FeedCzeustochau
ErdkundeBrockhaus 1882

Czeustochau, Czenstochswa oder Tschenstochow, Kreisstadt im poln. Gouvernement Petrikau, an der Eisenbahn Warschau-Wien, zerfällt in Alt⸗ und Neu-C. und zählt (1878) 15522 E., die Handel mit Heiligenbildern und Amuletten treiben. Der Ort ist berühmt durch sein Kloster vom Orden des heil. Paul des Eremiten, welches der besuchteste Wallfahrtsort in Polen und in allen slaw. Ländern ist. Das Kloster erhebt sich auf einer die Gegend beherrschenden Anhöhe an der Warthe, dem Klarenberge (Jasnogöra), unfern der schles. Grenze. In der reich dotierten Klosterkirche befindet sich das berühmte, auf Cypressenholz gemalte, mit goldenen Kronen versehene und mit vielen Edelsteinen gezierte schwarzbraune Marienbild, das zur Verehrung der Schwarzen Madonna bei dem ganzen poln. Volke Veranlassung gegeben hat. Es ist wahrscheinlich byant. Ursprungs. Nach der Sage ist es von Lukas selbst gemalt, im Besitz der heil. Helena gewesen, dann durch den russinischen Fürsten Leo nach Belz in Galizien gekommen und endlich 1382 von dem Herzoge von Oppeln, Wladyslaw, der das Kloster 0 C. gründete, hierher gebracht worden, um es vor en Tataren zu schützen. Das früher befestigte Klo955 wurde dadurch berühmt, daß 1655 das Heer es schwed. Königs Karl Gustav, der bereits ganz Polen in seiner Gewalt hatte, vor C. den einzigen Widerstand fand, und die Besatzung, die aus 70 Mönchen und 150 Soldaten bestand, unter Anführung des Priors Kordecki 10000 Schweden und einem Teile des mit diesen vereinigten poln. Heeres gegenüber eine 38tägige Belagerung unter dem Schutze der Jungfrau, wie man glaubte, glücklich aushielt. Später verlor C. seine militärische Wichtigkeit; Kaiser Alexander I. ließ, nachdem es 1813 an Rußland gefallen, die alen. Dichter abtragen. Czepko (Daniel von), schles. Dichter, einer der bessern Nachfolger von Opitz, geb. 23. Sept. 160⁵ — Koschwitz bei Liegnitz, gest. 8. Sept. 1660 zu ohlau, war ein fruchtbarer, vielseitiger und patriotischer Dichter. Zu nennen sind von ihm: (Triumphbogen Ferdinand dem Dritten» (Bresl. 1641), «Rede aus seinem Grabe (Bresl. 1660), „Sieben Gestirne Königlicher Bußen (Brieg 1671). Vgl. Kahlert in Prutz' Litterarischem Taschenbucho (1844) und Hoffmann von Fallersleben im «Weimarischen Jahrbucho (Bd. 2). Czeremotz (Czeremos), rechtsseitiger Nebenfluß des Fruth, in den er südlich von Sniatyn mündet, wegen seines Fischreichtums bekannt. Er bildet beinahe in seinem ganzen Laufe die natürliche Grenze zwischen Galizien und der Bukowina. Czermak (Joh. Nepomuk), hervorragender Physiolog, geb. 17. Juni 1828 zu Prag, studierte zu Wien, Breslau und Würzburg Medizin und ward dann zu Prag Assistent am physiol. Institut, auch abilitierte er sich daselbst als Privatdocent für hysiologie und mikroskopische Anatomie. Er wurde 1855 Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie in Gratz, 1856 Professor der Physiologie in Krakau, 1858 in gleicher Eigenschaft nach Pest berufen. Wie an der krakauer Hochschule, so gründete er auch hier ein physiol. Institut. Im Herbst 1860 legte er jedoch in Pest seine Professur freiwillig nieder und wandte sich wieder nach Prag, wo er seitdem als Privatgelehrter lebte, bis er im Frühjahr 1865 einem Rufe als Professor der Physiologie an die Universität zu Jena Folge leistete. I J. 1869 siedelte er nach Leipzig über, wo er auf eigene Kosten ein durch Zweckmäßigkeit der Einrichtung ausgezeichnetes Laboratorium erbaute und daselbst Vorlesungen über Experimentalphysiologie hielt. Er starb 16. Sept. 1873. Die ärztliche Wissenschaft verdankt C. die Einführung und Anwendung des Kehlkopfspiegels zu diagnost. und physiol. Zwecken und die durch den Kehlkopfspiegel ermöglichte lokale WAuer lung der Nasen- und Kehlkopfkrankheiten. Außer einer großen Anzahl von Journalartikeln anatom.⸗ physiol. Inhalts und einer Reihe von Abhandlungen für die «Sitzungsberichtev der wiener Akademie veröffentlichte C.: Der Kehlkopfspiegel und 423 Verwertung für Physiologie und Medizin » (Lpz. 1860; 2. Aufl. 1863) und Populäre physiol. Vorträged (Wien 1869). Nach seinem Tode wurden die wissenschaftl. Abhandlungen und populären Aufsätze C.s unter dem Titel „Gesammelte Schrifteno (2 Bde., Lpz. 1879) vereinigt; dieselben enthalten auch eine uteter Srudn Skizze C.s von A. Springer. — Sein älterer Bruder, Joseph C., geb. 25. Nov. 1825 zu Prag, seit Okt. 1863 Direktor der nach seinen Plänen eingerichteten Irrenanstalt zu Czernowitz bei Brünn, hat sich als Irrenarzt einen geachteten Namen erworben. Derselbe bekleidete später eine Professur der Medizin an der Universität zu Gratz und starb daselbst 24. Juli 1872. Czermak (Jaroslaw), Historienmaler, jüngerer Bruder der vorigen, geb. zu Prag 1. Aug. 1831, trat 1847 in die prager Akademie, wo er unter der Leitung von Christian Ruben mit seiner ersten Komposition: Marius auf den Trümmern von Karthago, auftrat, welcher als zweite Die Ermordung der Begleiter Waldsteins in Eger folgte. C. machte dann eine dreijährige Kunstreise durch Deutschland und lißt, sind unter Tsch aufzusuchen. 48 * Belgien und trat hierauf in die Akademie zu Antwerpen ein, wo er sich namentlich unter Wappers bildete. Das erstere größere Bild: Slowenische Auswanderer, im Besitz des belg. Königs, bekundet bereits große Fortschritte. Bald darauf gewann er den von Prag ausgeschriebenen Preis mit seinem Karton: Die Hussiten treten mit Prokop in das Baseler Konzil ein. C. entnahm seiner heimatlichen Geschichte noch einzelne Motive, besonders aus der Zeit der Hussitenkriege, wandte sich aber später mehr dem Genre zu, in dem er auch Vorzügliches leistete. Im J. 1850 entstand als Frucht einer Reise in die Normandie das Bild: Normännische Fischer im Kahn, die Bibel lesend. Insbesondere ist es aber die an Trachten reiche südslaw. Welt, aus der C. Stoffe für seine Gemälde nahm, nachdem er 1858 eine große Kunstreise durch Mähren, Ungarn, Kroatien, die Herzegowina, Dalmatien und Montenegro gemacht und reiches Material an Ideen, Trachten und Volkstypen gesammelt hatte. Im J. 1861 war in Brüssel Die Montenegrinerin mit einem schlafenden Kinde, in Lebensgröße, ausgestellt. Aufsehen erregte auch: die Montenegrinerin, welche mit dem Gewehr vor einer Höhle, in welcher ihr Mann verwundet liegt, die Wacht hält. Großartig komponiert, voll Leben und Bewegung, mit Rubensscher Kühnheit aufgefaßt ist sein Bild: Baschi-Bozuks rauben eine Herzegowinerin (Museum zu Brüssel). Es folgten dann mehrere Kampfscenen aus der Herzegowina, worunter Das Rendezvous mit einem Uskoken und Die Schlacht bei Duga hervorzuheben sind. Seit 1858 lebte C. meist in Paris, wo er 23. April 1878 starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 755Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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