ist, nimmt der 84 km lange Golo den Asco und Tartagine auf; nächst ihm mündet der 75 km lange, aus dem Ninosee kommende Tavignano auf der Ostküste; der Liamone und Taravo sind auf der Westküste die bedeutendsten. Die Kommunikation zwischen beiden Seiten findet nur auf engen, oft überaus schwierigen Gebirgswegen statt, die größtenteils nur Saumtieren zugänglich sind. Die zwei Hauptstraßen sind die von Ajaccio nach Bastia über den 1143 m hohen Col de Vizzavona, zwischen dem Cardo und dem Monte d'Oro, und die von Bastia nach San-Fiorenzo. Das Klima ist angenehm, indem die Sonnenhitze durch die hohen Gebirge und Seewinde gemäßigt wird; indes ist ein plötzlicher Witterungswechsel außerordentlich häufig. Ajaccio hat eine mittlere Temperatur von 17— 18“ C., bei 136 absolut schönen und 48 Regentagen im Jahre. Der Boden ist, besonders in den Thälern und an der Küste, sehr fruchtbar, daher die Einwohner, obgleich sie den Ackerbau äußerst nachlässig betreiben, doch für ihren Bedarf, mit Ausnahme des Hafers, der gar nicht gebaut wird, hinreichendes Getreide ernten, aber freilich mit Hilfe der Italiener von Lucca, deren jährlich an 10000 herüberkommen, um die Arbeiten zu verrichten, zu denen sich der Corse zu gut dünkt. Getreide wird nur auf 80000 ha gebaut. Der Weizen lohnt bis 30⸗, der Mais 100fach. Der gemeine Corse lebt gewöhnlich von Kastanien und genießt nur selten Weizenbrot. Jährlich werden 300000 hl Wein, der dem Malaga und dem französischen 91. WW auf 14158 ha gewonnen. Vorzüglich sind die Weine von Sartone und Santa-Lucia di Tallano. Man baut viel Flachs und treffliche Südfrüchte, die sittel fähr. werden, Indigo, Baumwolle, Ol (im Mittel jährlich 200000 hi von 10000 ha) und Seide. Auch gibt es Waldungen von Eichen, Tannen und Lärchenbäumen, 130000 ha, welche die Insel zu dem holzreichsten Departement Frankreichs machen. Der Wald von Bavello, im südl. Teile, wird als einer der prachtvollsten Wälder der Erde geschildert. Indes sind drei Fünftel des Waldes sogenanntes Maquis, d. h. Buschwerk. Die Viehzucht wird stark betrieben und die Wiesen bedecken 250000 ha; doch sind Pferde, Esel und Maulesel von kleinem Schlage, das Rindvieh zwar groß, aber mager, die Schafe gewöhnlich schwarz und mit vier, auch sechs Hörnern versehen, grobwollig. Ziegen von sehr schöner Art gibt es in sehr großer Menge sowie auch Schweine. Im Gebirge leben das wilde Schaf (Muflon), Wildschweine und viel anderes Wildbret. Der Gewinn an Honig und Wachs ist bedeutend. Die Fischerei von Thunfischen, Sardellen und Austern macht neben Seesalzhandel und Küstenschiffahrt eine Hauptbeschäftigung der Küstenbewohner aus, wozu noch die Korallenfischerei an der Küste von Bonifacio und Ajaccio kommt. Die Gebirge, hauptsächlich aus Granit bestehend, enthalten mancherlei Mineralien, die fast gar nicht benutzt werden. Vorzüglich zeichnet sich das Eisen durch seine Güte aus; es wird in vier Eisenhütten verarbeitet. Reich an Eisen sind Olmeto, Farinole, Otta, Venzolasca; an silberhaltigem Blei St.⸗ Florent, Barbaggio, Calenzana, Calacuccia; an Kupfer Castifas; an Antimon Ersa; an Mangan Valle. Berühmt sind die Granite von Algajola und Vico; der Porphyr von Tallano, Olmeto, Girolata; der Jaspis von Niolo; der Serpentin von mißt, sind unter K aufzusuchen. Orezza, Santa-Lucia, Bevinco; der graublaue Marmor von Restonica, der Alabaster von Girolata; der weiße Marmor, dem carrarischen gleich, von Rostino, Serraggio u. s. w.; ferner die Mineralquellen von Orezza, Guagno, Guitera, Caldaniccia, Pietrapola oder Fiumorbo, Puzzichello u. s, w. Die Corsen, ein mittelgroßer, nerviger Menschenschlag, teils Autochthonen, teils Abkömmlinge von Phöniziern, Ligurern, Kelten, Römern, Arabern, Spaniern, Catalanen, Franzosen, Neugriechen (in es Rat im NW. von Asaccio), sind noch ein wahres Naturvolk. Nicht die Hälfte kann lesen und schreiben. Indessen hat sich 19. Dez. 1880 in Bastia eine «Société des sciences historiques et naturelles de la Corsen gebildet, die erste corsische Akademie von wissenschaftlicher Natur. Industrie it ihnen ziemlich unbekannt. Jeder bereitet sich seine Bedürfnisse selbst. Der Handel findet vorzugsweise mit Italien statt. Eisenbahnen besitzt C. nicht, projektiert sind die von Bastia nach San-Fiorenzo und nach Portovecchio. Tapferkeit und Freiheitsliebe, Einfachheit, Mäßigkeit und Gastfreundschaft, aber auch Heftigkeit, Roheit und Trägheit charakterisieren den Corsen, und noch ist es der Justiz nicht vollkommen gelungen, die Blutrache zu vertilgen. Die Insel hat zur Hauptstadt Ajaccio (s. d.), zersällt in die fünf Arrondissements von Ajaccio, Sartene, Corte (bim Innern), Bastia und Calvi; 62 Kantons und 353 Kommunen. Geschichtliches. Die Urbewohner C.s waren iberischen Stammes. Der dort lebende Seneca fand die Sprache sehr ähnlich der der Cantabrer; nachdem die Etrusker die Küsten erobert hatten, wurden von ihnen daselbst Handelsplätze gegründet. Von den Phöniziern kolonisiert, dann von den Phocäern, kamen im 5. Jahrh. die Karthager in den Besitz der Insel, mußten sie aber nach dem ersten Punischen Kriege (238 v. Chr.] an die Römer abtreten. Gegen den Druck röm. Statthalter empörten sich zwar die Corsen, wurden aber nach sieben Jahren blutiger Kämpfe (236—230) gänzlich bezwungen. Hierauf gründete Marius, dann Sulla an der Ostküste röm. Kolonien. Unter der Regierung der Kaiser blühte C. auf und zählte 33 ummauerte, zum Teil Riet Disemth reiche Städte. In großen Verfall geriet die Insel durch die 456 wiederholten Einfälle der Vandalen, unter deren Herrschaft sie seit 470 gänzlich ausgesogen wurde. Belisar vertrieb 533 die Vandalen, und es stand seitdem die Insel abwechselnd unter der Herrschaft der griech. Kaiser und der Goten, bis 754 die Franken und 850 die Sarazenen sie eroberten, aus deren Zeit wohl die Türme an den Küsten stammen, worauf sie zu Anfang des 11. Jahrh. von den Pisanern genommen wurde. Um diese Zeit war die Insel in mehrere kleine Lehnsherrschaften geteilt. Gegen den Druck der kleinen Barone empörten sich die Corsen 1002 und gründeten eine Art Repräsentativversassung unter 15 erblichen Caporali (Tribunen oder Maires) im NO., im SW. stand das Land unter Grafen, wie die von Cinarca, Istria, della Rocca u. s. w. Seit 1077 erkannten sie Gregor VII. als ihren Oberherrn an; Urban II. übertrug die Verwaltung der Insel an die Pisaner, welche sie 1300 an Genua abtraten; doch erst 1387 erkannten die

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 616Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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