Darfor oder Därfür, d. h. Land För oder Für, ägypt. Besitzung im östl. Sudan (Centralafrika), ungefähr 220000 qkm groß, zwischen 10 bis 167 nördl. Br. und 39 bis 45 östl. L. gelegen, ist im O. durch eine 2 Tagereisen breite, wasserlose, mit Buschwerk bedeckte Steppe von Kordofan, im W. durch eine 15—25 km breite Waldwüste von Wadai getrennt, grenzt im S. an Darfertit und geht im N. in die Wüste nemund über. Das Land hat die Natur eines Oasenlandes. Den Kern der Wüsteninsel bildet der Dschebl⸗-Marra, eine von N. gegen S. vier Tagereisen und von W. nach O. zwei bis drei Tagereisen weit streichende, aber sehr zerrissene granitische Gebirgskette vulkanischen Ursprungs von 1300—1830 m Höhe. Auf dieser entspringt eine große Menge von Quellen, Bächen und Flüssen, namentlich immerfließende in 1200 m Höhe, die sich im N. und NO. zum Wadi-el Melk vereinen, welches oberhalb El-Dabbeh in den Nil mündet; im O. nimmt das Wadi-⸗el Koh alles Wasser auf und verliert sich dann in der weiten Ebene im S.; im W. bilden die Gewässer das Wadi Barreh oder Turah und das Wadi Azum, die in das Wadi Cadja münden, das sich südwestlich in Wadai in einen See ergießt. Die Brunnen sind im O. sehr tief, selbst bis 70m, in Fascher findet man schon in 10 m Tiefe Wasser. Der Boden wird durch die fließenden Wasser und die 75 Tage (Juli bis Ende September) dauernde Regenzeit hinlänglich bewässert, sodaß Landbau und Viehzucht von Natur begünstigt erscheinen. Das wasserreiche Gebirge bietet fruchtbare Bandin denen man viel Weizen, Datteln, Reis, Bananen, Citronen, Zwiebeln, Gurken, roten Pfeffer, Koriander, Hanf, Tabak, Baumwolle, trefflichen Honig u. s. w. gewinnt. Auch Eisenerz ist Deefaß den und wird ausgeschmolzen. Salz liefert der salzhaltige Boden, das meiste muß aber eingeführt werden. Die östl. Ebene Gize, d. h. Sandland, mit rotem Sand bedeckt, ist der gesündeste Teil des Landes; hier wird hauptsächlich Getreidebau getrieben. Der Westen und Süden Dis ist überall fruchtbares Land, letzterer indes wegen seines nassen Thonbodens ungesund. Osten und Norden sind spärlich bewohnt, der Nordosten fast ganz unbewohnt. Der ergiebigste und bewohnteste Teil ist die gebirgige Mitte, und hier werden die terrassierten Bergabhänge mit erstaunlicher Sorgfalt bearbeitet. Die reichen Weiden an den Bergabhängen nähren große (Herden Kamele, Rindvieh, Ziegen und Schafe, auch Pferde; aber Löwen, Panther, Hyänen, Rhinocerosse machen das Land unsicher. Neben diesen gibt es Affen, wilde Ochsen, Füchse, Gazellen, Hafen, Strauße u. s. w. ö Die Zahl der Einwohner beträgt nach Nachtigal 4 Mill. Die eigentlichen Fori oder Gondjaren (Kundscharen), wonach das Land zuweilen auch Dar-Gondjara genannt wird, erscheinen nicht negerartig, sondern haben straffes Haar, dünne Lippen, ein intelligentes Gesicht (vgl. Tafel: Afrikanische Menschenstämme, Fig. 5). Sie sprechen eine stark mit arab. Elementen versetzte Sprache, sind eitel, hochmütig, unzuverlässig, heimtückisch und gegen Fremde äußerst feindselig. Die wohlhabenden Bewohner des Berglandes, im Besitz ansehnlicher Herden, sind roh, dem Trunk ergeben und ungastlich, aber sehr reinlich, fleißig und ch wieich fromm: der Grad von Bildung ist DDriCen viel höher als in Nubien. Die Bewohner der Ebene, ein Gemisch von Fori und Arabern, sollen an Trägheit, Schmutz und Unterwürfigkeit'den Fellah in Agypten gleichen. Im O. wohnen hauptsächlich Tukruri und Berti, nördlicher Homr-Araber, im S. Tukruri und Araber gemischt, im Marra-Gebirge ausschließlich For; im W. wohnen nördlich Araber, daran schließen sich Tukruri, dann Massalit und endlich Baggara; von Fascher im N. Ziadia-⸗Araber, südlich Fellatah. Einen großen Teil der Bewohner der Nordprovinzen bilden die Zoghawa, nomadisierende Neger, und im W. sind die zum Teil nicht unterworfenen Neger Massalit zahlreich, von denen einige, wie die Massalit Ambus, noch Menschenfleisch genießen. Auch die meist nomadisch lebenden Araber sind sehr zahlreich. Die Araber haben sich durchschnittlich rein und unvermischt erhalten und unterscheiden sich durch helle Farbe und regelmäßige Züge von den andern Bewohnern. Die herrschende Religion ist der Islam, der sich seit der Mitte des 18. Jahrh. hier festgesetzt hat. Die Industrie erscheint nicht unbedeutend; für die meisten ihrer Bedürfnisse sorgt die Thätigkeit im Lande. Außer Ackerbauern und Gärtnern gibt es Spinner, Weber, Färber, Gerber und Schmiede, und man fertigt Lanzenspitzen, Pfeile, Bogen, grobe Ackergeräte, treffliches Leder, ee u. s. w. Außerdem bildet der Handel einen bedeutenden Nahrungszweig, da D. ein wichtiger Stapelplatz fsür den Sudanhandel ist. Große Karawanen gehen besonders nach Osten über Kordofan nach dem ägypt. Sudän. Die Ausfuhr besteht in Elfenbein, Gummi, Straußfedern, Tamarind, Ochsenhäuten, Kupfer aus den südlich von D. gelegenen Ländern. Dem Sklavenhandel ist durch die Eroberung des Landes durch die Agypter ein Ziel gesetzt. Als Landesmünze dienen Stücke schlechten Baumwollzeugs. Auf D. waren H. Barths weitere Reisepläne über Wadai hinaus gerichtet. Doch der Sultan gestattete keinem Weißen den Eintritt in sein Land; und war ein solcher hineingelangt, so ließ er ihn nicht wieder hinaus. Deshalb 10 n auch die Expeditionen (3. B. von Kinzelbach und Munzinger 1862, die in Kordofän Halt machten) zur Aufsuchung des in Wadai verschollenen Eduard Vogel aus Leipzig von dieser östl. Seite her de Machtia werden. Dagegen verweilte der Reisende Nachtigal auf seiner Reise von Wadai nach Agypten hier 1873—74. Seit 1791 war die Residenz und Hauptstadt des Landes El Fascher, am Teich Tendelti in 717 m Höhe gelegen, drittehalb Tagereisen direkt östlich vom Fuße des Marra-Gebirges, früher Kinebo genannt; dieselbe liegt in einer sandigen, von einem Bache durchflossenen Ebene und wurde nach ihrer Zerstörung im Kriege 1874 neu aufgebaut. Die Agypter haben hier ein eigenes Quartier, mit Thonmauer und Gräben, Berggeschützen und Mitrailleusen. Eine Tagereise nordwestlich von El Wolan liegt Kobeh, ehemals ein wichtiger Handelsplatz, jetzt verfallen, mit 34000 E.; der Ort war früher das Centrum des Karawanenhandels, der von hier Haus nordwärts über den Marktort Sweini oder Suene nach PWubeeh ostwärts über El-Obéd in Kordofän nach Nubien u. s. w., westwärts über den starkbevölkerten Handels- und Manufakturplatz Kabkabia 1007 m Höhe) nach Wadai betriewurde. Der eigentliche Begründer des kenHe-D. ist Delil oder Dali, um 1500, der die ersten Gesetze feststellte. Der Islam wurde unter Soliman Solon (1596—1637) eingeführt. Bekannt ist in der Zwelher der Sultan Abd-er-Rahman-er-Raschid, welcher 1799 mit Bonaparte bezüglich der Lieferung von Sklaven in diplomatischem Verkehr stand. Unter seinem I.Saßd1e und gefürchteten [Agypten verloren. Ihm folgte 1839 sein Sohn Mohammed-Hassin und diesem 1873 sein jüngster Sohn Brahim. Er fiel im Okt. 1874 in der Schlacht von Menowatschi gegen die Agypter, welche im November in die . einrückten und das Land annektierten. Vgl. Scheinth Mohammed Ebn-Omar el-Tounsy, Voyage au D.v (franz. von Perron, Par. 1845); Pfund, «Reisebriefe aus Kordofän und D.» (Hamb. 1878).