Delos, 5 zusammen mit der größern westl. Nachbarinsel Rheneia Dili oder Diläs (Plural von Dilos) speziell Mikra Dilos (d. i. Klein-Delos) genannt, eine kleine, ganz aus Granit bestehende Insel des Agäischen Meeres von etwa 3akm Flächeninhalt, ohne Bäume, nur mit niedrigem Gesträuch bewachsen, jetzt unbewohnt. Sie war im Altertum berühmt als die älteste und heiligste Stätte des Kultus des Apollo, der hier mit seiner Schwester Artemis von der Leto, die auf dem der Sage nach früher unstet im Meere umherschwimmenden Eilande Zuflucht suchte, geboren sein sollte, und wurde daher als der religiöse Mittelpunkt der ganzen Inselgruppe der Cykladen (s. d.) betrachtet. Etwa in der Mitte der Insel, etwas näher der Oouthos erhebt sich ein Berg von w106 m Höhe, der Kynthos, nach welchem Apollo öfter, besonders hei röm. Dichtern, Cynthius und Artemis Cynthia genannt werden. Den Gipfel derselben krönte ein Tempel des Zeus Kynthios und der Athene Kynthios; am Aufgange dazu stand ein hochaltertümliches Heiligtum von eigentümlicher Anlage, dessen Bestimmung unklar ist. Vom Fuße des Berges zieht sich in südwestl. Richtung das jetzt meist trockene, zum Teil noch mit antiken Marmorguadern eingesaßte Bett eines Gießbachs herab, des Inopos, von dem die Alten glaubten, daß er mit dem Nil zusammenhänge. Am westl. Abhange des Berges erkennt man noch das alte Theater und unterhalb desselben, nahe dem westl. Strande der Insel, die Stelle des großen Apollotempels, der, in dor. Stile aus parischem Marmor erbaut, von Säulenhallen, verschiedenen Heiligtümern (der Leto, der Artemis u. s. w.) und sonstigen den Zwecken des Kultus dienenden Gebäuden sowie bon einem Walde von Statuen umgeben, jetzt einen großen Trümmerhaufen bildet, der den Bewohnern der benachbarten Inseln jahrhundertelang als Steinbruch gedient hat. Der Plan des Tempels zeigt große Ahnlichkeit mit dem des athenischen Theseion; wie dieses war er ein Peripteros mit 6 Säulen an den Schmalseiten und 13 Säulen an den Langseiten. Nördlich von den Tempelruinen findet man ein trockenes, ovales Bassin, das im Altertum mit Wasser gefüllt und unter dem Namen des aradförmigen Seeso bekannt war. An seinem Rande sollte nach der gewöhnlichen Tradition Leto, während sie sich am Stamme eines Palmbaums festhielt, die Kinder geboren haben. Noördlich und nordöstlich davon lag die alte Stadt Delos, die, weil die Heiligkeit der Insel sie hin. länglich vor feindlichen Angriffen schützte, bis 69 v. Chr. ganz offen, ohne Ringmauern und Kastell war. Noch gegenwärtig sind die Fundamente vieler Häuser mit zahlreichen Bruchstücken von Granitsäulen, welche die innern Höfe derselben umgaben, erhalten. Ostlich von der Stadt sind noch Reste des alten Gymnasion und Stadion erhalten. Iutel bedeclend in den fast den ganzen Boden der Insel bedeckenden Trümmermassen sind neuerdings von Mitgliedern der Eeole francaise in Athen mit Unterstützung der franz. Regierung angestellt worden, seit 1873 von A. Lebegue (vgl. dessen Recherches sur Déloso, Par. 1876), seit 1876 von Th. Homolle (ogl. Bericht Les fouilles de Délos in den Monuments grecs publiés par Lassociation pour l'encouragement des études grecs en France », Nr. 7, Par. 1878, und die Mitteilungen in der Revue archéologiqueo, neue Serie, Bd. 40). Die ganze Bedeutung der Insel feit irh auf dem Heiligtume des Apollo welches seit früher Zeit den Mittelpunkt eines Bundes ionischer Staaten bildete, welche alljährlich Festversammlungen (Panegyreis) hier hielten, bei denen auch bedeutende Handelsgeschäfte gemacht wurden, daher sie einer der Stlaueuba Handelsplätze, besonders auch für den Sklavenhandel war. Während der Blütezeit der Macht Athens war die Verwaltung des Heiligtums in den Händen der Athener. Diese verordneten 426 v. Chr., um die Heiligkeit des Ortes noch zu heben, daß niemand auf der Insel geboren werden noch sterben solle. Diese nach den Anschauungen der Alten verunreinigenden Ereignisse sollten auf der gleichsam einen Vorhof des Heiligtums bildenden Nachbarinsel Rheneia, welche auch die Gräberstätte für D. war, stattfinden. Die Insel wurde verwüstet durch Menophanes, den zseldherrn des Mithridates, dann von den Römern den Athenern als Eigentum übergeben und war in den spätern Zeiten des Altertums zwar noch bewohnt, aber sehr herabgekommen. Jetzt gehört sie zum griech. Nomos der Cykladen und wird nur zeitweise von Fischern und wandernden Hirten besucht. Die Insel Rheneia oder Megali Dilos ist 17 qkm groß und unbewohnt. Vgl. G. Gilbert, „Deliacas (Gött. 1869). ö ů Deloyal (frz.), unredlich, untreu; Deloyalität, Treulosigkeit, Unredlichkeit. *