Czartoryski, berühmte poln. Familie, deren Ursprung einige Genealogen, doch ohne Erweis, von Jagello, andere von dem Enkel des litauischen Fürsten Gedemin, dem Fürsten zu Czerniechow und nißt, sind unter Tsch aufzusuchen. Siewier Korygjello ableiten, welcher in der Schlacht bei Wilna 1390 fiel. Die C. sind wahrscheinlich schon im 14. Jahrh. aus Litauen in die russ. Landschaft übergesiedelt, die alte Feste Czartorysk am Styr in Volhynien wird als Mittelpunkt ihrer Besitzungen angesehen. Urkundlich erscheinen sie in der ersten Hälfte des 15. Jahrh. Alexander Feodorowicz C. trat 1569 der Lubliner Union, welche Litauen mit Polen vereinigte, bei; er wird zwar Fürst genannt, doch erlangte die Familie, obgleich sie sich polonisierte, bis in die Mitte des 18. Jahrh. keine hervorragende Stellung, vorbehaunte wohl, weil sie sich zum griech. Glauben bekannte. it Georg Iwanowicz C. ((est. 1622) trat sie zu der kath. Kirche über, ver⸗ +n sich mit den sehr reichen Familien orsztyn und — und erwarb sich bald das höchste Ansehen. Nachdem die C. schon 1623 die deutsche Reichsfürstenwürde erhalten, wurde ihnen 1785 das österr. Indigenat und 1788 die Magnatenwürde von dem ungar. Landtage zuerteilt. Ursprünglich bestand eine litauische und eine russische, angeblich mit den Ruriks (Linie Jaroslaw) verwandte Linie. Von den zwei Hauptlinien erlosch die ältere, von Nowgorod, zur Zeit des poln. Königs Sigismund I., während sich die andere (zu Klewan) wiederum in zwei Aste teilte, den zu Zukow und den zu Korzee, von welchen jedoch der letztere mit dem Fürsten Joseph Clemens C., gest. 13. Febr. 1810, im Mannsstamme erloschen ist. Der Linie zu Zukow gehörte an Fürst Michael Friedrich C., geb. 26. April 1696, gest. 13. Aug. 1775 als Großkanzler von Litauen, Mitbegründer der lange Zeit mächtigen und einflußreichen sog. „Families, d. i. einer von den Verwandten der C. gebildeten polit. Partei, welche im Gegensatze gegen die Potocki und Radziwill heilsame Reformen und Beschränkung der Adelsfreiheiten in Polen, freilich mit Hilfe Rußlands, 5 Mätter bezweckte. (Vgl. Röpell, «Polen um die Mitte des 18. Jahrh. v», Gotha 1876.) — Sein Neffe, Fürst Adam Kasimir C., General von Podolien, geb. 1. Dez. 1734, durch Geburt, Reichtum, Geist und Bildung ausgezeichnet, wurde nach dem Tode Augusts III. als Kandidat für Polens Thron aufgestellt. Allein durch den Einfluß der Kaiserin Katharina II. erhielt Stanislaw Poniatowski die Krone. Adam Kasimir C. trat nach der ersten Teilung Polens wegen seiner Besitzungen in Galizien in österr. Dienste, wo er Feldmarschall wurde. Dessenungeachtet nahm er an dem Reichstage 1788 —91 den eifrigsten Anteil und erhielt während dieser Zeit eine Sendung nach Dresden, um den Kurfürsten von Sachsen zur Annahme der Krone Polens zu bewegen. Hierauf suchte er in Wien die Vermittelung und den Schutz des Kaisers gegen die Absichten Rußlands. Da seine Bemühungen fruchtlos blieben und König Stanislaw der von Rußland begünstigten 4.——— von Targowiza beitrat, zog er sich au rr Güter zurück. Von Napoleon zum Marschall des poln. Reichstags ernannt, brachte er die Konföderation von 1812 zu Stande. C. lebte später zurückgezogen auf seinen Gütern und starb zu Sieniawa in Pellg 19. März 1823. — Seine Gemahlin Isabella, geborene Gräfin von Flemming (geb. in Warschau 31. März 1746, vermählt 19. Nov. 1761), machte sich ebenso berühmt durch thren Patriotismus wie durch ihre Schönheit und ihren poetischen Geist, den sie als Schriftstellerin entfaltete. Sie lebte bis 1831 zu Pulawy, dessen .„ Gärten zum Teil ihr Werk sind, und wo sie Volksschulen, Fabriken und in dem sog. Tempel der Sibylle die berühmte Sammlung poln. Altertümer begründete. Infolge des Ausgangs der poln. Revolution von 1830 zog sie sich nach Wysock in Galizien, einer Besitzung ihrer Tochter, der Herzogin von Württemberg, zurück, wo sie 17. Juni 1835 starb. Diese ihre Tochter Maria, geb. 15. März 1768, gest. zu Paris 21. Okt. 1854, die sich 1784 mit dem Herzog Ludwig von Württemberg vermählte, von dem sie aber 1792 geschieden wurde, ist die Verfasserin des trefflichen poln. Romans «Malvina „ (Warsch. 1818).