FeedDeligeorgis (Epameinondas)
GeschichteBrockhaus 1882

Deligeorgis (Epameinondas), neugriech. Staatsmann, geb. 10. Febr. 1829 in Tripolis im Peloponnes, studierte die Rechte an der athener Universität. Nachdem er einige Jahre in Athen als Advokat praktizierte, wurde er 1859 als Deputierter Missolonghis in die Kammer gewählt. Sein entschiedenes Rednertalent, dessen Anziehungskraft mehr in der ausgesucht schönen Form als der Ideenülle lag, stellte D. bald an die Spitze der Partei der ißvergnügten, welche sich zum Losungswort die Absetzung des Königs Otto gewählt hatte. Nach der Thronbesteigung Georgs J. wurde D. mehreremal zum Deputierten gewählt, erhielt oft ein Ministerportefeuille und wurde 1865 Ministerpräsident. Diese Würde hat D. seitdem oft bekleidet und 1873 dadurch bezeichnet, daß er der Laurion-Affaire durch die Bildung einer griech. Ausbeutungsgesellschaft ein Ende bereitete und die Beziehungen Griechenlands zur Türkei durch eine Annäherungspolitik zu verbessern versuchte. Diese Tendenz D. war auch der Grund, daß er in dem 1877 aus sämtlichen Parteiführern gebildeten Kabinett mit allen Kräften gegen das militärische Eingreifen Griechenlands in den Russisch-Türkischen Krieg auftrat und jede dahin zielende Initiative seinen Kollegen vereitelte. Nach dem Berliner Kongreß zog sich D. vom polit. Treiben zurück. Er starh 13. März 1879. D. war ein tüchtig gebildeter Staatsmann von Charakterstärke und absoluter Uneigennützigkeit. Seine polit. Reden sind in Athen (2 Bde., 1880) veröffentlicht worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 21Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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